Ich sehe es vor mir: das kontrastreiche Aprilwetter, noch unentschieden zwischen Wintergrau und Frühlingsleuchten. Ich kenne dieses Nebeneinander von Stadtlandschaft und Naturraum und spüre, wie Körper und Seele sich einlassen auf dieses Wechselspiel.
Das lässt dieses Frühlingsgedicht des jungen Rilke so wiederkehrend frisch erscheinen, beschreibt es doch – wenn man es mit einem Bezug zum Heute lesen mag – einmal mehr die Bedeutung von Grün- und Ruhezonen als Teil unserer Lebenswelt.
Wie gut, denke ich, wenn es auf kurzen Wegen – zu Fuß, per Rad, Bahn oder Bus – möglich ist, dieser Erfahrung nachzuspüren und einfach mal zwischendurch aus den engen Straßenzügen ins Freie zu gehen, um durchzuatmen, sich anders zu bewegen und bewegen zu lassen.
Sachlich gesprochen heißt das auch: Initiativen wie „Natur.erleben.vorwerk“ in Lübeck und andere Beispiele für bürgerschaftliches Engagement zur Entwicklung von wohnortnahen Naturräumen, Ansätze für mehr Umweltgerechtigkeit oder all jene die sich für neue Verkehrskonzepte einsetzen, bei denen Autos nicht mehr so selbstverständlich Priorität und Platz einnehmen, ermöglichen genau das – ein in mehrfacher Hinsicht wohltuendes Erleben von Aufbruch, Licht und Stille, an dem Menschen in ihrem Alltag hoffentlich ungehindert teilhaben können –
sensibilisiert vielleicht durch Gedichte wie dieses.

