Vom Lächeln der Dinge. Eine Erinnerung an Erwin Moser

Ill. Erwin Moser, aus: Das Haus auf dem fliegenden Felsen, Beltz Verlag

Er hat das Lächeln in den Steinen entdeckt. Oder er wusste davon zu erzählen, warum die Scheune – mit so manchen Spuren und Verletzungen eines langen Lebens – dennoch so freundlich in die Welt schaute. Nein: gerade deshalb! Die Philosophie seiner fantasievollen Bilderwelten und literarischen Miniaturen steckt voller Ermutigungen – ohne die mühsamen Seiten des Lebens zu beschönigen. Am 12. Oktober ist der österreichische Kinderbuchautor Erwin Moser nach langer Krankheit im Alter von 63 Jahren gestorben.

Eines seiner Bücher, das ich besonders liebe, stammt aus dem Jahr 1981: „Das Haus auf dem fliegenden Felsen“. Es enthält 40 Bilder und kleine Geschichten zum Betrachten und Weitererzählen. Weiterlesen

Unterstützung willkommen: Durch Kunst und Poesie neue Gestaltungsmöglichkeiten entdecken

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Foto: pan y arte

Seit 2012 werden in diesem Blog regelmäßig Projekte der weltweiten Musik- , Kunst- und Poesieförderung vorgestellt, die mir besonders am Herzen liegen. Ich freue mich, durch die Weitergabe von Honoraren aus eigenen Buch- und Kulturprojekten wie auch durch das Schreiben und den persönlichen Austausch ein ganz kleines bisschen zur Entwicklung solcher Initiativen beitragen zu können – und ich gebe Neuigkeiten über verschiedene Initiativen, die auf Unterstützung angewiesen sind, gern in dieser Rubrik weiter:  http://waldworte.eu/category/nachhaltig-unterstuetzen-kultur-spiel-umwelt/

Denn: Schon mit dem Erzählen über solche Initiativen geschieht ein lebendiges Wechselspiel. Dabei wird nicht allein durch Spenden etwas gegeben, sondern immer auch etwas von den Projekten und den Menschen empfangen: Inspiration für künstlerisches und kreatives Schaffen weltweit wie auch Ermutigung und Vertrauen in die Kräfte und Gestaltungsmöglichkeiten von Musik, Sprache, Bildern… Danke dafür!

Heute sollen abermals Beispiele aus der Projektarbeit von pan y arte im Mittelpunkt stehen:

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Die Werkstatt entwickelt sich beständig weiter. 2009 schenkt die spanische Kunststiftung ArtSur der ‘Casa’ ein zusätzliches Grafikatelier in der Nachbarschaft. Fortgeschrittene Kursteilnehmer erstellen hier nun Auftragsarbeiten auf professionellem Niveau, z.B. im Siebdruckverfahren. 2012 läuft die Finanzierung durch die spanische Stiftung aus. Seitdem arbeiten die Künstler wieder innerhalb der ‘Casa’ und bieten gemeinsam mit den Künstlern dort ein erweitertes Kursprogramm an. Im Jahr 2014 besteht die Druckwerkstatt in der ‘Casa’ seit einem Vierteljahrhundert. Der Künstler Wolfgang Hunecke aus Bonn hat diese seinerzeit dort mit großem Engagement installiert und ist seitdem oft selber vor Ort, um den Künstlern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Foto: pan y arte

Das Engagement im ‘Casa de los Tres Mundos’ („Haus der Drei Welten“) setzt da an, wo das nicaraguanische Bildungssystem an seine Grenzen stößt: Seit über 20 Jahren erhalten die Menschen im Kulturhaus in Granada freien Zugang zur Kunst. Noch immer sind musische Angebote wie an der ‘Casa’ in Nicaragua rar. Zudem ist das Kulturzentrum für viele Kinder und Jugendliche aus den ärmeren Stadtvierteln zu weit entfernt. Doch auch sie sollen in die Welt der Musik, der Kunst, der Poesie und des Theaters eintauchen dürfen. Deshalb gehen seit 2003 die Lehrer der Casa direkt in die Viertel und geben dort im Gemeindezentrum oder in der Schule Musik-, Kunst- oder Theaterkurse. Denn damit Kinder und Jugendliche ihre Zukunft gestalten können, brauchen sie Kreativität, Bildung und Zuwendung. Die Arbeit an der ‘Casa’ setzt genau hier an: mit Anregungen zu verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen bis hin zur Qualifizierung im Bereich Drucktechnik und Grafik.

Durch Spenden ist es möglich, die künstlerische Arbeit die in und durch das „Haus der Drei Welten“ geleistet werden kann, auch in Zukunft zu sichern.

Aktuelle Beispiele aus dem Projektengagement: Weiterlesen

Märzsonne oder Von der Poesie des Zufalls

März

Nun kriecht aus seinem Schneckenhaus
das wintermüde Leben:
ein Glockenklang,
ein Federflaum –
aus Schwere wird
ein Schweben.

Susanne Brandt, am 25.3.2016

 

Es kann passieren, dass bei der Gartenarbeit unverhofft kleine poetische Miniaturen ihren Anfang nehmen – verdichtete Momente, die einen sozusagen anwehen,  während man gerade dabei ist, im Gartenbeet etwas aufzuräumen.

Nun bin ich eigentlich keine besonders eifrige Gartenbeetaufräumerin. Der Garten gehört für mich zur Natur und soll sich möglichst natürlich entwickeln und verändern dürfen. Von den Resten an vertrockneten Blättern und Stauden lasse ich über Winter immer reichlich liegen, damit Kleintiere dort etwas Schutz vor der Kälte finden können. Wenn dann aber im Frühjahr die ebenfalls eher zufällig in die Erde geratenen Zwiebelblumen ans Licht wollen – und das werden zu meiner Freude in jedem Jahr mehr! – helfe ich ihnen ein bisschen dabei, schneide das vertrocknete Busch- und Blumengestrüpp aus dem Vorjahr herunter, harke altes Laub zusammen und entdecke manchmal kleine Überraschungen – wie heute an diesem sonnigen Märztag dieses von der Natur so arrangierte Ensemble aus Schneckenhaus, Flaumfeder und Osterglocke.

Schöner Zufall – könnte man sagen. Ich mag Zufälle – oder besser gesagt: Ich vertraue der Gabe, immer wieder unverhofft etwas Besonderes und Bedeutsames zu entdecken, was von mir weder „eingefädelt“ noch gesucht worden ist. Ich glaube, dass die Welt sehr reich ist an solchen nicht vorhersehbaren Zeichen und Momenten – wir aber vielleicht nicht immer offen, neugierig, mutig oder feinsinnig genug, um sie wahrzunehmen. Weiterlesen

Bilderbuch-Tipp: Am Tag, als Saída zu uns kam

aus: Am Tag, als Saida zu uns kam, Ill: Sonja Wimmer, Hammer Verl.

aus: Am Tag, als Saida zu uns kam, Ill: Sonja Wimmer, Hammer Verl.

Mit einem Koffer, aber ohne ein Wort kommt Saida in eine für sie fremde Welt. Immerhin ist sie dort nicht allein. Ein Mädchen möchte sich mit ihr anfreunden und hilft Saida dabei, nach den verlorengegangenen Wörtern zu suchen. Gemeinsam kommen sie nach und nach hinter das Geheimnis der ihnen jeweils fremden Sprachen und lernen voneinander: Alles, was sie um sich herum entdecken, wird nun mit Wörtern verbunden – in arabischer wie in deutscher Sprache. Beide spitzen die Ohren, hören auf den Klang der jeweils fremden Sprache, malen das Schriftbild dazu auf. Was sie sehen und spüren, riechen und schmecken verwandelt sich in eine Wörtermusik aus fremden und vertrauten Klängen. Am Ende bleibt ein Traum: Auf einem fliegenden Teppich wollen sie gemeinsam Saidas Heimat besuchen. Und keine Grenze soll sie daran hindern. Weiterlesen

Sonntagsmomente: Wenn Sinne nicht verschlossen sind…

Franziskus TitelDie Legende aus dem Jahr 1223 von der Krippenfeier draußen in der Natur, bei der Franziskus ganz elementar und sinnlich – mit Feuer und Wasser, unter dem freien Himmel und auf der belebten Erde – das Geheimnis einer lebendigen Liebe erfahren konnte, hat ihren ganz eigenen Zauber. Nicht, weil sie den Elementen magische Wirkungen andichtet, sondern weil an ihr die Symbolkraft elementarer Zeichen deutlich wird. Und eben dazu braucht es die sinnliche, unmittelbare Begegnung mit Wärme und Licht, mit Gesang und Gemeinschaft. Es braucht die Offenheit der Sinne, um sich davon anrühren zu lassen, um das „Liebeslied vom Leben“ mit in den Alltag zu nehmen und weiterklingen zu lassen – staunend, was sich dadurch vielleicht verändern kann…

Ich musste in dieser Adventszeit immer mal wieder an diese Geschichte denken, habe sie für eine Bilderbuchfassung neu aufgeschrieben und kann sie jetzt auch mit dem Kamishibai-Erzähltheater neu nacherzählen – morgen zum Beispiel, am 21.12. um 18.00 Uhr beim „Lebendigen Advent“, natürlich draußen bei uns im Garten.

Bei den Illustrationen, die Eva-Maria Maywald und Diana Kohne dazu erschaffen haben, fällt vor allem die Strahlkraft des Feuers auf, das inmitten der erdigen Naturfarben warm und leuchtend die Atmosphäre einiger Bilder in besonderer Weise prägt. Und am Ende tragen die Menschen etwas von diesem Licht mit in ihre Häuser… Weiterlesen