Der Glückstopf. Eine Geschichte vom Warten, Wachsen und Wundern

Für frühsommerliche Kamishibai- und Leseförderseminare: eine Geschichte vom Warten, Wachsen und Wundern…

Garten im Juni, Foto: S. Brandt

„…Und als die Sonnenstrahlen schon die ersten Zeichen des Sommers in den Garten schickten, setzte sich die Frau vor die Tür auf eine Bank und schlief ein. Sie erwachte von einem süßen Duft, der ihr wie ein Wind um die Nase wehte: Da war sie von unzähligen Blumen umgeben, die ihren Garten in ein Blütenmeer verwandelt hatten. Die Würmer wühlten sich durch die Erde, um jeden Tag Neues daraus hervor wachsen zu lassen. Und über den Blumen tanzten Schmetterlinge, dass es eine Freude war, ihnen zuzusehen…“

Die ganze Textvorlage nach Motiven eines Volksmärchens zum freien Erzählen und Entfalten: Der Glückstopf

Eine komplette Nacherzählung mit methodisch ausgearbeiteten Ideen für die Kita-Praxis ist veröffentlicht in: Praxismappe „Dies und das…für Kinder ab 5 Jahren“, Kiga-Fachverlag, Bingen 2017

Sonntagsmomente: Wir teilen Zeit

Aus: Die wunderbare Brootvermehrung (Brandt/Lefin), Don Bosco

Wenn Menschen sich Geschichten erzählen, dann teilen sie einander etwas mit, teilen elementare Hoffnungen und Erfahrungen, die in verschiedenen Zeiten und Kulturen unterschiedlich dargestellt und interpretiert, im Kern aber oft mit erstaunlich ähnlichen Sehnsüchten verbunden werden können. Das macht die Lebendigkeit von Geschichten aus – und so bleibt es eine Herausforderung für alle Erzählenden, lebendig damit umzugehen. Also: mit Fragen und Zweifeln, mit Versuch und Irrtum, mit Lust und Freude, mit Haltung und Offenheit im Blick auf die Menschen, mit denen Geschichten geteilt werden. Geschieht das dialogisch, „verknüpfen sich zwei gleichwertige reife Augenblicke seines und meines Lebens“ (Janusz Korczak)

Tischlied

Die Geschichte von der „wunderbaren Brotvermehrung“ zählt für mich zu solchen Geschichten: Sie vermittelt eine Grunderfahrung von Menschen und sie hat im Verlauf der Überlieferung ganz unterschiedliche Interpretationen erfahren. Wo und wie auch immer Menschen einen Zugang dazu finden: Weiterlesen

„Am Faden eigener Gedanken spinnen“. Geschichten mit Kamishibai erzählen – und von Janusz Korczak lernen, Teil 2

„Immer, wenn du ein Buch aus der Hand legst und beginnst, den Faden eigener Gedanken zu spinnen, hat das Buch sein angestrebtes Ziel erreicht.“ (Janusz Korczak)

aus: Lefin / Brandt / Nommensen: Der Sturm auf dem See

Mit Kamishibai auf Reisen gehen – das ist zu allererst ein Lernprozess. Denn aus jeder Begegnung, aus jeder Anregung, die sich durch Workshops immer wieder neu ergibt, stellen sich neue Fragen und Herausforderungen. Die Erwartungen sind verschieden und so müssen immer wieder neue Wege gesucht werden, um bei dem, was sich nicht eindeutig beantworten oder zeigen lässt, weiterzuhelfen und das eigene Ausprobieren anzuregen. Dass man dafür eine Menge bei Janusz Korczak lernen kann, habe ich bereits im vorangegangenen Beitrag zum Thema – am Anfang der Reise – zu beschreiben versucht. Seither wurde weiter an diesem Faden gesponnen. Und jetzt – in der Mitte der Reise – sind weitere Erfahrungen und Ideen hinzu gekommen. Was mir aufgefallen ist – bei mir selbst wie auch bei anderen: Manchmal scheint es schwer, sich wirklich mit einer Geschichte zu verbinden und daraus den Mut und die Fantasie zum lebendigen Erzählen zu entwickeln. Zwar ist es immer möglich, sich am Faden der Geschichte Bild für Bild entlang zu hangeln, aber irgendwie bleibt die Verbundenheit nur äußerlich. Weiterlesen

„Ich werde schauen und ich werde erzählen“. Geschichten mit Kamishibai vermitteln – und von Janusz Korczak lernen, Teil 1

„Klopf, klopf –
die Tür, sie öffnet sich.
Ganz langsam kann das gehen.
Ist jemand da?
Wo führt sie hin?
Was gibt es dort zu sehen?“

Mit jeder Geschichte öffnet sich eine Tür. Das wird beim Erzählen von Kamishibai-Geschichten besonders deutlich und konkret erfahrbar. „Klopf, klopf“ – mit diesem Signal können viele Geschichten ihren Anfang nehmen, vielleicht ganz neu vor den Augen der Betrachtenden entstehen. Denn was es hinter den Flügeltüren (oder auch zwischen Buchdeckeln) tatsächlich zu entdecken gibt  – das ist das Ergebnis eines schöpferischen Prozesses, der bereits vorher stattgefunden hat und sich nun in Bildern und Sprache ausdrückt, nach Vergewisserung sucht, nach den Farben einer menschlichen Stimme und nach der Freiheit der menschlichen Vorstellungskraft.

Praxis-Material zum Download: Weitere Ideen für kleine Verse und Lieder:

Kurz-Handout zur Kopie

Besonderer Einstieg zur Einstimmung in biblische Geschichten

Die Tür öffnet sich….für „Josef und seine Brüder“, c Susanne Brandt

Was dabei geschieht, ist immer ein Wechselspiel, ein Dialog zwischen verschiedenen Gedanken und Assoziationen, Vorstellungen und Interpretationen. Ich spreche ungern im Singular von DER Vorstellung im Sinne einer Theateraufführung, weil dabei – zumindest vom Wort her – die Vorstellung der Betrachtenden nicht mit einbezogen scheint. Aber die ist ebenso mit im Spiel, wenn dialogisch erzählt wird.  Oder wenn mit einer Offenheit erzählt wird, die dem Gegenüber auch in der Stille des Zuhörens Zeit und Raum lässt, in Gedanken eine eigene Vorstellung zur Geschichte zu entwickeln – und das vielleicht andersartige Erzählen des anderen gleichzeitig zu respektieren.

Ein „Lehrmeister“ für ein solches Verständnis des Erzählens ist für mich mal wieder der Kinderarzt und Pädagoge Janusz Korczak – mit Impulsen wie die folgenden, die in einer Erzählsituation für beide Seiten gelten:

„Sei nicht böse, wenn ich anders erzähle, als du es möchtest.
Sei nicht böse, wenn ich es anders sage, als du es weißt.
Sei nicht böse, wenn ich sage: Ich weiß nicht.
Sei nicht böse, wenn ich frage: War es wirklich so?“ Weiterlesen

Sommerlich und interkulturell: Dialog in Deutsch mit einer persischen Kirschengeschichte

KirschenSeit vielen Monaten sammle ich Geschichten aus aller Welt. Nicht zu lang sollen sie sein. Und sprachlich nicht zu schwierig. Bei den Geschichten für Kinder wird man da schnell fündig. Soll die Handlung aber auch für Erwachsene interessant sein und Anlass geben für ein anschließendes Gespräch, wird die Auswahl schon kleiner. Aber die Suche lohnt sich! Aus allen Teilen der Welt sind wunderbare kleine Geschichten überliefert, die sich gut miteinander lesen und bedenken lassen. Sie bieten vielfältige Gelegenheiten, um erste Deutschkenntnisse anzuwenden und zu vertiefen, regen aber anschließend vor allem zu spannenden Gesprächen an und beleben ganz nebenbei das gemeinsame interkulturelle Verstehen. Denn ein Lernen mit Geschichten ist nie einseitig! Weiterlesen