Bilderbuch-Tipp: Lied für Louise

c Verlag Seemann
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Das Bilderbuch über die Kindheit der Bildhauerin Louise Bourgeois (1911-2010) bietet weit mehr als eine Biografie – zumal die Hauptgeschichte des Buches wenig auf ihr späteres künstlerisches Leben und Schaffen eingeht. Poetisch und feinsinnig erzählt wird vielmehr davon, wie ein Kind durch die Wahrnehmung der Natur und das Erleben der schöpferischen Textilarbeit in der elterlichen Tapisserie-Werkstatt mehr und mehr ein tiefes Empfinden für die Farben, Formen und Bewegungen ihrer Umwelt ausbildet und daraus eigene künstlerische Ideen entwickelt. Die Töne und Bewegungen des Flusses fließen zusammen mit den geschmeidigen Fäden und Farben in der Werkstatt. Die Erfahrung, wie Dinge zerreißen und wieder zusammengefügt werden können, werden ihr zum Sinnbild für Brüche und Heilungsprozesse im eigenen Leben. Die Spinne, die vieles mit zarten Fäden zu verbinden weiß, gewinnt dabei besonders an Bedeutung – auch später in ihrem bildhauerischen Werk. Bei dem, was das Buch als „Gewebe ihres Lebens“ zu beschreiben und in poetischer Sprache zu besingen sucht, wirken seine Worte und Illustrationen in kunstvoller Weise mit: spielerisch und federleicht, niemals bemüht oder konstruiert wirkend, bringt das Buch die vielschichtige Bedeutung der textilen Verwebungen mit der Natur zum Ausdruck und lässt dabei zugleich eine ebenso feine Verwebung zwischen Sprache und Musik spürbar werden. Ein wahrhaft künstlerisch gelungenes Bilderbuch über eine für viele sicher unbekannte Künstlerin – oder besser gesagt: ein Bilderbuch über das Fühlen und Erleben eines Mädchens in tiefer Verbundenheit zur Natur und zu den Menschen. Ein nicht alltägliches Thema in großartiger Umsetzung!