Sonntagsmomente: Die alten Geschichten von dem, was möglich bleibt…

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Macht, Menschen, Widerspruch – alte Geschichten und andere Möglichkeiten

Manchmal finden die Dinge und Gedanken seltsam zueinander: An einem Tag, als die Medien sich mit Schreckensmeldungen überschlugen über die gefährlichen Machtfantasien der Herren Trump und Höcke, dass einem in der Wiederholung der unsäglichen Aussagen fast die Fantasie abhanden kommen konnte für andere Geschichten – da landete auf meinem Schreibtisch ein Buch zur Rezension, das mir mit seinem sperrigen Titel „Christsein im Imperium“ erstmal wenig Freude verheißen mochte. Zu groß und machtvoll schienen mir die Worte, um von einer „anderen Welt“ zu träumen, wie es der Untertitel andeutet.

Der Blick ins Buch offenbarte dann aber schnell: Die Autorin Renate Wind wählt ihre Worte mit Bedacht statt mit Macht – und weiß um die andere Wirkung jener Geschichten aus biblischen Überlieferungen, die so alt sind, dass sie bereits eine lange und widerständige Geschichte mit herrschenden und vergehenden Imperien überlebt haben. Weiterlesen

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Ansehen statt Abschottung – zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge 2017

Bild: Klaus Metje

Das Ansehen
wollten dir viele nehmen
Hagar, du Wanderin
wüstenweit vielen voraus

manchmal
drehst du dich um zu uns

sprichst mit den Augen
der so oft Verkannten
selten Genannten
Erstaunliches aus

Susanne Brandt

 

Text aus: Zugetextet.com, Nr.2 /2016 zum Thema „Flucht“

Jeweils am 3. Sonntag im Januar, in diesem Jahr also am heutigen 15.1., findet der Welttag der Migranten und Flüchtlinge statt. Dieser kirchliche Gedenktag wurde 1914 von Papst Benedikt XV. mit dem Dekret Ethnografica studia ausgerufen. Anlass war der Eindruck des Ersten Weltkrieges. Der Tag ist nicht mit dem seit 2001 jährlich stattfindenden Weltflüchtlingstag am 20. Juni zu verwechseln, der von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde.

„Mit Hagars Augen“ – so der Titel des einleitenden Gedichtes zu diesem Tag  – steht für die Blicke, für die persönlichen Erfahrungen und Perspektiven vieler einzelner Menschen, die an den Grenzen, auf Fluchtwegen, in Lagern nah und fern und mitten in unserem Alltag mit ihren elementaren Lebensbedürfnissen auf Würde und Anerkennung hoffen. Weiterlesen

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Bilderbuch-Tipp: Nachtmusik und Sprachklang aus der Insektenwelt

441620Nach dem Bilderbuch „Zuhause“ nimmt C. Ellis das Leben mit seiner Wärme und seinem Wandel erneut in ihren liebevollen Blick: Dabei gibt sie diesmal den Insekten eine Stimme – nicht mit animalischenLauten, sondern mit einer feinen „Tiersprache“, die in Anklängen eine Übersetzung ins Deutsche ahnen lässt und doch für alle Betrachtenden eine geheimnisvolle Fremdsprache bleibt, die den Eigensinn und die Unverfügbarkeit der Tierwelt zum Ausdruck bringt.

In dieser beginnt die Geschichte mit einem großen Staunen: Da wächst etwas aus der Erde heraus, entwickelt sich zur Blume und wird von allerlei Tieren „umgarnt“ – bis im Herbst der Verfall einsetzt und alles in eine Winterstarre fällt. Im Frühling aber…

IMG_1611Neben den fantasievoll ausgeschmückten Ereignissen um die kleine Pflanze zeigen sich auf den Doppelseiten, die mit der knappen wörtlichen (Tier-)Rede nur ganz sparsam betextet sind, allerlei Nebenschauplätze, an denen sich der Jahreslauf der Natur offenbart.

Und ganz besonders schön: die Nachtmusik, die allein durch die Illustration und Stimmung ihren inneren Klang entwickelt und damit die kunstvolle Sprachmusik um eine weitere sinnliche Dimension bereichert. Da möchte man gleich ein Instrument zur Hand nehmen und einfach losspielen. Der Bildaufbau wird zur Partitur…

Kinder (und Erwachsene!) aller Nationen werden an der facettenreichen Erzählweise dieses Buches ihre Freude haben!

Susanne Brandt

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Bilderbuch-Tipp: Lied für Louise

c Verlag Seemann

c Verlag Seemann

Das Bilderbuch über die Kindheit der Bildhauerin Louise Bourgeois (1911-2010) bietet weit mehr als eine Biografie – zumal die Hauptgeschichte des Buches wenig auf ihr späteres künstlerisches Leben und Schaffen eingeht. Poetisch und feinsinnig erzählt wird vielmehr davon, wie ein Kind durch die Wahrnehmung der Natur und das Erleben der schöpferischen Textilarbeit in der elterlichen Tapisserie-Werkstatt mehr und mehr ein tiefes Empfinden für die Farben, Formen und Bewegungen ihrer Umwelt ausbildet und daraus eigene künstlerische Ideen entwickelt. Die Töne und Bewegungen des Flusses fließen zusammen mit den geschmeidigen Fäden und Farben in der Werkstatt. Die Erfahrung, wie Dinge zerreißen und wieder zusammengefügt werden können, werden ihr zum Sinnbild für Brüche und Heilungsprozesse im eigenen Leben. Weiterlesen

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Zum neuen Jahr: NACHdenken über VORsätze

„Wesentlich ist und bleibt die Durchlässigkeit für die Eindrücke von außen und – nicht zuletzt – die Offenheit für den Klang der inneren Stimme“ (aus: Ulrich Grober: Der leise Atem der Zukunft, oekom 2016)

BALI

An der Flensburger Förde / Foto: S. Brandt

Ehrlich: Die sogenannten „guten Vorsätze“, die regelmäßig zum Jahresbeginn reichlich verkündet und ausgetauscht werden, machen mich ebenso regelmäßig nachdenklich. Warum kann ich persönlich mit „guten Vorsätzen“ so wenig anfangen? Sicher nicht, weil ich meine, es sollte alles so bleiben wie es ist – mich selbst eingeschlossen – und wäre an keiner Stelle „zum Guten/Besseren wandelbar“.

Vielleicht liegt es am Wort: „Vorsatz“ drückt für mich eine große Distanz zu meinem Inneren aus. Das, was ich mir vornehme, scheint sich (noch) außerhalb von mir zu befinden, in der Zukunft, noch nicht erreicht und somit auch noch nicht inwendig spürbar. Gesteckte Ziele sind eine Art „Sehnsucht auf Distanz“, vielleicht mit starken Wünschen oder Ehrgeiz verbunden, aber eben mit Abstand zu mir selbst bereits aus dem Prozess der Bewegung und Verwandlung herausgelöst: gesetzt, gesteckt, markiert, fokussiert. An Großherzigkeit denke ich bei Ehrgeiz nicht. Weiterlesen

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Sonntagsmomente: Flieg, Seele, flieg….

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Sonnenaufgang in Lisr/Sylt, Foto: Susanne Brandt

Der heutige Blick aus dem Fenster des alten Pfarrhauses von List auf Sylt hätte passender kaum sein können für diesen 4. Advent: Kommendes Licht über dem Meer an der Ostküste der Insel. „Sehnsucht“ ist das geistliche Thema dieses Sonntages – so auch im Gottesdienst in der kleinen Lister Kirche. Und da passt das Lied auf einen Text des Dichters Arno Pötzsch genau für diesen Tag und Ort, wo es heute gesungen wird – wenngleich die Verse vor vielen Jahren am Deich von Cuxhaven entstand sind:

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Menschliche Stimmen statt mediale Stimmungen: einander zuhören und ermutigen

Viele Menschen sind nach Deutschland geflohen, weil sie hier auf eine demokratische Verfassung hoffen, die ihre Menschenrechte und Menschenwürde wahrt und Menschen vor Verfolgung, Diskriminierung und staatlicher Willkür schützt. Daraus ergibt sich eine gegenseitige Achtung und Verantwortung, die immer noch viel zu oft als einseitige Bringschuld „uns“ gegenüber missverstanden wird. Denn wir haben uns im Alltag nicht weniger dieser Verantwortung zu stellen, erleben unser eigenes Scheitern und dürfen nicht kleinreden, wie leicht Menschenrecht und Menschenwürde im Dschungel bürokratischer Hürden aufs Spiel gesetzt werden. Auch wir sind dabei oft auf Ermutigung angewiesen – durch Menschen, die mit ihrem Mut zu uns gekommen sind.

Blickwechsel auf Augenhöhe: Was bewegt mich – was bewegt dich?

Was wir als gemeinsame Verantwortung im Sinne eines menschenwürdigen Miteinanders jeden Tag neu üben können, ist eine Kultur des gegenseitigen Zuhörens und des Dialogs was-mich-bewegtauf Augenhöhe. Dazu gehören Respekt, Feingefühl und Achtung vor dem, was Menschen mitbringen und einbringen in unser Leben: ihre Erinnerungen, ihre Lebensleistungen und enormen Kompetenzen, ihr Gelingen und Scheitern, ihre Ängste und Hoffnungen, ihren Glauben, ihre Sehnsucht und ihren guten Wille, etwas verändern zu können. Dazu gehört ebenso, dass wir visionäre und ermutigende Ideen und konkrete Handlungsmöglichkeiten, die wir miteinander entdecken können, nicht durch pessimistische Prognosen, Vorurteile und „schlechte Erfahrungen“ schmälern und abhängig machen von wechselnden medialen Stimmungsmachern. Weiterlesen

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Sonntagsmomente: Es kommt ein Schiff

BALI

Advent an der Alster / Foto: Susanne Brandt

Alster-Spaziergang an einem Adventssamstag in Hamburg: In der Innenstadt herrscht lautes Treiben. Hier am Wasser aber, hier wird es immer stiller, je weiter man sich von den Einkaufsstraßen entfernt. Bei einem Café am Ufer gibt es heiße Getränke. Wenige Leute sitzen am Bootssteg, wärmen sich die Hände am Glas und genießen die Wintersonne.

Da – die Stimmen verstummen. Was ist das? Was ist das für ein feines Klingen vom Wasser her? Langsam zieht ein Dampfer vorbei…. Weiterlesen

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Sonntagsmomente: Ein Herbstblatt-Gedicht zum Advent

friede-auf-erden-2Gerade fallen noch die letzten Blätter vom Baum, da beginnt bereits die Adventszeit. Das hat mich in diesem Jahr dazu angeregt, die Einstimmung in die Vorweihnachtszeit nicht mit dem klassischen Tannengrün, sondern mit einem Ginkgo-Blatt zu verbinden. Schließlich legt die Form des Blattes eine Assoziation zu Engeln nah – und befasst man sich mit der weltweiten Bedeutung dieses faszinierenden Baumes, so scheint eine Friedenssymbolik aus allen Teilen des Baumes zu sprechen.

Vom Frieden zu schreiben – das fällt am Ende eines Jahres, das in vielen Teilen der Welt von Krieg und Terror, Flucht und Unruhen geprägt ist, nicht leicht. Vieles, was in der Welt passiert, bleibt beunruhigend. Das aber steht nicht im Widerspruch zum weihnachtlichen Lobgesang „Friede auf Erden“, der immer ein „so sei es“ in sich trägt und zugleich ein weit zurück reichendes „am Anfang war…“. In beidem geht es nicht vordergründig um Fakten und Beweise, sondern um eine Sehnsucht und um ein Vertrauen, aus dem heraus tatsächlich etwas erwachsen kann: friede-auf-erden

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„Dezembergeschichten“ für die dunklen Tage des Jahres

Gestern war es wieder soweit: In der Stadtbücherei Oldenburg/Holstein wurde am Freitag vor dem 1. Advent die landesweite Vorleseinitative „Dezembergeschichten“ der Büchereizentrale Schleswig-Holstein eröffnet, die auch in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft von Ministerin Anke Spoorendonk stattfindet und bereits seit 2006 jährlich tausende von Kindern zum Zuhören und Mitmachen einlädt.

c Carlsen Verlag

In diesem Jahr als „Kleines Dezemberbuch des Jahres“ ausgewählt: „Schlittenfahrt mit Tiger Fred“ / Cover: c Carlsen Verlag

Mehr als 300 Exemplare der diesjährigen Dezemberbücher wurden in den vergangenen Wochen über die Büchereizentrale bezogen und sind in vielen Büchereien im ganzen Land zu entleihen sowie in zahlreichen Kindergärten und Schulen im Einsatz. Neben dem umfangreicheren „Dezemberbuch des Jahres“ mit Vorlesegeschichten für jeden Tag, die sich an Grundschulkinder der Klassen 3-4 richten, wird auch 2016 ergänzend das „Kleine Dezemberbuch des Jahres“ angeboten. Dieses eignet sich bereits für jüngere Zuhörer in Kindertagesstätten und Grundschulen (Klasse 1-2). Durch die überschaubare Geschichtenauswahl des „Kleinen Dezemberbuchs“ – sechs Geschichten im Wechsel mit Ideen zur Vertiefung – lässt diese Sammlung jüngeren Kindern mehr Zeit und Raum zum Sprechen, Gestalten und Wiederholen. Dabei lassen sich beide Bücher wie ein „Adventskalender“ nutzen:

Für jeden Wochentag im Dezember bietet die Kombination aus Büchern und Mitmach-Materialien im Download mal parallel, mal im Wechsel eine kleine Vorlese- oder Gestaltungsidee an. Weiterlesen

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