Farben, Steine, Zauberkugeln. Spielerisch vertraut werden mit der fremden Sprache

Viele beglückende menschliche Begegnungen prägten einen Weiterbildungstag für Lesepaten/-innen und Vorleser/-innen am gestrigen Samstag. Es ist beeindruckend und ermutigend zu erleben, wie engagiert so viele Ehrenamtliche daran mitwirken, Kindern beim Vertrautwerden mit Sprache und Lesen einfühlsam zur Seite zu stehen. Dabei geht es nicht vorrangig um Leseleistung, sondern vielmehr um emotionale und soziale Aspekte, die mit der wachsenden  Ausdruckskraft von Sprache verbunden sind – und die jedem Kind bei der Entwicklung seiner Persönlichkeit helfen können. Das ist eine nicht zu unterschätzende gesellschaftliche Aufgabe, verbunden mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein und viel Empathie für Kinder aus aller Welt. Umso wichtiger bleibt es, dass die Ehrenamtlichen passende Weiterbildungsmöglichkeiten, Beratung und Austausch in Anspruch nehmen können. Sie leisten diese Arbeit freiwillig, aber keineswegs beliebig! Vielen von ihnen liegt die qualitative Weiterentwicklung und Nachhaltigkeit bei dem, was sie jede Woche für und mit Kindern tun, sehr am Herzen.

Dazu gab es nun am 17. Juni eine von mehreren Initiativen und Förderern unterstützte Gelegenheit:  Bereits zum 3. Mal veranstaltete der Mentor.Ring Hamburg e.V. in Hamburg einen großen Weiterbildungstag für ehrenamtlich tätige Lesepatinnen und -paten sowie Vorleserinnen und Vorleser.  Weit mehr als 2000 sind in Hamburger Schulen und Bibliotheken aktiv. Eine große Zahl von ihnen kann nun nach der Teilnahme an der vielfältig gestalteten Tagesveranstaltung von neuen  Praxisideen, Wissen und Handwerkszeug, aber auch vom Austausch mit anderen Engagierten und Fachleuten profitieren.

Infos zu Programm und Partnern: http://www.mentor-ring.org/images/downloads/Programmheft_Weiterbildungstag-2017_MV_final.pdf

In über 25 Workshops ging es dabei vor allem um folgende Themenbereiche:

Geschichten zum Anfassen…

Handwerkszeug für Lesepaten, Auswahl des richtigen Lesestoffs, kreative und abwechslungsreiche Gestaltung von Lesestunden sowie Arbeiten mit Kindern aus fremden Kulturen.

Zum letzteren Punkt war ich dazu eingeladen worden, Ideen für eine lebendige und handlungsorientierte Sprachförderung durch Geschichten einzubringen. Unter dem Motto Geschichten zum Anfassen. Mit Krimskrams Sprache entdecken“ fanden sich in zwei praxisorientierten Workshops zum Mitmachen insgesamt 25 Engagierte ein.

Anliegen war es, mit ihnen gemeinsam zu entdecken, dass Menschen vieles besser BE-GREIFEN, wenn zur gesprochenen Sprache sinnliche Erfahrungen wie das Betrachten und Bewegen von Materialien kommen. Daraus ergibt sich ein spielerisches Potential für verschiedene Zielgruppen, das Spaß macht und das SINN-VOLLE Erfassen fördert.

Drei Leitgedanken sind dabei von besonderer Bedeutung:

  • Vertrautes und Fremdes entdecken:

Viele Themen und Geschichten bieten die Möglichkeit, an Vertrautes anzuknüpfen (z.B. weltweit variierte Märchenmotive, Farben, Natur, Stimmungen) und Fremdes wahrzunehmen. In diesem Spannungsfeld zwischen Vertrautem und Fremden wachsen und reifen unsere Bilder und Vorstellungen von der Welt – und die Kompetenzen, damit umzugehen.

  • Spielerische Wege der Teilhabe:

Was allein über Wörter noch unverständlich bleibt, erschließt sich spielerisch und sinnlich durch Bewegung, Gesten, Geräusche, Bilder so, dass ein spontanes Mitmachen für alle möglich wird. Dabei sind Bilder und Gesten keine Krücken, sonder Brücken in die Welt der Worte. Sie lassen Freiräume für die eigenen Fantasien, die sich mit Geschichten verbinden.

  • Alltagsintegrierte Sprachförderung:

Im Sinne einer alltagsintegrierten Sprachförderung entwickeln sich sprachfördernde Aspekte direkt aus dem gemeinsamen spielerischen Tun und Sprechen zu Geschichten und Themen,  begleitet von sinnlichen Erfahrungen mit Bewegung und Material (z.B. Adjektive kennen lernen und anwenden beim Beschreiben von Steinen, Stimmungen etc.)

Die dazu gemeinsam erprobten Beispiele bewegten sich vor allem in zwei Themenkreisen, zu denen jeweils auch geeignete Bücher und Texte vorgestellt wurden. Hier die wichtigsten Titel und Links zu den vorgestellten Materialien:

Themenkreis „Märchen“  

Buch-Tipp: K. Gernet: Mein Märchen-Buch in Leichter Sprache, Verlag Don Bosco 2017

In diesem Buch sind sechs Märchen: „Sterntaler“, „Rotkäppchen“, „Rumpelstilzchen“, „Der Froschkönig“, „Frau Holle“ und „Aschenputtel“. Katharina Gernet hat die Märchen in Leichter Sprache aufgeschrieben.

Gestaltungsideen dazu s.  „Märchen machen Mut“

 

 Buch-Tipp: Das Ohr vom Opa, Edition Schmitz 2017

Das Ohr vom Opa & andere Geschichten ist ein Buch von und für Kinder. Lesenswert sind die eindrucksvollen Geschichten aber genauso für Erwachsene. Für Menschen, die neugierig sind auf eine Kindheit in anderen Kulturen, auf ein Leben außerhalb Deutschlands.

Alle weiteren Informationen: https://www.schmitzbuch.de/das-ohr-vom-opa/

Gut einsetzbare Beispielgeschichte: Der Wolf mit den stumpfen Zähnen

Weitere Märchentexte mit besonderem spielerischem Potenzial:

Das große Tischtuch

Die 12 Monate. Ein Märchen aus Griechenland

 

Themenkreis „Gefühle & Farben“

 Buch-Tipp: Dr.Seuss/ Steve Johnson: Jeder Tag hat eine Farbe, cbj Verlag

Wie fühlt sich ein roter Tag an? Wer kennt nicht die blauen Tage, an denen man fast fliegen kann? Und warum geht es einem an grünen Tagen wie dem Fisch im stillen Meer? Jeder Tag hat eine eigene Farbe und fühlt sich anders an: mal übermütig, mal traurig, beschwingt oder schwer. Die Welt ist bunt, weil alle Farben in ihr vorkommen. Das Leben ist bunt, weil alle Gefühle einen Platz darin haben. Eine kleine Reise durch das Wunder der Farben und Stimmungen.

Dazu: Spielideen mit Kreisolino

Buch-Tipp:  Hilde Heyduck-Huth: Tanzen können auch die Steine, ISBN 978-3-7152-0281-6

Bilder und Reime in diesem ungewöhnlichen Buch erzählen vom Lachen und Weinen, vom Alleinsein und Zusammensein, vom Sich-ausgeschlossen-Fühlen und von der Geborgenheit im Kreise der anderen. Sie regen dazu an, mit Kindern über eigene Erfahrungen nachzudenken und zu sprechen.

Siehe dazu auch: Ramas Flucht

Tipp für Sekundärliteratur zum Thema:

 

 

 

 

 

Susanne Brandt