„Rote Grütze für den Riesen“. Was bei Geschichten alles mitklingen kann…

Beim Brombeerpflücken kam sie mir wieder in den Sinne: Die Geschichte „Rote Grütze für den Riesen“, wie ich sie vor etwa 20 Jahren – als norddeutsche Variante frei inspiriert von einem ursprünglich italienischen Märchen – für das Erzählen mit Kindern in mein Repertoire aufgenommen habe. Genauer gesagt: als klingende Geschichte zum Mitmachen. Denn ich war damals u.a. für das Buch „Lauschen und Lesen“ besonders auf der Suche nach Geschichten, die sich gut mit Liedern und Lautmalereien verbinden lassen. Gerade das wird mir jetzt wieder wichtig, da ich aktuell erneut dabei bin, den Bereich des musikalischen Erzählens für die freiberufliche Praxis zu vertiefen und weiterzuentwickeln.

Und wie das immer so ist: Natürlich mischen sich für die praktische Umsetzung der Geschichte nun  – nach so vielen Jahren – einige neue Gedanken und Impulse für das gemeinsame Nachdenken mit Kindern ein.

Das fängt bei den Brombeeren an: Wissen sie, wann welche Früchte bei uns reif sind, um geerntet zu werden? Und kennen die Kinder überhaupt „Rote Grütze“? Wie von selbst ergibt sich dazu also ein Gespräch zur saisonalen und regionalen Ernährung, das je nach Herkunft der Kinder ganz verschiedene, auch globale Aspekte mit aufgreifen kann.

Und der Kesselflicker? Wer kann sich vorstellen, was der genau macht? Die Brücke zum „Repair-Café“ ist dabei schnell geschlagen. Wie gut, dass es Menschen gibt, die wissen, wie kaputte Dinge wieder heil gemacht werden, um sie weiter zu nutzen.

Die vielfältigen Facetten einer kulturellen Dimension von BNE

Es geht bei dieser wie bei vielen anderen Geschichten also weniger darum, eine eindeutige und gewollte Moral oder Lehre aus einer Geschichte zu ziehen, sondern Elemente der Handlung so als Gesprächsanlässe zu nutzen und kreativ lebendig werden zu lassen, dass die Kinder dazu ihre eigenen Ideen, Fragen und Gedanken vielfältig mit einbringen können.

Und nebenbei werden sie im Verlauf spielerisch mit elementaren Regeln des gemeinsamen Musikmachens vertraut – ganz ohne Vorwissen zu Noten oder Instrumentalspiel. Der Körper wird zum Instrument. Und übersichtliche Spielregeln ermöglichen erste Erfahrungen mit Zusammenspiel, laut und leise, wie mit dem Erlebnis des gemeinsamen Singens – stets organisch eingebettet in den Verlauf der frei erzählten Geschichte

Rote Grütze für den Riesen – zum Mitmachen

Schon eine einfache Geschichte wie diese – geeignet ab Kita-Alter – kann also eine Fülle von Anknüpfungspunkten bieten, um sie im Sinne der kulturellen Dimension einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) partizipativ und kreativ ins Gespräch und ins gemeinsame Tun zu bringen. Man sollte sie damit nicht überfrachten – aber auch nicht unterschätzen.

Susanne.brandt

Bedenkt und entdeckt das Leben in Lübeck oder unterwegs - am liebsten zu Fuß und in der Begegnung mit anderen. Lernt, schreibt, singt, erzählt, teilt und lässt sich jeden Tag vom Möglichen überraschen. Weitere Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Brandt