Zum 4. Advent: “Und das habt zum Zeichen…”

Aufbruch, mutige Freude, Zeit für Geschichten – mit jeder Adventswoche habe ich in diesem Jahr versucht, dem Besonderen dieser Zeit auf die Spur zu kommen. Was mir dabei geholfen hat: mit verfeinerter Aufmerksamkeit durch die Stadt gehen, besser zuhören, wenn Menschen erzählen, sich einfach mal Zeit lassen, um über das Entdeckte nachzudenken…

Flensburger Altstadt, Foto: Susanne Brandt

Nun – vor dem 4. Advent – ein viertes Stichwort, das mir dabei wichtig geworden ist: Zeichen

Wer morgen die Weihnachtsgeschichte nach Lukas liest oder hört, wird auch die Botschaft des Engels wieder hören: „Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“  Was also anfangen mit solchen und vielen anderen Zeichen, die uns in unzähligen Zusammenhängen des Alltags, vor allem aber auch in religiös geprägten Zeiten begegnen?

Zeichen wollen etwas ausdrücken, tragen damit Chance und Gefährdung zugleich in sich: Sie erinnern und sie werden missbraucht und umgedeutet, verflacht und benutzt für Zwecke, die das Zeichen von seiner ursprünglichen Bedeutung lösen und so vielleicht irreparabel schädigen. Das lässt sich nicht immer verhindern. Das lässt sich wahrnehmen, bedenken und kritisch hinterfragen, wenn wir Zeichen sehen und nutzen. Es gibt nicht nur gute Zeichen. Es gibt auch Zeichen, die Menschen verletzen, erniedrigen, ausgrenzen. Zeichen zu deuten und zu verwenden heißt also immer auch: sich seiner Verantwortung bewusst zu sein bei dem, was durch Zeichen zum Ausdruck gebracht und weitergegeben wird. Weiterlesen

Gode Nacht

Foto: Susanne Brandt

Foto: Susanne Brandt

Över de stillen Straten
Geit klar de Klockenslag;
God Nacht! Din Hart will slapen,
Un morgen is ok en Dag.

Din Kind liggt in de Weegen,
Un ik bün ok bi di;
Din Sorgen un din Leven
Is allens um un bi.

Noch eenmal lat uns spräken:
Goden Abend, gode Nacht!
De Maand schien op de Däken,
Uns’ Herrgott hölt de Wacht.

Theodor Storm

Einfach zum Staunen: Delfine in der Flensburger Förde

Anfang Februar 2016 wurden in der Flensburger Förde zwei Delfine gesichtet, die sich offenbar schon seit einigen Wochen in der Ostsee aufhalten. Ein Taucher konnte dazu faszinierende Impressionen mit der Kamera erhaschen. Wer bei den winterlichen Temperaturen lieber an Land bleibt, kann nach Worten suchen, um dem seltenen Naturschauspiel Respekt und Ehre zu erweisen….

image

Warten auf die Delfine…

Zwei kühne Delfine im Baltischen Meer –
seit Wochen auf Reisen,
mal hin und mal her:
in Schweden gesichtet,
am Bodden entdeckt,
in Flensburg bedichtet,
für Stunden versteckt –
ein Schauspiel,
das niemand bestimmen kann.
Wir staunen einfach –
und freuen uns dran!

Susanne Brandt

„Verfeinere unsere Seelen, damit das Auge unterscheiden kann“ – Impressionen und Gedanken zu den Geflüchteten und Helfenden in Flensburg, Teil 2

Wahrnehmen und in Worte fassen / Foto: Lothar Veit

Wahrnehmen und in Worte fassen / Foto: Lothar Veit

Vor zwei Wochen haben ich hier im Blog zum ersten Mal über meine Eindrücke und Erfahrungen in der Begegnung mit Geflüchteten und Helfenden in Flensburg wie unterwegs auf Reisen geschrieben. Damals war nicht absehbar, wie sich das dauerhafte Engagement der freiwillig Engagierten am Bahnhof wie an verschiedenen Orten der Stadt weiter entwickeln würde.

BFF_1508_HeaderOrange2-300x111-300x111Inzwischen habe ich viele Stunden in der Kleiderkammer aushelfen können und dabei auch heute wieder gemerkt, wie hier in der Stadt die Hilfe von ganz unterschiedlichen Menschen für ganz unterschiedliche Menschen Tag um Tag erstaunlich effektiv ineinandergreift: So ergab sich z.B. heute auf dem Weg zum Bahnhof, als ich noch ein paar Fladenbrote für die Essensausgabe besorgen wollte, ein interessantes Gespräch am Bäckertresen, Weiterlesen

“Anderen helfen, dass sie ihren Weg gehen können” – Impressionen und Gedanken zu den Geflüchteten und Helfenden in Flensburg

Wege finden / Foto: Susanne Brandt

Wege finden / Foto: Susanne Brandt

Am Flensburger Bahnhof ist seit einigen Tagen vieles anders als sonst. Menschen, die auf der Flucht sind – Tausende, die auf die Weiterreise nach Skandinavien warten – machen in Flensburg Station, bleiben für Stunden, Tage, Nächte, vielleicht auch für länger, für immer. Wir wissen es nicht. Wir erleben nur, dass sie erschöpft sind, dass sie Grundbedürfnisse haben: Wasser und Nahrung, wärmere Kleidung für den kühlen nordeuropäischen Herbst, ein Mindestmaß an Hygiene und die Sehnsucht nach Kontakt und Orientierung – per Handy wie in der persönlichen Begegnung mit Menschen, die ihnen freundlich begegnen.

Ein beeindruckendes Netzwerk an ehrenamtlicher Hilfe hat sich hier in kürzester Zeit entwickelt: Menschen verschiedener Generationen und Nationen packen gemeinsam an, um das bereitzustellen, was jetzt wirklich gebraucht wird – mit praktischer Hilfe vor Ort wie mit allem, was unzählige Helfende von zu Hause herbei schaffen. Dank Facebook klappt die Kommunikation vom Bahnhof in die Stadt. Hilferufe werden sofort von vielen gelesen und in kurzer Zeit erfüllt – ein Hand-in-Hand, wie ich es so noch nie erlebt habe.

Weiterlesen