“zwischen himmel und erde das weite suchen” – Notizblätter einer Reise

Die meisten Reisen haben ein Ziel. Aber das Ankommen an diesem Ziel muss nicht immer der vorrangige Zweck des Weges sein. Manchmal geht es eher um einen Orientierungspunkt im Verlauf einer gerundeten Folge von vielen Stationen.

Foto: Susanne Brandt, Rouen

Nach der Philosophie eines solchen Reisens in vielen kleinen Etappen reihen sich die Tage wie Perlen einer Kette aneinander, wobei jede Perle im Verlauf ihre eigene Form und Farbe offenbart. Und was auf den ersten Blick nicht gleich sichtbar wird: Durch die Perlen hindurch zieht sich eine Schnur aus mehreren Fasern und Fäden.

Die Stationen dieser Reise von der Ostsee an die Atlantikküste, die eher langsam über mehrere Orte und Landschaften in Deutschland, Holland, Belgien und Frankreich führte, dann durch die Bretagne und abermals in mehreren Etappen zurück Richtung Norden, lassen sich geografisch benennen:

Foto: Susanne Brandt, Kortrijk

Papenburg (Emsland) – Herzogenbosch und Nationalpark “De Loonse und Drunense Duinen” (Nordbraband) – St. Valery sur Somme (Picardie) – Rouen, Caens, Bayeux, Saint Aubin sur Mer (Normandie) – Lamballe,  Hillion an der Baie de Brieu, Quimper, Carnac, Vitre (Bretagne) – Chartres – Kortrijk (Flandern) – Papenburg (Emsland)

Die Fäden, die sich durch die Perlen und damit durch wechselnde Orte ziehen, tragen ebenfalls Namen. Sie sind von verbindender und vertiefender Bedeutung – skizziert auf diesen “Notizblättern” mit Bildern und Gedichten: Weiterlesen

In der Bretagne: Wo legen die Schnecken sich abends zur Ruh?

Foto: Susanne Brandt

Wo legen die Schnecken sich
abends zur Ruh?
In Rosenblüten
mit seidigen Kissen
wie Wiegen im Wind,
die Schnecken,
sie wissen:
Ein jedes Wesen
braucht manchmal ein Haus
aus Duft, Licht und Farben.
Komm, ruhe dich aus!

Susanne Brandt,

Bretagne 2018

Hooger Halligsommer: Engel hinter trotzigen Mauern

 

Foto: Susanne Brandt

Die Engel
hinter trotzigen Mauern
fürchten sich nicht,
all die Spuren zu zeigen
vom Zahn der Gezeiten:

Risse,
ein Staunen
im zarten Gesicht.

Sie kennen sich aus
mit dem Sturm und der Flut,

sind Boten noch immer,
erzählen von Brüchen,
verlorenen Flügeln,
die neu sich entfalten
aus Geistkraft und Mut.

Susanne Brandt

Hooger Halligsommer: “Ein Lied aus Luft”

Hooger Halligsommer – dazu gehören Notizen, Lieder und Gedichte, die beim “Wohnen und Arbeiten auf Zeit” im Sommer 2018 auf der Hallig entstehen. Den Anfang macht das Lied aus Luft, in dem schon ein bisschen pfingstlicher Geist mitschwingt…

Foto: Susanne Brandt

Verbrannte Dichterinnen und Dichter – zum “Tag des Buches” am 10. Mai

Foto: Susanne Brandt

Der  “Tag des Buches” – im Gedenken an die NS-Bücherverbrennung am 10. Mai vor 85 Jahren – scheint ein bisschen in Vergessenheit geraten zu sein neben dem “Welttag des Buches”, der regelmäßig Ende April breit beworben wird. Aber ein Blick in die Bücher der “verbrannten Dichterinnen und Dichter” zeigt die bleibende Bedeutung von Worten und Gedanken, die sich nicht vereinnahmen und hinbiegen lassen, die nicht glatt durchkommen wollen und ihre Sinne nicht verschließen vor dem, was sich verführerisch unter die Menschen mischt. Mit geschärfter Aufmerksamkeit stehen sie mit ihrem Schreiben für Menschenwürde ein und reden das Unrecht nicht schön, sondern entdecken die Schönheit des Lebens dort, wo es sich in Freiheit und Würde entfalten kann. Dafür bleibt der “Tag des Buches” ebenso Ermutigung wie Erinnerung.