„Die Welt gleicht einer Hochzeit“ – zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur

Anatolin Kaplan: Die Braut

Ein Zitat von Ester Rabin aus ihren „Schattenbildern“, ausgewählt anlässlich des Europäischen Tages der jüdischen Kultur:

„Die Liebe ist das einzige Erlebnis des Menschen, in dem er die Zerspaltenheit seines Ich wie die Brutalität der Welt vergessen kann, das einzige reine und ganz ungeteilte Glück, das ihm zu erreichen möglich ist. Dem Menschen, dem winzigen Hauch in der Vergänglichkeit, ist in der Liebe ein Blick in die Ewigkeit gestattet.“ (Ester Rabin, aus: Schattenbilder)

Diese und viele andere Texte laden zusammen mit Bildern des russischen Malers Anatoli Kaplan, gesammelt in dem schmalen Buch „Die Welt gleicht einer Hochzeit“, zu Entdeckungen ein – mit einer Auswahl von selten gezeigten Radierungen, Lithografien, Pastellen und Texten, die aus dem jüdischen Leben erzählen und anlässlich einer Ausstellung im Jahre 2001 in Papenburg zusammengestellt wurden.

Anatoli Kaplan (eigentlich: Tanchum Lewikowitsch Kaplan) wurde am 28. Dezember 1902 in Rogatschow geboren und ist aufgewachsen in der Welt und Kultur der Ostjuden. Manches in seinem Leben und Werk lässt an den etwas älteren Marc Chagall (1889 bis 1985) denken. Während Chagall jedoch bereits 1910 nach Frankreich übersiedelte, blieb Kaplan in seiner russischen Heimat, was es für ihn als Künstler offenbar schwer machte, eine breitere Bekanntheit zu erreichen. Der Anschluss an eine internationale Kunstszene war ihm weitgehend verschlossen und seine vielfach religiös geprägten Werke erfuhren in der früheren Sowjetunion kaum eine Würdigung durch Werk- oder Einzelausstellungen.

aus: Die Welt gleicht einer Hochzeit

Die Erinnerung an seine Kunst bedeutet für viele heute also eine Neuentdeckung: Poesie, Geheimnis, Schwermut, Warmherzigkeit, Weisheit und Würde in seinen Bildern lassen das unwiederbringlich entschwundene Milieu seiner Kindheit in seinen Werken lebendig werden. Einfühlsam spürt der Künstler dem Glauben und Hoffen, Lieben und Leiden der Menschen nach. Grundlagen für seine Arbeiten findet Anatoli Kaplan gleichermaßen in seiner Erinnerung wie auch in den Werken, Liedern, Legenden der ostjüdischen Kultur und Literatur. Er liest hieraus einen tiefen menschlichen und sozialen Erfahrungsschatz heraus und führt ihn in seiner Bildersprache vor Augen.

Einblicke in Legenden und Bräuche der jüdischen Kultur vermitteln auch die Texte der in Papenburg gebürtigen Jüdin Ester Rabin, die 1935 nach Palästina ausgewandert ist. In einer Verbindung der weitgehend unbekannten Bildwerke von Anatoli Kaplan mit Texten von Ester Rabin bewahrt das kleine Buch einen lange vergessenen Einblick in das Wirken und Leben von zwei jüdischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

Eine Restauflauge der Publikation gibt es noch und kann an Interessierte auf Anfrage – auch in mehreren Exemplaren zum freien Verteilen und Weitergeben – angefordert werden unter briefe@brandt-susanne.de.

Anstelle eines Kaufpreises oder einer Schutzgebühr für die bestellten Hefte empfehlen wir eine freiwillige Spende an Aktion Sühnezeichen Friedensdienste nach eigenem Ermessen.

Susanne Brandt