#frohzufuss: Durch Welt und Wiese oder Reisen zu Fuß

#frohzufuss: Durch Welt und Wiese oder Reisen zu Fuß

Es ist eine Neuauflage – als Extradruck in der feinen Anderen Bibliothek: die so wunderbar von Ilja Trojanow und Susanne Urban zusammengestellte Sammlung von “Zufußgehgeschichten” unter dem Titel “Durch Welt und Wiese”.

Wie hier schon mehrmals erwähnt: Ich sammle solche Bücher über das Zufußgehen. Und bei diesem beginnt die Freude schon mit dem einleitenden Essay “Fußwärts” von Ilja Trojanow.

Der Text steckt so voller bedenkenswerter und für mich persönlich so gut nachvollziehbarer Zitate, dass ich hier einfach eine kleine Auswahl daraus für sich sprechen lassen möchte:

  • „Mit dem Gehen ist es wie mit dem Schreiben, fast jeder kann es. Und trotzdem ist es eine Kunst, eine Lebensform, eine Haltung.“

 

  • „Gehen ist eine Bewegung des potentiellen Innehaltens, stets und überall können wir stehenbleiben (…) Im Gehen laufen wir den Gelegenheiten nicht davon (…) Gehend graben wir uns tiefer und intensiver in die Welt hinein, verweilen, statt an der Oberfläche dahinzugleiten, bleiben verwundbar. (…) Aus Mühsal entsteht Freiheit.“

 

  • „Gehen ist eine Reise aus der Welt, die wir geschaffen haben, in die Welt, die uns geschaffen hat.“

 

  • „Die Füße sind für das Dichten so wichtig wie der Griffel. Veränderte Wahrnehmung führt zu neuer Erkenntnis. Denn die unbekannten Wege führen zu unvertrauten Pfaden im Kopf.“

 

  • „In der Zivilisation ist das Gehen einfach, aber nicht selbstverständlich. Diejenigen, die zu Fuß unterwegs sind, gehören nicht zur vornehmen Welt. (…) Für William Wordsworth war das Gehen eine demokratische Kunstform, eine Übung, die soziale Unterschiede in Frage stellte und überwand.“

(Alle Zitate: Ilja Trojanow: Fußwärts. Aus: Durch Wald und Wiese oder Reisen zu Fuß, Die Andere Bibliothek, 2021. S. -15)

Nach dieser anregenden Eröffnung, wechseln sich ganz verschiedene literarische Wegbegleiter:innen ab: Elisabeth Arnim und Peter Handke, Esther Kinsky und Robert Walser, Virginia Woolf und Johann Gottfried Seume. Sie alle schreiben vom Zufußgehen als Aufbruch, Gelegenheit zum Betrachten, als Meditation oder Spaziergang, manchmal auch als Entbehrung oder Verwandlung.

Ein Buch, das in jeden Wanderrucksack gehört (auch wenn das mit den Büchern im Rucksack so eine Sache ist…). Und eine Inspiration zum Weitersuchen. Denn nicht zufällig sind das Dichten und das Zufußgehen Geschwister.

Susanne Brandt

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