“Dieser eine, aus Syrien geflohen…” – vom Nachklang der Bilder beim Bahnfahren

Ich habe die Kommentare nicht gezählt, die ich nach der Kölner Silvesternacht im Netz gelesen habe. Für manche Impulse bin ich dankbar. Der Feinsinn, mit dem einige Autoren zurückhaltend geblieben sind bei der Benennung von Schuldigen, eher fragend und besonnen das beschreiben, was sich nicht auf den ersten Blick offenbart, hilft mir, genauer hinzusehen – statt schnell zu verstehen. Andere Berichte und Kommentare wiederum sind für mich Alarmsignale für eine wachsende Instrumentalisierung von Menschen und Themen, die diese Menschen existentiell betreffen – als wäre es legitim, ungehemmt die aufgewühlten Emotionen in der Bevölkerung nach Katastrophen und Schreckensszenarien des menschlichen Zusammenlebens auszunutzen, um damit gezielt bestimmte Haltungen und Meinungen zu schüren.

Blick aus dem fahrenden Zug

Blick aus dem fahrenden Zug

Meine Hoffnung ist, dass ein solcher Journalismus der Vereinnahmung und bewussten Bemächtigung keinen Nachklang behält, weil sein Getöse so platt daher kommt. Meine Hoffnung ist auch, dass andere Töne umso nachhaltiger wirken: die echten Dialoge im Wechsel von Erzählen und Zuhören, die erstaunlichen Facetten in den Stimmen von Menschen mit anderen Sprachen, die Geräusche in Bildern und Begegnungen, die manchmal nur mit wenigen Worten auskommen.

Vielleicht wie in dieser Geschichte: Neben dem Gleis

Auch Gedichte gehören zu dieser Tonlage, brauchen sie doch weder das große Publikum noch die dick aufgetragene Behauptung oder Prophezeiung. Sie sind in der Lage, dem feinen Klang von Begegnungen – wie in der o.a. Geschichte erzählt – auf ihre Weise nachzuspüren:

Wir standen am Bahngleis,
frierend
aus der Fahrplanroutine
herausgeworfen,
im Warten nie gut. Weiterlesen