Was haben Frauen wie Mary Oliver, Rachel Carson und Robin Wall Kimmerer gemeinsam?
Sie alle zeigen sich in besonderer Weise verbunden mit der Natur, haben die Phänomene ihrer lebendigen Mitwelt intensiv auf unterschiedliche Weise wahrgenommen und erforscht – und oft schon in jungem Jahren begonnen, darüber zu schreiben. Mit Nature Writing ist dafür heute ein Begriff in Gebrauch, der die Grenzen zwischen Poesie, Sachtext und Journalismus durchlässig macht. Aber bedeutsamer als solche Fragen der Zuordnung und Benennung sind Sichtweisen und Bezüge zur Mitwelt, die sich in ihrem Schreiben ausdrücken. Und die sich durch eigene Schreiberfahrungen vertiefen und verändern können.
Daher widmete sich eine Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Frauen in den Naturwissenschaften“ des Netzwerks Natus am Samstag vor Pfingsten bewusst dieser Verbindung von Wissenschaft und Kreativität mit besonderer Aufmerksamkeit für das Forschen und Schreiben von Frauen in Vergangenheit, Gegenwart – und Zukunft. Denn wenn es stimmt, dass Sprache und Schreiben das Denken und Begreifen in der Beziehung zur Natur auf besondere Weise berühren und verändern können, dann bleibt das ein hochaktuelles Thema.
Kreatives Schreiben heißt…
In einem schöpferischen und spielerischen Prozess werden durch Regeln der Begrenzung und Fokussierung jene Wörter ans Licht gelockt, die sich wie eine Art stilles Gespräch mit der Natur verbinden und lesen lassen. Und eben diese Natur zeigte sich am Veranstaltungsort, dem Alten Botanischen Garten in Kiel, besonders vielfältig und sinnlich anregend.
Kleine Übungen mit Akrostichon, Haiku oder Elfchen helfen dabei, die bewusste Wortfindung mit den Wahrnehmungen von Pflanzen und Tieren in Einklang zu bringen: Wir schauen, lauschen, spüren…machen uns so die Eigenschaften im Lebendigen um uns herum bewusst und suchen nach jenen Worten, die davon etwas ausdrücken und zugleich poetisch von der innewohnenden Schönheit der Welt erzählen.
Und wir merken vielleicht: Die Buchstaben eines Baum-Namens als „Stamm“ zu nutzen, um diesen mit passenden Verben als lebendiges und aktives Wesen zu beschreiben, macht aus dem Objekt der Beobachtung ein aktives und lebendiges Subjekt – und damit den Anfang für ein Umdenken in der Beziehung zur Mitwelt.
Nicht immer wissen wir genau, wie und warum einzelne Frauen in der Naturwissenschaft ihre oft besonders ausgeprägte Sprachbegabung als Schlüssel für das wissenschaftliche Forschen und Schreiben erfahren und genutzt haben. Aber wir können beim Lesen vieler Werke bis heute spüren, wie Sprache dazu beiträgt, uns zu inspirieren, wie es ihnen gelingt, nicht allein Fakten aufzuzählen, sondern Zusammenhänge herzustellen, Emotionen und Visionen in uns anzurühren und damit ein tiefergehendes Interesse an dem zu wecken, was unsere Welt zusammenhält.
Das verstärkt die Sinnstiftung ihrer Forschung und erleichtert die Teilhabe an Wissen – und am Weiterdenken…
Zum Ausprobieren:
Kleine Wunder in Worten – Handout
Susanne Brandt
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