Sonntagsmomente: Von Junikäfern im Mondlicht und Rotkehlchen im Kirschbaum

Abends brummen bei Mondschein die Junikäfer um die Bäume und morgens begrüßt das Rotkehlchen im Kirschbaum den neuen Tag. Das alles ist noch da und es ist gut, das wahrzunehmen und davon zu erzählen.

Nein, die bedrückende Hitze dazwischen ist nicht zu romantisieren. Der Klimawandel ist bittere Realität und noch bitterer ist die politische Ignoranz, die für Teile der Gesellschaft schnell ansteckend wirkt. Eine Pandemie der Gleichgültigkeit? Mir fehlt ein passender Begriff für diese Form der tiefen Beziehungsstörung zum Lebensnetz, das uns und die gesamte Mitwelt trägt und verbindet. Es kommt mir so vor, als wären da Fäden gerissen und die abgerissenen Enden sind längst verstrickt in Gebilde, die den Anschluss ans Lebendige verloren haben.

Man könnte Rechnungen aufmachen, um zu belegen, dass unser möglicher Beitrag zum Klimaschutz eh nur ein Tropfen auf dem heißen Stein wäre. Eine solche Argumentation wäre bereits Teil der abgetrennten Verstrickung.

Man könnte aber auch einfach anfangen, sich um die gestörte Beziehung zur Mitwelt zu kümmern. Das ist etwas anderes als Achtsamkeit. Empathie und Sorgearbeit in jeder Hinsicht brauchen Vorbilder und Wertschätzung auf allen Ebenen – und den Blick für echtes Gestaltungspotential im Alltag. Dass es gerade auch daran aktuell  bundespolitisch wie weltpolitisch fehlt, ist in meinen Augen die eigentliche Wurzel für die aktuellen Probleme, die ökologisch, sozial und kulturell nur zusammen betrachtet und verändert werden können.

Die gute Nachricht: Hier an Verbesserungen politisch und zivilgesellschaftlich mitzuwirken, ist schon im Kleinen spürbar möglich und könnte vielleicht auch ansteckend sein.

Ich glaube, dass das Lauschen auf die Junikäfer am Abend und das stille Gespräch mit dem Rotkehlchen am Morgen dieser Beziehungspflege mit dem Lebendigen gut tut – weil hier die Motivation und Vision für das, was nur in Verbundenheit gelingt, Kraft schöpfen kann.

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Susanne.brandt

Bedenkt und entdeckt das Leben in Lübeck oder unterwegs - am liebsten zu Fuß und in der Begegnung mit anderen. Lernt, schreibt, singt, erzählt, teilt und lässt sich jeden Tag vom Möglichen überraschen. Weitere Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Brandt