Stadtspaziergänge: Knoten lösen

Morgenspaziergang durch Flensburg / Foto: Susanne Brandt

Schwer zu sagen, was aus den Wolken wird. Der Blick zum Himmel gehört zum Morgen wie der Becher Tee und die Frage: Sandalen oder feste Schuhe? Heute fällt die Entscheidung an der Haustür schnell. Ich bin spät dran und stapfe zügig die Straße bergauf.

Oben an der Ecke begegnet mir bereits der alte  Mann mit dem Dackel. Sonst treffe ich ihn immer erst einige hundert Meter weiter vor der Tür des Bäckerladens. Auf seine Pünktlichkeit ist Verlass. Auf meine nicht immer.

Der Bäckerladen ist um diese Zeit meistens voll. Im Winter schauen die Menschen von den Stehplätzen am Fenster nach draußen auf die Straße. Einige nicken mir zu, wenn ich vorbei komme. Weiterlesen

Ein Spaziergang mit Hans Christian Andersen als Adventskalender

“Oft, wenn ich durch die Straßen der Stadt gehe, kommt es mir vor, als ginge ich durch eine große Bibliothek; die Häuser sind die Bücherregale, jede Etage ein Brett mit Büchern. Hier steht eine Alltagsgeschichte, dort eine gute alte Komödie…” (aus H.C. Andersen: Tante Zahnweh)

Das Bild des “Stadtspaziergängers” Hans Christian Andersens, der hinter den Fenstern und Türen der Häuser Geschichten zu entdecken meint und mitunter das Gefühl hat, durch eine große Bibliothek zu wandern, ist eine poetische Einladung dazu, die täglichen Wege durch die winterlichen Straßen mit anderen Augen zu sehen – und eine schöne Anregung für einen “etwas anderen” Adventskalender:

Foto: S. Brandt

Benötigt wird für diese kleine Bastelarbeit kaum mehr als ein altes ausrangiertes Buch mit möglichst festen Buchseiten (ich habe ein ausrangiertes Bibliotheksexemplar vom “Fundvogel”, erschienen 1979 und illustriert von Sabine Friedrichson einer solchen Verwandlung unterzogen) und die Pappe eines DIN A 3 Zeichenblocks. In etwa 2 Stunden Bastelarbeit entsteht daraus eine “Bücherstadt”, hinter deren Fenstern immer wieder neue Geschichten und Gedichte zu entdecken sind. Das lässt sich mit 24 Klappen gut als Adventskalender gestalten, ist dann im neuen Jahr aber weiterhin als immerwährende Quelle für Erzählphantasien zu verwenden. Ideal dafür ist die Präsentation der “Bücherstadt” in einem Kamishibai-Erzähltheater. Dann können die Fenster bequem auf- und zugeklappt werden. Und die Bilder, die dahinter erscheinen, geben immer wieder neue Impulse zum Singen, Erzählen, Dichten, Weiterspinnen… Weiterlesen