Franziskus-Jahr 2026: Beziehung zur Welt durch die Sprache der Geschwisterlichkeit

Worüber können wir noch staunen? Manchmal möchte man meinen, unsere Welt wird durch die tägliche Flut an Informationen eher entzaubert und bis zur Erschöpfung beschallt mit Neuigkeiten. Fakten und Bilder ringen um maximale Aufmerksamkeit. „Fake news“ und Fälschungen ebenso. „Einfach Staunen“ geht anders: Oft ist es eher das Leise, das Verborgene und Unspektakuläre, das uns dabei helfen kann, eine neue Verbundenheit mit anderen Geschöpfen und den Elementen zu entwickeln.

In der Enzyklika Laudato Si heißt es dazu:

„Wenn wir uns der Natur und der Umwelt ohne Offenheit für das Staunen und das Wunder nähern, wenn wir in unserer Beziehung zur Welt nicht mehr die Sprache der Brüderlichkeit und der Schönheit sprechen, wird unser Verhalten das des Herrschers, des Konsumenten oder des bloßen Ausbeuters der Ressourcen sein, der unfähig ist, seinen unmittelbaren Interessen eine Grenze zu setzen.“ (aus: LS Nr. 11)

Kann man das Staunen lernen? Ja und nein – denn eigentlich haben wir es ja alle schon erfahren, dass wir staunen können. Eine Kindheit ohne Staunen? Kaum vorstellbar. Staunen scheint in den ersten Lebensjahren eine elementare Grundhaltung der Welterfahrung zu sein, die sich eher beiläufig und intuitiv entfaltet. Es geht also um ein Erinnern, um ein erneutes Einüben dieser Haltung inmitten all der Anforderungen und Einflüsse, die einer vertieften Wahrnehmung im weiteren Verlauf des Lebens so oft im Wege stehen.

Oder wie es in „Laudato Si“ beschrieben wird:

„[…] Der innere Friede der Menschen hat viel zu tun mit der Pflege der Ökologie und mit dem Gemeinwohl, denn wenn er authentisch gelebt wird, spiegelt er sich in einem ausgeglichenen Lebensstil wider, verbunden mit einer Fähigkeit zum Staunen, die zur Vertiefung des Lebens führt. Die Natur ist voll von Worten der Liebe. Doch wie können wir sie hören mitten im ständigen Lärm, in der fortdauernden und begierigen Zerstreuung oder im Kult der äußeren Erscheinung? Viele Menschen spüren eine tiefe Unausgeglichenheit, die sie dazu bewegt, alles in Höchstgeschwindigkeit zu erledigen, um sich beschäftigt zu fühlen, in einer ständigen Hast, die sie wiederum dazu führt, alles um sich herum zu überfahren. Das wirkt sich aus auf die Art, die Umwelt zu behandeln. Eine ganzheitliche Ökologie beinhaltet auch, sich etwas Zeit zu nehmen, um den ruhigen Einklang mit der Schöpfung wiederzugewinnen […]  (aus: LS Nr. 225)

Das Netzwerk Laudato Si möchte im Jubiläumsjahr 800 Jahre Hl. Franziskus 2026 unter dem Motto „Einfach Franz“ mit Impulsen und konkreten Praxisideen dazu einladen, dieses Staunen wieder neu als Haltung und Erfahrung zu entdecken und mit anderen Menschen zu teilen.

Die nachfolgend zum Download bereitgestellten Materialien vermitteln erste Ideen für verschiedene Zugänge zum Thema. Weitere Materialien sind auf der Seite des Netzwerkes Laudato Si zu finden und werden im Laufe des Jahres weiter ergänzt: https://www.ls-netzwerk.eu/

 

Material zum Download:

Literaturverzeichnis zu Franz von Assisi

Kreative Zugänge zum Entdecken und Staunen

 

Seminar-Tipp für August:

https://www.sankelmark.de/programm/aber-wir-koennen-ein-licht-anzuenden-franz-von-assisi-seine-bewegung-und-seine-bedeutung-heute

 

 

Susanne.brandt

Bedenkt und entdeckt das Leben in Lübeck oder unterwegs - am liebsten zu Fuß und in der Begegnung mit anderen. Lernt, schreibt, singt, erzählt, teilt und lässt sich jeden Tag vom Möglichen überraschen. Weitere Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Brandt