„Die transzendente Hoffnung schützt uns davor, zu verzweifeln oder zu resignieren. Wenn wir als Individuen glauben, wir könnten ganz allein zum Beispiel den Klimawandel aufhalten, dann ist es ein hehres Anliegen, wir werden aber daran zerbrechen, weil wir merken, alleine schaffen wir das nicht“, so erzählt Nora Bossong in einem Interview zu ihrem frisch erschienenen Buch „Welt mit anderen Mitteln“ von Halt und Haltung inmitten der drängenden Fragen dieser Zeit.
Das meint keineswegs die Abkehr vom Möglichen im Tun und Verändern angesichts der eigenen Begrenztheit, sondern vielmehr eine Ermutigung zur Suche und Vertiefung einer anderen Sprache, die sich nicht scheut, auch das Unverfügbare zu benennen und sich kreativer darin übt, vielfältige Ausdrucksformen von Sinn, Wandel und Verbundenheit zu nutzen. Denn über Jahrtausende haben Menschen auch aus kulturellen Erfahrungen geschöpft, um sich aus dem beengten Denkraum der nur materiellen Gegenwart zu befreien. Methodische Reflexion nach den Regeln von Wissenschaft und Vernunft erfährt so eine wertvolle Ergänzung.
Nora Bossong stellt fest, dass die Bedeutung und Kraft von Bildern, Worten und Gesten des Glaubens im gesellschaftlichen Diskurs mehr und mehr verblasst. Fehlt was?
Es wird schwer, sich zu solchen Fragen fair auszutauschen, wenn die Sprachfähigkeit und Einfühlung dazu verloren geht. Wir brauchen beides, um Besonnenheit und Kreativität im Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam zu erleben und weiterzugeben.
Davon inspiriert kommen eigene Gedanken in Bewegung: Es gilt, das Augenmerk weniger auf Optimierung und eher auf ein Leben mit dem noch Offenen zu legen, weniger auf Beschleunigung und mehr auf Zäsuren für gründliches Durchdenken und schwankendes Vertrauen – auch und gerade im Blick auf eine ungewisse Zukunft.
Denke ich dabei an die rund 40 vergangenen Berufsjahre zurück, in denen sich in immer rascherer Folge wechselnde Aufgaben die Wege zu mehr Output erobert haben, kommt es mir manchmal so vor, als hätten sich da mit der Zeit einige lose Fäden angesammelt, die noch darauf warten, eine tieferliegende Anbindung an echte Sinnfragen zu finden…
Die gilt es nun zu sammeln und weiterzuführen.
Und der Anfang dafür ist bereits gemacht: Durch ein neu begonnenes berufsbegleitendes Studium an der philosophisch-theologischen Hochschule St. Georgen können in den kommenden Jahren viele der Fäden nochmal neu und anders aufgenommen und vertiefend miteinander verflochten werden.
Eng damit verbunden sollen in der freiberuflichen und ehrenamtlichen Praxis vermehrt frühkindliche Bildung und soziale Arbeit, Musik und Publizistik, Philosophie und Theologie, interkulturelle und lebensweltliche Perspektiven, Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung eine Erweiterung und Intensivierung erfahren – immer im Blick auf Ethik und eine kulturelle Dimension von Nachhaltigkeit, in der auch Sinnfragen und Transzendenz nach Ausdruck und Sprache suchen.
Ein spannender Neuanfang, vor dem ich Respekt habe und der – das ist mir hier ganz besonders wichtig – bewusst als gemeinsamer Lernprozess mit veränderungsfreudigen Menschen geschieht. Flexibilität, Gestaltungsfreiheit und Verbindlichkeit gehören ebenso dazu.
Das kann zum Gelingen beitragen – mit dem Unverfügbaren im Bunde…

