Sonntagsmomente: Schattentheater

BALI

Herbstsonne, Foto: Susanne Brandt

Noch einmal ein Fest,
denkt die Sonne,
noch einmal ein farbiges Spiel
mit Schattentheater der Blätter,
noch einmal verschenkt sie so viel,

wirft Wärme vom Himmel
und wechselndes Licht,
malt tanzende Schatten
ins fremde Gesicht,
weckt herbstliche Wehmut
und schwingt ihren Hut,
mischt Funken von Sehnsucht und Übermut
zur letzten Verbeugung des Sommers.

Er geht und zugleich ist ein Anfang gemacht:
Aus Ästen wird bald schon
ein Feuer entfacht.

Das wärmt in der Nacht.

 

Susanne Brandt, im September 2016

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„Woher die Worte den Mut nehmen“ – Bibliotheksgedichte erzählen Bibliotheksgeschichte

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Stadtbibliothek Stuttgart, Foto: Susanne Brandt

Wer Bücher liebt und mit Bibliotheken vertraut ist, wird bei dieser Lyrik-Anthologie ins Staunen kommen: Was der Herausgeber Raymond Dittrich in dem neu erschienenen Auswahlband “Bibliotheken der Dichter” an Bibliotheksgedichten aus vielen Jahrhunderten zusammengetragen und durch Register erschlossen hat, ist von einer so überraschenden Vielfalt geprägt, dass man sich gern darin „festliest“. Viele bekannte und einige unbekannte Namen gibt es dabei zu entdecken: Gryphius und Grillparzer, Hesse, Brecht und Roth, Jandl, Bachmann und Gernhardt. Auch der 1971 geborene Jan Wagner, Leipziger Buchpreisträger im letzten Jahr, fehlt nicht. Sie bringen in ihrer Lyrik etwas davon zum Ausdruck, was Bibliotheken sind und bewirken, beflügeln oder begrenzen. Und folgt man dabei der Chronologie des Buches, lesen sich die Gedichte zugleich wie eine Reise durch die Bibliotheksgeschichte – und durch das sich verändernde Erleben von Büchersammlungen im Laufe der Jahrhunderte. Weiterlesen

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Die Entdeckung der Nachhaltigkeit – Reisebeschreibung durch ein spannendes Buch

Download (2)Im Sommer 2011 habe ich in diesem Blog meine Freude über das Buch “Vom Wandern” von Ulrich Grober zum Ausdruck gebracht.  Nun bin ich abermals auf ein 2013  aktualisiertes und erweitertes Buch (1. Aufl. 2010) von Ulrich Grober gestoßen – abermals zu einem Thema, das mich, wie schon das Wandern, seit vielen Jahren buchstäblich “bewegt”: “Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffs” – so der Titel. Was auch dieses Buch wieder von anderen Veröffentlichungen zum Thema unterscheidet, ist der tiefe Einblick in die vielen Facetten des Begriffs. Nachhaltigkeit wird hier nicht – wie so oft – als Floskel vereinnahmt. Vielmehr zeigt der Autor kenntnisreich und durch treffend gewählte Zitate belegt die vielen kulturgeschichtlichen Einflüsse auf Entwicklung und Deutung des Begriffs, entdeckt Urtexte und Vordenker aus verschiedenen Epochen, Nationen, Perspektiven und macht an unterschiedlichen Nachhaltigkeitsmodellen deutlich, wie diese um menschliche Grundbedürfnisse und um Lebensqualität kreisen und ringen.

Der “Europäische Traum” und andere Visionen

Als ein besonders bemerkenswertes Beispiel in dieser Zeit – 12 Jahre später: Die Schlussworte des US-Soziologen Jeremy Rifkin in seinem 2004 erschienenen Buch “Europäischen Traum. Die Vision einer leisen Supermacht”:

“Wir leben in unruhigen Zeiten. Viel von der Welt liegt im Dunkeln, sodass zahlreiche Menschen keine klare Orientierung haben. Der Europäische Traum ist ein Silberstreif am Horizont einer geplagten Welt. Er lockt uns in eine neue Zeit der Inklusivität, Diversität, Lebensqualität, spielerischen Erfahrung, Nachhaltigkeit, der universellen Menschenrechte und der Rechte der Natur und des Friedens auf Erden.” Weiterlesen

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“Die Flucht” von Francesca Sanna: Bildersprache für das, was Menschen erzählen…

FluchtKinderbücher zum Thema Flucht gibt es inzwischen viele. Diesem ist deutlich anzumerken, dass es nicht auf die Schnelle eine wachsende Nachfrage bedienen will, sondern das sorgfältige Ergebnis eines langen Prozesses ist. Dem Buch sind über mehrere Jahre viele Gespräche mit Geflohenen voraus gegangen. Die junge Autorin hat den Menschen und ihren Geschichten sehr genau zugehört, hat ihre Gefühle und Sehnsüchte wirklich ernst genommen und dann das so Erfahrene als Studentin zum Thema ihrer Masterarbeit in Illustration gemacht. Weiterlesen

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Septembertage sind Nordseetage: Sylt im Spätsommer 2016

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Küste bei Rantum / Foto: Susanne Brandt

Septembertage sind für mich in jedem Jahr auch Nordseetage: Was 2014 als poetische Bilderreise auf Föhr zu entdecken war und 2015 mit herbstlichen Wegen an der Küste von Cuxhaven, begleitet von Ringelnatz-Gedichten, erkundet wurde, setzte sich nun 2016 mit einer spätsommerlichen Sylt-Wanderung am Roten Kliff und in der Braderuper Heide fort.

Ein Wandertipp:  Schleswig-Holstein zu Fuss_ Sylt von seiner schönsten Seite – shz.de.

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Blick von der Uwe-Düne bei Kampen / Foto: Susanne Brandt

 

 

 

 

 

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Noch nicht alles geschafft – eine Herbsterfahrung 2016

Seit Juni 2015 nutze ich diesen Blog regelmäßig als Tagebuch für Erfahrungen und Gedanken zur Begegnung mit Geflohenen in unserer Stadt und anderswo. Heute, da in den Medien vielfach Rückschau gehalten wird auf alles, was nach dem umstrittenen Satz “Wir schaffen das” im Verlauf eines Jahres passiert ist, tue ich das genau zum 30. Mal – mit der Einladung, nicht nur das zu hinterfragen, was WIR geschafft oder nicht geschafft haben, sondern endlich mal anzuerkennen, welche Lebensleistung viele der geflohenen und zugewanderten Menschen inzwischen selbst jeden Tag erbringen! Denn unter ihnen sind etliche, die schon enorm viel geschafft  und dabei einiges von ihrem Lebensmut an andere weitergegeben haben.  Das anzuerkennen und zu würdigen, kann uns in allem, was es noch gemeinsam zu lösen gibt, vielleicht mehr helfen als das ewige Hickhack um die Frage, ob dieser Satz nun richtig war oder nicht…

Noch nicht alles geschafft

Wir haben längst noch nicht alles geschafft.

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Ausblick wagen, September 2016 / Foto: Susanne Brandt

Aber lernen können wir Tag für Tag neu
von Menschen, die neu bei uns leben
mit ihrem Mut
mit ihrer Angst
mit ihrer Sehnsucht
mit ihrer Enttäuschung
mit allem, was hätte schief gehen können

und was sie dennoch gemeistert haben
mit ihrer Geduld
mit ihrer Freundlichkeit
mit ihrer Ausdauer
mit ihrer Hoffnung
mit ihrer Kraft, es doch zu versuchen
wieder und wieder.

Vielleicht schaffen wir das auch.

Susanne Brandt, im September 2016

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Waldworte des Tages: Hier wohnt die Zeit

Schnecke in St. Nikolai, Wismar / Foto: Susanne Brandt

Schnecke in St. Nikolai, Wismar / Foto: Susanne Brandt

Hier wohnt die Zeit.

Es zieht sich eine Spur
ganz langsam
Stein für Stein
durch diese Weite.

Der Raum erschließt sich neu
von jeder Seite.

Und jeder Orgelton
wird groß und streckt sich aus,
verwandelt sanft die Schritte
durch das Haus

bis manche innehalten,
ungeplant,
in Bildern lesen,
anders als geahnt.

Und ohne Eile
wird die Seele weit.

Hier wohnt die Zeit.

Susanne Brandt, Wismar 2016
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Sommerlich und interkulturell: Dialog in Deutsch mit einer persischen Kirschengeschichte

KirschenSeit vielen Monaten sammle ich Geschichten aus aller Welt. Nicht zu lang sollen sie sein. Und sprachlich nicht zu schwierig. Bei den Geschichten für Kinder wird man da schnell fündig. Soll die Handlung aber auch für Erwachsene interessant sein und Anlass geben für ein anschließendes Gespräch, wird die Auswahl schon kleiner. Aber die Suche lohnt sich! Aus allen Teilen der Welt sind wunderbare kleine Geschichten überliefert, die sich gut miteinander lesen und bedenken lassen. Sie bieten vielfältige Gelegenheiten, um erste Deutschkenntnisse anzuwenden und zu vertiefen, regen aber anschließend vor allem zu spannenden Gesprächen an und beleben ganz nebenbei das gemeinsame interkulturelle Verstehen. Denn ein Lernen mit Geschichten ist nie einseitig! Weiterlesen

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Immer wieder den Blickwechsel wagen. Gedanken zum Welttag der humanitären Hilfe 2016

Humanitäre Hilfe

Menschen bewegen  / Foto: namentlich nicht bekannter Fotograf, Hamburg 1980er Jahre

Keine Frage: Humanitäre Hilfe ist in vielen Situationen das einzige, was das Leben von Menschen retten und ihrer Würde einen gewissen Schutz bieten kann. Helfende, die dafür bis an die Grenzen ihrer Kraft gehen, geben etwas weiter, was sich nach keinem Maß beziffern und vergleichen lässt.

Eine Frage, die wir uns als Zuschauende stellen müssen, wenn wir jeden Tag durch die Medien von der Not in Krisengebieten erfahren: Was sehen wir da wirklich? Warum gehen Bilder von toten und verletzten Kindern um die Welt, bei denen vermutlich niemand sein Einverständnis dafür geben konnte, dass alle Welt sie so sieht? Brauchen wir solche Bilder, um uns das Leid zu vergegenwärtigen? Um uns vorstellen zu können, wie wichtig die humanitäre Hilfe dort aktuell ist?  Weiterlesen

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Sonntagsmomente: Regenbogensommer

Regenbogen1Nur für Sekunden
nicht festzuhalten
gleich wird es regnen
es dunkelt schon

da malt das Licht
ein flüchtiges Zeichen
spielt mit dem Wasser
erzählt davon

wie so ein Schönwerden
einfach geschieht
aus der Berührung
unfassbar klein
dennoch
der Weite des Himmels traut

nicht wie ein Tropfen
auf heißem Stein

 

Susanne Brandt

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