Mit Geschichten aus 17 Ländern im Gepäck unterwegs – Reisenotizen zum internationalen Kinderbuchtag

Begegnen, austauschen, anregen, weiterentwickeln….Engagement und Ideen brauchen einen weiten Horizont und den Blick über sich selbst hinaus. Das gilt auch für alles, was mit Kinderliteratur geschieht und durch Sprache, Bilder und Fantasie mit und bei Kindern lebendig wird. Der Internationale Kinderbuchtag, der in jedem Jahr am 2. April begangen wird, erinnert daran: Es gibt im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur vieles, was zur Verständigung zwischen Ländern, Sprachen und Kulturen beitragen kann – wenn wir uns immer wieder auf den Weg machen,  um uns über Grenzen hinweg offen und staunend zu begegnen und bereit sind, Erfahrungen miteinander zu teilen und Neues voneinander zu lernen.

Für mich persönlich gehört der Internationale Kinderbuchtag zu den bedeutendsten Buch-Aktionstagen, weil ich die entscheidenden Impulse in meiner Arbeit als Bibliothekarin, Autorin, Herausgeberin und Komponistin vor allem den Reisen in verschiedene Länder der Welt zu verdanken habe. Und weil ich in der Beschäftigung mit Kinderliteratur so vielfältige Erfahrungen mit Menschen aus anderen Ländern sammeln durfte.

Gern nehme ich deshalb den Internationalen Kinderbuchtag zum Anlass, um all die Ideen und Projekte, die durch diese Reisen und Begegnungen entstehen konnten, dankbar Revue passieren zu lassen. Auch wenn bei jeder Reise und Begegnung immer nur ein ganz kleiner Ausschnitt von der kulturellen Vielfalt eines Landes offenbar wird –  schon kurze, aber intensive Eindrücke liefern oft entscheidende Impulse zum Weiterdenken.

So habe ich heute das Gefühl, aus einem Rucksack mit Geschichten und Anregungen aus 17  Ländern der Welt kreativ schöpfen zu können – ein (ge-)wichtiges Gepäck mit beflügelnder Wirkung! Und eine Ermutigung, in dieser Weise auch weiterhin unterwegs zu sein.

Der folgende Rückblick auf mehr als 20 Jahre internationale Begegnungen in der weiten Welt der Kinderbücher erzählt davon – mit Impressionen aus: Frankreich, Island, Anatolien, USA, Niederlande, Polen, Serbien, Schweiz, Dänemark, Tschechien, Slowakei, Österreich, Finnland, England, Italien und Schweden.

 1.  Frankreich (1992):  „Mit ZWEI dabei“ – Bücher für die Allerkleinsten

Welche Bedeutung haben Bücher für Kinder unter drei Jahren? Wie verbinden sich Musik, Sprache und Bewegung dabei? Was entwickelt sich auf dem Kinderbuchmarkt für diese Zielgruppe? Und wie sieht die Vermittlung in der frühen Phase der Sprachentwicklung aus? Mit diesen Fragen nahm  ich 1992 an  einer Studienreise nach Frankreich teil, um in Paris die Arbeit mit Büchern für Kleinkinder kennen zu lernen, die dort schon damals mit Einrichtungen wie dem „Bébé-Bus“ zum breit ausgebauten Angebot der Öffentlichen Büchereien gehörte. Als Ergebnis der dort gesammelten Erfahrungen konnte 1994 das Buch „Mit ZWEI dabei“ erscheinen, das  – lange vor  Kampagnen wie „Lesestart“ –  den deutschen Kolleginnen und Kollegen erste Ideen und Kinderbuchbeispiele für Schoßkinderprogramme in öffentlichen Bibliotheken vorstellte. Mein Anteil an dieser Publikation widmete sich dem Thema „Hören, Singen, Bewegen – Musik für Kleinkinder, das mich seit Paris nunmehr 20 Jahren begleitet. Parallel zu dieser Fachveröffentlichung entstand die Idee, Kinderlieder und musikalische Märchen für diese Zielgruppe zu schreiben. Ein Jahr später erschien die Sammlung „Bärenstark und mauseschlau“ beim Don Bosco Verlag.

2.  Island (1992): Magie einer Landschaft – die Natur als Märchenbuch

Wer weiß, ob in den Höhlen nicht doch die Trolle wohnen? Im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Cuxhaven und Hafnarfjordur erhielt ich als Bibliothekarin Gelegenheit, an einem Austausch zwischen den beiden Städten teilzunehmen, die dortige Bibliothek zu besuchen, vor allem aber eine Ahnung davon zu bekommen, warum es wohl nirgendwo sonst auf der Welt proportional zur Einwohnerzahl so viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller gibt. Es wird erzählt, dass die isländischen Kinder mit 13 Weihnachtsmännern aufwachsen und auf jeden 500. Einwohner ein Geist kommt. Da fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, warum dieses Land so reich ist an Geschichten über Elfen, Werwölfen und allerlei Wunderwesen. Von Menschen wurden und werden die Geschichten weiter erzählt. Geboren aber sind sie – so möchte man meinen – aus der unbändigen Kraft der Natur.  Natürlich bekommt man Lust, den Kindern in Deutschland anschließend mit  Märchen und Sagas etwas von der Magie der Landschaft und des Lichts zu vermitteln, die sich mir eingeprägt hat wie ein großes Bilderbuch. Sensibilisiert wurde ich hier in Island in besonderer Weise für die geheimnisvolle Beziehung zwischen Literatur und Natur, der ich in den folgenden Jahren immer weiter auf die Spur kommen wollte. Das war der Anfang…

3. Kurdische Fabeln für deutsche Kinder (1995): Eine Begegnung mit Nazif Telek

Die Würde und Achtung für jedes Leben war ihm wichtig. Davon versuchte er zu erzählen und zu schreiben, in deutscher wie in kurdischer Sprache. 1995 war der Autor Nazif Telek (1957-2007) bei mir zu Gast und brachte für die Kinder in Cuxhaven die Geschichten seiner kurdischen Heimat in zwei Sprachen mit – vor allem aber die Vision eines Lebens in Würde und mit Achtung füreinander. Vieles davon hat er selbst von seinem Großvater so erzählt und vermittelt bekommen. Seine zweisprachig erschienene kurdische Fabel „Die Stärke der Löwin“ (1994) trägt als Widmung den Satz „Ein Löwe ist ein Löwe. Egal ob Mann oder Frau“.  Er selbst sah sich wie  „ein Baum mit kurdischen Wurzeln, türkischem Stamm und deutschen Ästen“. Die Zahl seiner Veröffentlichungen ist klein geblieben. Er starb bereits 2007. Ein Text von ihm hat mir als Vorlage gedient für einen Friedenskanon, der – gesungen mit Kindern wie mit Erwachsenen – auch weiterhin etwas von seinen Bildern und seiner Poesie nachklingen lassen möge:

 

4. Niederlande (2004-2009):  Erzählen mit Kamishibai

Bei dem niederländischen Geschichtenerzähler Marco Holmer habe ich sie kennen gelernt: die Kunst des Erzählens mit dem Kamishibai-Erzähltheater.  Bibliotheken in den benachbarten Niederlanden setzten Kamishibais bereits seit vielen Jahren ein. Ich konnte nach der Begegnung mit Marco Holmer in Westoverledingen erste Erfahrungen damit sammeln, fing damit an, eigene Kamishibai-Geschichten zu schreiben und erlebte ab 2011 in Schleswig-Holstein, wie sich das Erzählen mit Kamishibai auch für die Region weiter ausbauen lässt.

 

5. USA (2006):  Wild about booksund Nature stories“ 

Menschen brauchen Bücher und Geschichten zur Vergewisserung der eigenen Identität und Herkunft.  Was in Zeiten der Einwanderung und des Zusammenlebens verschiedener Kulturen eine besondere Kraft und Bedeutung entfalten kann, wird – so mein Eindruck – bis heute in den USA mit einer großen Selbstverständlichkeit und Kompetenz im Alltag gepflegt: das mündliche Erzählen.  Eine weitere Studienreise führte mich 2006 dorthin, um diese Erzählkultur in Bibliotheken wie im Alltag zu erleben. Was ich nach dieser Reisen an Geschichten und Kinderbüchern im Gepäck hatte, wurde zu Hause übersetzt oder nachgedichtet, um etwas davon den Kindern in Deutschland weitergeben zu können – mit erstaunlicher Wirkung. Die gereimte Nachdichtung der turbulenten Bücherbus-Geschichte „Wild about books“ wie auch die deutsche Übersetzung von „Das beste Bett“ und zahlreichen „Natur stories“ zählen bis heute zu jenen Vorlese- und Erzählstoffen, die Kinder hierzulande immer wieder gern hören, variieren und spielerisch entfalten – einfach, weil sie mit allen bewährten Eigenschaften für das lebendige Vorlesen und Erzählen ausgestattet sind.

Das Thema „Naturgeschichten“ – in Island mehr als zehn Jahre zuvor bereits angestoßen – erfuhr durch den USA-Aufenthalt weiter Impulse, die in den Folgejahren mit dem Egon-Naturgeschichtenprojekt in Ostfriesland und dem dazu erschienenen Praxis-Buch „Erzählen und Entdecken“ zur Umsetzung kamen.

6. Polen (2010): Bibliotherapie und Janusz Korczak – von der heilsamen Kraft der Geschichten

Eigentlich sollte die trinationale Begegnung in Masuren mit Kollegen aus Deutschland, Polen und Belorus „nur“ der Entwicklung von Bibliothekskonzepten für ländliche Räume dienen – da sprang mir auf der Reise durch polnische Bibliotheken mehr als einmal ins Auge, dass das Thema Bibliotherapie dort in der Fachliteratur und Öffentlichkeit offenbar einen deutlich breiteren Raum einnimmt als bei uns. Nach Deutschland zurückgekehrt, halfen mir Übersetzerinnen dabei, dieser Beobachtung näher auf den Grund zu gehen und weitere Kontakte nach Polen zu knüpfen. Das Ergebnis der Nachforschungen war 2011 ein deutsch-polnischer Kongress in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, für den ich einen weiteren Akzent aus Polen in einem Vortrag mit dem Thema verbinden und als Buch weiter ausarbeiten konnte: Janusz Korczak…

Zum deutsch-polnischen Kongress in Wetzlar: http://www.wetzlar.de/media/custom/370_13480_1.PDF

7. Gemeinsame Projekte mit der „Bücherei-Schwester“ in Serbien (seit 2010): Bilder als Brücke über Sprachbarrieren hinweg

Wie können Kinder aus Deutschland und Serbien in einen Austausch miteinander kommen? Wie können Kinderbücher dabei zur Brücke werden, obwohl die Kinder keine gemeinsame Sprache haben? Oder doch? Es ist vor allem die Sprache der Bilder, die im Rahmen des Sister Libraries Projekt der IFLA an Bedeutung gewinnt:

Minibücher-Tauschaktion mit serbischen Kindern

beim Austausch von Ergebnissen aus gemeinsamen Kreativ-Projekten, Minibücher-Tauschaktion mit serbischen Kindern, bei geteilten Erfahrungen mit der Natur hier wie dort wie auch beim  gemeinsamen „Lesen“ von Bilderbüchern ohne Worte. Beim Bibliothekskongress in Berlin ergab sich schließlich 2011 auch die Gelegenheit der persönlichen Begegnung mit der serbischen „Bibliotheks-Schwester“ Daniela Skokovic – und wir bleiben gespannt auf das, was wir weiterhin miteinander entdecken, um uns gegenseitig in unserem Engagement für Kinderliteratur anzuregen.

Dokumentation zum serbisch-deutschen Austausch: http://sisterlibraries.wordpress.com/category/pozega-public-library-public-library-westoverledingen/

 8. Begegnung mit Kolleginnen aus der Schweiz (2011): Nochmal Kamishibai – wie Bibliotheken damit arbeiten können

Nachdem der Niederländer Marco Holmer mein Interesse an der Kunst des Erzählens mit Kamishibais geweckt hatte, lernte ich 2011 bei einer Veranstaltung an der HdM in Stuttgart von den Kolleginnen aus der Schweiz, wie dort über www.bibliomedia.ch das Verleihsystem der Bildkartensätze im Verbund funktioniert – ein Modell, das uns Monate später bei der Umsetzung für Schleswig-Holstein weiterhelfen konnte und weitere Anregungen lieferte für das im Folgejahr erschienene Fachbuch mit vielen Beispielgeschichten zum Erzählen mit Kamishibai.

9. Dänemark (2012): „Offen sein, Möglichkeiten entdecken und keine Angst haben, alte Gewohnheiten zu durchbrechen“  – die Kinderbibliothek als Ort der Kunst, der Fantasie und der Wunder

 Von Flensburg aus wird Dänemark kaum als Reise oder gar Ausland empfunden – so nah sind uns hier die nördlichen Nachbarn und so deutlich steht uns all das

Vorlage für Gestaltungselemente in der Kinderbücherei Vejle

Vorbildliche vor Augen, das einem in Dänemarks Bibliotheken begegnet. Mit Spannung wird erwartet, was sich mit der Fertigstellung der Zukunftsbibliothek in Aarhus an technischer Innovation auftun wird. Beeindruckt hat mich aber nicht weniger ein anderer Ansatz, der eher auf das kreative und fantasievolle Miteinander der Künste setzt als auf Neue Medien. Jim Höjberg aus der Kinderbibliothek Vejle hat mir davon sehr anschaulich erzählt: Vertrautes und Überraschendes originell in der Bibliothek miteinander zu verbinden und lebendig werden zu lassen, ist sein Anliegen, das in vielen kunst- und theaterpädagogischen Angeboten seinen Ausdruck findet.

We call it an “artistic children’s library”. By artistic we mean that you have to be open, see possibilities, and not be afraid to break old habits”, beschreibt Jim Höjberg den Ansatz. Die Bibliothek als Ort zum Staunen – dafür braucht es gar nicht immer große Investitionen, sondern ein paar pfiffige Ideen und vor allem Mut zur Fantasie  und zu unkonventionellen Lösungen.

 Zum Weiterlesen: http://jim.vejlebib.dk/wp-content/uploads/2012/08/The-Artistic-Children-I.pdf

csm_titel_nis_218af27bbfUnd last but not least: Nicht denkbar wäre das Buch „Flaschenpost von Puk“ ohne den Nis Puk als Märchenfigur aus dem deutsch-dänischen Grenzgebiet, der hier einem Mädchen Einblicke schenkt in die Märchenwelt des Ostseeraumes.

 

10. Finnland (2012): Mumins machen Mut

Abb.: Finnland-Institut

Die Mumins gehören nicht nur zu den bekanntesten Kinderbuchfiguren Finnlands, sie scheinen auch gewisse Eigenschaften zu verkörpern von jenem Land, in dessen Kultur, Alltagsleben und Bibliotheken eine angenehme Mischung aus Gelassenheit, Individualität und Gemeinsinn spürbar wird und sich mit der Stille der weiten Landschaft verbindet. Die Geschichte der finnischen Kinderliteratur durfte ich hier kennenlernen – vor allem aber die

Finnische Bibliothek als öffentliches Familien-Wohnzimmer

Offenheit, mit der die Bürgerinnen und Bürger in Helskini „ihre“  Bibliotheken nutzen und mitgestalten können – was in der Übertragung auf deutsche Verhältnisse nicht unbedingt an den räumlichen oder finanziellen Möglichkeiten scheitern muss, sondern vielmehr ein verändertes Selbstverständnis hin zu mehr direkter Mitgestaltung fordert. Seither bin ich noch mehr davon überzeugt, dass Innovation in Bibliotheken nicht nur in den Kassen, sondern zuerst in den Köpfen  entschieden wird…

11. Tschechien (2012):  Besuch bei der Illustratorin Martina Spinkova  

Seit 2002 verbindet uns ein gemeinsames Buch, seit 2012 auch eine gemeinsame Begegnung in Prag: Martina Spinkova ist mehr als eine Bildkünstlerin – sie ist auch eine Lebenskünstlerin die in ihrem Engagement für Hospizarbeit die Begegnung mit dem Tod nicht scheut, sondern in ihrer offenen und warmherzigen Art als Teil des Lebens annimmt.  Wir teilen das Staunen über gelungene Neuerscheinungen zum Thema wie zum Beispiel das Bilderbuch „Papas Arme sind ein Boot“. Gut könnten wir uns vorstellen, auch mal wieder ein gemeinsames Kinderbuch zu machen. Bis es dazu kommt, bleibt uns der Austausch zu den Bildern des Lebens und des Todes in Kinderbüchern dort wie hier…

Mehr zu Martina Spinkova: http://www.spinkova.cz/?lang=de

12. Begegnung mit Wendy Cooling aus England (2013): „Erzählt nicht nur ÜBER Geschichten – erzählt auch MIT Geschichten!

 In England ist sie als Autorin und Herausgeberin bekannt – und als Mutter der inzwischen weltweit verbreiteten „Bookstart“-Programme. Bei der Internationalen Konferenz „Prepare for Life“ in Leipzig 2013 hatte ich Gelegenheit, ihr persönlich zu begegnen. Glücklich gemacht hat sie mich als Zuhörerin meines Vortrags mit einem Kompliment: Es gefiel ihr, dass ich nicht allein über Geschichten und das Erzählen in der Theorie referiert hatte, sondern meinen Vortrag selbst mit einer erzählten Geschichte enden ließ (eine von denen, die ich aus den USA mitgebracht hatte).

Darauf sprach sie mich später noch mal an. Schnell waren wir uns einig: Wer Geschichten für Kinder vorliest und erzählt, muss das aus vollem Herzen tun. Erst dann wird die Vermittlung wirklich authentisch – und das tut auch einem Vortrag gut. Einig waren wir uns auch darin, dass der bunte Geschichtenschatz der Welt immer und überall Orte und Zeiten für das lebendige Erzählen braucht. Bücher, die Mosaiksteine eines solchen Schatzes in sich tragen, helfen dabei.
 

13. Impulse aus Italien (2013/2015): Musik und Sprache, Poesie und die Sinnlichkeit bei Franziskus gehören zusammen – von Anfang an

Ebenfalls bei der Internationalen Konferenz in Leipzig kam es zu einer interessanten Wiederbegegnung mit Ansätzen der Leseförderung in Italien – nicht allein im Austausch mit den Kollegen aus Südtirol, sondern vor allem durch Anregungen für eine deutlichere Verknüpfung von Sprache und Musik in der frühkindlichen Leseförderung. Was mir seit der Veröffentlichung zu Musik bei Schoßkinderprogrammen (1992) ein Anliegen ist und in „Lauschen und Lesen“ (2009) seine Fortsetzung gefunden hat, kommt dort durch eine konzeptionelle Kooperation zwischen Initiativen der Sprach- und Musikerziehung konsequent zur Umsetzung. Unterstützt von Empfehlungen zu Medien und Methoden der Vermittlung wird deutlich: Musik wohnt in der Sprache, Sprache wohnt in der Musik und aus beiden zusammen wird Poesie geboren. Ein Beispiel, wo etwas von diesem Empfinden einen besonderen künstlerischen Ausdruck findet, ist das Buch „Gocce di voce“:  http://www.webalice.it/tognolini/doc/gocce.pdf

Es weckt einmal mehr meine Lust, die Kunst der Nachdichtung auch aus dem Italienischen zu üben, um zu sehen, was von der Musikalität dieser Sprachkunst vielleicht auch im Deutschen zum Klingen kommen könnte.

Daneben lieferten diese Ansätze aus Italien ein Vorbild für die Wissensbox „Musik entdecken“, wie auch für Seminare und Vorträge, die vor allem 2014 im Mittelpunkt meiner Arbeit bei der Büchereizentrale Schleswig-Holstein stehen.  Mein Anliegen dabei ist es, die aus Italien gewonnenen Impulse für eine Verbindung aus Sprache und Musik noch deutlicher als bisher auch in Deutschland wirklich in der Praxis ankommen zu lassen.

 

Medienempfehlungen aus Italien zum Thema:  Franziskushttp://www.natiperleggere.it/index.php?id=20

Und einige Jahre später (2015) bekam bei einem Urlaub in Italien die Kamishibai-Bilderbuchgeschichte „Franziskus und die erste Weihnachtskrippe“ ihren letzten Schliff, die im Sommer 2015 erscheinen wird.

14. Schweden (2013): Selma Lagerlöfs Legende für Kinder neu erzählen

Schweden und Kinderbücher – das lässt natürlich erst mal an Astrid Lindgren denken und an alle, die für sie selbst Inspiration waren oder sich später von ihrer Art, das Leben, die Landschaft und das Kindsein zu beschreiben, inspirieren ließen.

Im Sommer 2013 hat mich die Ruhe an einem schwedischen Seeufer in die Geschichtenwelt der Selma Lagerlöf gelockt, nicht in die sommerliche, sondern in die winterliche Geschichtenwelt – wenn es hier überhaupt um Jahreszeiten geht. Für mich ging es um Erzähltraditionen und Stimmungen, um Gelassenheit und die elementare Erfahrung von Licht und Dunkelheit.

Die Schreibzeit im Freien weckte Ideen und Fantasien, um  Lagerlöfs  „Heilige Nacht“ in eine Liedergeschichte für Kamishibai zu übertragen – dem Original verbunden, aber doch behutsam neu für das bildgestützte Erzählen geformt, um Illustrationen von Monika Bosch und eigene Lieder zur Geschichte als Erzählelemente mit aufnehmen zu können. Das Ergebnis erscheint im Sommer 2014 als Minibilderbuch und Bildkartensatz im Don Bosco Verlag.

15. Israel (2014) / Serbien (2015) : Thema Leseförderung und Kinderrechte bei Internationalen Austauschprojekten

Hoveret Promoting ReadingAuch wenn es am Ende nicht zu der geplanten Reise gekommen ist – der Spätsommer und Herbst 2014 stand im Zeichen von Austausch und Vorbereitungen zur Internationalen Konferenz „Promoting Reading“ am Van Leer Institut in Jerusalem, bei der die Teilnehmenden, überwiegend aus dem arabischen Raum, ihre Beiträge als Kurzfassung in einem gemeinsamen Reader zusammentrugen: Hoveret Promoting Reading

Ich habe aus der Lektüre und im Verlauf der Konferenz-Vorbereitungen eine Menge aus den Impulsen und Überlegungen zum Thema lernen können!

Meine Ausarbeitungen zu den Kinderrechten, die aus diesen Vorbereitungen hervorgingen, konnten 2015 erneut für einen anderen internationalen Austausch wieder aufgegriffen werden – beim binationalen Vortrag mit Daniela Skokovic / Serbien beim Bibliothekartag in Nürnberg: https://opus4.kobv.de/opus4-bib-info/frontdoor/index/index/docId/1932

16. Österreich (2014): Preisverleihung beim Lyrikpreis Baden b. Wien 

Die Reise zu einer Lyrik-Preisverleihung nach Wien war geprägt von interessanten literarischen Entdeckungen bei der Preisverleihung wie beim Besuch der Mira-Lobe-Ausstellung. Mehr dazu: http://waldworte.eu/2014/11/17/literarisch-unterwegs-wien-bratislava-limburg-eisenach/

17. Slowakei (2014): Inspirationen in Bratislava

Erzählfigur aus der Slowakei von Soňa Mrázová

Erzählfigur aus der Slowakei von Soňa Mrázová

Mit der Wien-Reise verbunden war auch ein Abstecher in die Slowakei. Ein kleiner Nachklang zum Besuch in Bratislava fand Ausdruck in einem Kinderlied zu der dort entdeckten Spielfigur.  Wie dieses „Morgenlied für Kalinka“ entstand….

http://waldworte.eu/2014/12/26/aus-der-slowakei-morgenlied-fur-kalinka/

 

Begegnen, austauschen, anregen, weiterentwickeln….Engagement und Ideen brauchen einen weiten Horizont und den Blick über sich selbst hinaus.

In diesem Sinne freue ich mich darauf, auch weiterhin lernen zu können von Menschen und Möglichkeiten aus der Welt der Kinderliteratur, die mir unterwegs begegnen: auf Reisen, bei internationalen Kongressen, mit Gästen von nah und fern, bei Treffen der Europäischen Autorenvereinigung Die Kogge…

Oder um es mit dem Titel des Kinderbuch-Klassikers von Friedrich K. Waechter zu sagen:

„Wir können noch viel zusammen machen“

 

 

 

 

Susanne Brandt, im März 2014