Fluchtgeschichten in Weihnachtsgedichten. Entdeckungen in den Briefen des Lyrikers Arnim Juhre (1925-2015)

JuhreAuf meinem Schreibtisch liegen ein paar Bücher mit Weihnachtsgedichten. Was gleich beim ersten Hinschauen auffällt: Aus den Büchern schauen gefaltete Blätter hervor, die zwischen den Seiten liegen. Keine Lesezeichen, sondern Briefe. Der Verfasser der Bücher wie der Briefe ist Arnim Juhre. 90 Jahre alt wäre er im Dezember 2015 geworden. Aus diesem Anlass wurde 2015 eine Anthologie mit dem Titel „Geboren im Stall auf diesem Stern“ zusammengestellt, was er noch mit begleiten konnte. Die Adventszeit 2015 erlebte er nicht mehr. Er starb fast 90jährig im September 2015.

 

Jedes Jahr eine Weihnachtsgedicht als Brief – seit 1956

Dass Bücher mit Weihnachtsgedichten unter den Veröffentlichungen von Arnim Juhre einen auffallend breiten Raum einnehmen, hat einen Grund: IMG_0891Seit 1956 pflegt er die Gewohnheit, seinen Freundinnen und Freunden zu Weihnachten per Brief ein neues Gedicht zu schicken und mit diesem das aktuelle Weltgeschehen im Licht der Weihnachtsbotschaft zu bedenken. Über 50 Weihnachtsgedichte sind auf diese Weise entstanden, über 20 davon habe ich selbst seit Anfang der 1990er Jahre per Post von ihm erhalten, ältere in seinen Büchern nachgelesen. Und so auch von den Beweggründen für diese lange, niemals zum leeren Ritual gewordene Tradition erfahren. Er schreibt dazu: „Am Anfang war es Notwehr. Im November 1956, als die Diskrepanz zwischen biblischer Friedensbotschaft und akuter Kriegsgefahr mir schwer zu schaffen machte. Advent 1956 in Berlin…“
Aus dieser Situation heraus entstand damals die „Josephslegende“. Sie beginnt mit den Worten: Weiterlesen

„Fremdsein“ – bildnerische und sprachliche Annäherung an ein aktuelles Thema

vivavostokGleich in zwei Regionen von Norddeutschland – in Ostfriesland und in Schleswig-Holstein – beteiligen sich Schulen und Büchereien im November 2015 an dem internationalen Begegnungsprojekt VivaVostok, das in Kooperation mit der Internationalen Jugendbibliothek München von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert wird. Gerade in einer Zeit, da das Erleben von Flucht und Vertreibung und die Erfahrung von Fremdsein allerorts das menschliche Miteinander berührt, herausfordert und auf neue Weise bereichern kann, gewinnen künstlerische Formen der Begegnung – durch Literatur, durch Kunst oder Musik – besonders an Bedeutung.

Im ostfriesischen Westoverledingen engagieren sich die Grundschule Völlen, die Schule am Patersweg und das Schulzentrum Collhusen mit einem gemeinsamen Projekt zum Thema „Fremdsein“ im Rahmen von „VivaVostok“. Weiterlesen

Blut und Blumen. Bilder erzählen Geschichten kriegstraumatisierter Kinder

Bunte Regenbögen und dunkle Szenarien der Bedrohung, Blut und Blumen – von Naturkatastrophen, Krieg und Vertreibung traumatisierte Kinder brauchen eine behutsame Begleitung und Ausdrucksmöglichkeiten, um mit dem Erlebten weiterleben zu können. Die Bedeutung einer psychosozialen Betreuung von kriegstraumatisierten Kindern rückt angesichts der unvorstellbaren Angst- und Gewalterfahrungen von unzähligen Kindern im Bürgerkrieg von Syrien mit bedrückender Aktualität erneut in den Blick. Das Kinderhilfswerk terre des hommes schreibt dazu u.a.:

„Viele syrische Flüchtlingskinder sind durch Flucht- und Gewalterfahrungen seelisch gezeichnet. Kinder, die sehr stark traumatisiert sind, erhalten eine intensive psychologische Betreuung. Darüber hinaus werden auch Freizeitaktivitäten für die Kinder organisiert: Mit Hilfe von Spielen, Tanz und Theater werden die Flüchtlingskinder psychisch entlastet, Lebensfreude und Tatkraft kommen zurück. Auch das Malen hilft den Kindern, die Erlebnisse zu verarbeiten. Die Bilder zeigen die grausamen Geschehnisse während der Kämpfe und der Flucht und ermöglichen den psychologischen Betreuerinnen, Vertrauen zu den Kindern aufzubauen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Kinder beginnen über ihre Sorgen und ihre Sehnsucht nach dem Zuhause zu sprechen. Die liebevolle Betreuung mildert die Sehnsucht der Kinder und schafft neue Zuversicht.“

Bereits 2010 konnte ich durch die Mitarbeit an einem Ausstellungsprojekt zu Bildern  traumatisierter Kinder einen Einblick gewinnen und persönliche Kontakte knüpfen zu Menschen, die sich in diesem Bereich engagieren. Entstanden ist damals eine Buchpublikation: http://www.artsbychildren.org/Publikationen.html

Ein Auszug daraus ist nachfolgend  in voller Länge nachzulesen, verbunden mit der Bitte, sich vor diesem Hintergrund auch über die aktuellen Spendenmöglichkeiten für psychosoziale Projekte für kriegstraumatisierte Kinder zu informieren: http://www.tdh.de/was-wir-tun/themen-a-z/traumatisierte-kinder/projekt-refugio.html

http://www.tdh-stiftung.de/fileadmin/user_upload/stiftung/99_Material/Diverses/Dokumentation_Traumahilfe_in_Projekten_Berlin_2011.pdf

Zwischen Erinnerung und Sehnsucht

Vortrag zur Ausstellungseröffnung mit Kinderbildern aus Krisengebieten der Welt

Susanne Brandt, Juni 2010

Bunte Regenbögen und dunkle Szenarien der Bedrohung, Blut und Blumen – wenn wir uns umsehen in dieser Ausstellung, wenn wir die Bilder auf uns wirken lassen, dann mögen wir uns hin- und hergerissen fühlen zwischen Beklemmung, vielleicht Erschrecken angesichts der Not, die wir hinter manchen Bildern erahnen. Weiterlesen