Nein, mit Gedichten lässt sich die Welt nicht retten. Und mit Musik und schöpferischem Gestalten auch nicht.
Aber mit Sensibilät für Sprache und kulturelle Ausdrucksformen fangen Veränderungen an. Anders als die oft plakative Rede von der „Rettung der Welt“ klingen feinsinnige Erzählungen, Poesie und Musik, die ein Beziehungsgeflecht beschreiben und uns so an eine tiefe Verbundenheit mit allen Geschöpfen erinnern.
Das Bedrohliche, wie es sich durch Verletzungen von Recht und Würde für Natur und Menschen ankündigt, wird auch weiterhin zu unserem Leben gehören. Wohl aber lässt sich durch schöpferisches Gestalten Einfluss nehmen auf ein Denken, Sprechen und Tun, das allen Rückschlägen zum Trotz um Zuversicht, Haltung und Orientierung ringt.
Dabei weckt die Wirkkraft kultureller und sozialer Erfahrungen mit Besonnenheit und Empathie neue Visionen für eine andere Lebensgestaltung. Das ist auch deshalb so bemerkenswert, weil simple Slogans und polarisierende Stimmen gern laut und aufdringlich sind.
Nicht lauter, sondern berührend, nicht aufdringlicher, sondern hintergründiger und tiefer, nicht selbstherrlich, sondern solidarisch und fragend kann die Sprache von Literatur, Kunst und Musik Menschen zu einer besonderen Wahrnehmung und Handlungsweise inspirieren – im Einklang mit Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.
Die Entwicklung einer veränderten Beziehung zur Mitwelt verläuft selten eingleisig, kann individuell ganz unterschiedlich aussehen, braucht Dialogbereitschaft und Gestaltungskompetenz – und vor allem: Sie bleibt in allen Phasen des Lebens ein beweglicher und sinnstiftender Lernprozess.
Susanne Brandt

