Tschechien „Arche im Waldmeer“ – mit schöpferischer Energie

Tabor lässt an einen Berg denken und Jordan an einen Fluss. Biblische, wenn auch landschaftlich hier ganz anders geprägte Namen aus der Zeit der Hussiten gehören zu dem alten südböhmischen Städtchen mit Hanglage und engen Gassen inmitten einer lauschigen Wildnis aus Wald und Flusstälern.

Café in der Stadt oder ausgedehnt wandern? Die Entscheidung liegt hier nur wenige Meter auseinander und kann im Laufe von einem oder auch mehreren Tagen flexibel und immer wieder anders getroffen werden.

Orte mit so malerischer Lage und einer einzigartigen Atmosphäre inspirieren zu kreativer Ausdrucks- und Gestaltungsfreude im Wechselspiel mit der Landschaft. Einer, der das als Künstler erfahren und gelebt hat, ist z.B. Karel Valter (1909-2006), gebürtiger Budweiser, der in Tábor als Maler, Grafiker, Pädagoge und Musiker in wechselvollen Zeiten tätig war. 

Schon in jungen Jahren fühlte er sich zur Musik hingezogen, insbesondere zum Komponieren. Er spielte Geige und Klavier, studierte (1928) dann aber Zeichnen und Mathematik. 1931 wurde er Mitglied der Künstler- und Literaturgruppe Linie. Mit seinen Gemälden, Grafiken und Untermalungen auf Glas beteiligte er sich regelmäßig an Gemeinschaftsausstellungen.

Die dramatischste Zeit seines Lebens waren die vierziger Jahre. Im Februar 1943 wurde er wegen Beteiligung am Widerstand von der Gestapo verhaftet. Zunächst war er in Tábor, dann in Theresienstadt, in Kladno und dann bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert.

Nach dem Krieg unterrichtete Karel Valter an verschiedenen Schulen in Tábor. Ab Anfang der 1960er Jahre leitete er dort die Kunstabteilung der Volkskunstschule (heute Oskar Nedbals ZUS). Er war u.a. in den Gruppen Kolektiv und Index aktiv. In dieser Zeit entstanden seine Tempera, Zeichnungen, Grafiken und die ersten Papierdrucke. 

Nach seiner Pensionierung widmete er sich intensiv der Landschaftsmalerei und reiste mit seinem Skizzenbuch nach Jistebnicko, Mladovozicko, Kaplicko.

1980 und 2000 gelten als Höhepunkt von Valters Schaffen und zeichnen sich durch Reife, Individualität und farbenfrohe Ausdruckskraft aus. Mit seiner unverwechselbaren künstlerischen Handschrift malte er die Natur, die südböhmische Landschaft, ihre Reize, Dramatik und verborgenen Botschaften.

Einige seiner Bilder sind hier zu sehen: https://www.galerie-linea.cz/valter-karel-m-176.html+

Auch sonst ist die Altstadt von Tabor heute reich an Galerien und Ateliers, die sich keineswegs nur der Volkskunst für das touristische Geschäft verschrieben haben. 

Sehenswert am Rande: die geschnitzte Holzkrippe von Dana Nachlingerova mit lebensgroßen Figuren bei der Wallfahrtskirche auf dem Berg vor der Stadt, auch im Sommer zu bestaunen.

Kleines feines Detail: eine Frau bringt der Heiligen Familie zwei Kohlköpfe. Böhmische Fürsorglichkeit für Menschen, die einen weiten Weg vor sich haben.

Zur Künstlerin: http://dananachlingerova.cz

Ob Wald, Flussufer oder Caféatmosphäre – die Stimmungen sind besonders, aber nie ganz ungebrochen an diesem Ort. Das bewahrt vielleicht vor Kitsch.

Feuriges Blühen
Wildkräuter am Flussufer
mischen Wasser und Glut

 

Susanne Brandt

 

Susanne.brandt

Bedenkt und entdeckt das Leben in Flensburg oder unterwegs - am liebsten zu Fuß und in der Begegnung mit anderen. Lernt, schreibt, singt, erzählt, teilt und lässt sich jeden Tag vom Möglichen überraschen. Weitere Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Brandt