Buch-Tipp: Ramas Flucht

c Gerstenberg

c Gerstenberg

Einige ganz unterschiedliche Sach- und Bilderbücher zum Thema „Flucht“ sind in den vergangenen Monaten erschienen. Da reiht sich dieser neue Titel ein und fällt zugleich aus dem Rahmen. Denn allein schon die Entstehungsgeschichte und Illustrationsart ist bemerkenswert: Die poetische Ich-Erzählung eines Kindes, das mit seiner Familie die Heimat verlässt, führt entlang an Bildszenen, die der syrische Bildhauer Nizar Ali Badr auf dem Dach seines Hauses aus gesammelten Steinen eines nahen Bergs zusammenlegt – manchmal nur für das Foto, um anschließend etwas Neues daraus entstehen zu lassen. Das Unfixierte, immer wieder dem Wandel ausgesetzt, das Warmherzige und Zärtliche in der Schwere des Materials findet in der dazu beschriebenen Fluchterfahrung seine Entsprechung: Weiterlesen

Ansehen statt Abschottung – zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge 2017

Bild: Klaus Metje

Das Ansehen
wollten dir viele nehmen
Hagar, du Wanderin
wüstenweit vielen voraus

manchmal
drehst du dich um zu uns

sprichst mit den Augen
der so oft Verkannten
selten Genannten
Erstaunliches aus

Susanne Brandt

 

Text aus: Zugetextet.com, Nr.2 /2016 zum Thema „Flucht“

Jeweils am 3. Sonntag im Januar, in diesem Jahr also am heutigen 15.1., findet der Welttag der Migranten und Flüchtlinge statt. Dieser kirchliche Gedenktag wurde 1914 von Papst Benedikt XV. mit dem Dekret Ethnografica studia ausgerufen. Anlass war der Eindruck des Ersten Weltkrieges. Der Tag ist nicht mit dem seit 2001 jährlich stattfindenden Weltflüchtlingstag am 20. Juni zu verwechseln, der von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde.

„Mit Hagars Augen“ – so der Titel des einleitenden Gedichtes zu diesem Tag  – steht für die Blicke, für die persönlichen Erfahrungen und Perspektiven vieler einzelner Menschen, die an den Grenzen, auf Fluchtwegen, in Lagern nah und fern und mitten in unserem Alltag mit ihren elementaren Lebensbedürfnissen auf Würde und Anerkennung hoffen. Weiterlesen

„Die Flucht“ von Francesca Sanna: Bildersprache für das, was Menschen erzählen…

FluchtKinderbücher zum Thema Flucht gibt es inzwischen viele. Diesem ist deutlich anzumerken, dass es nicht auf die Schnelle eine wachsende Nachfrage bedienen will, sondern das sorgfältige Ergebnis eines langen Prozesses ist. Dem Buch sind über mehrere Jahre viele Gespräche mit Geflohenen voraus gegangen. Die junge Autorin hat den Menschen und ihren Geschichten sehr genau zugehört, hat ihre Gefühle und Sehnsüchte wirklich ernst genommen und dann das so Erfahrene als Studentin zum Thema ihrer Masterarbeit in Illustration gemacht. Weiterlesen

Eine Fluchtgeschichte: Marisha – das Mädchen aus dem Fass

Marisha

Manche Fluchtgeschichten sind uns in diesen Monaten wieder sehr nahe gerückt. Aber auch länger zurückliegende Erfahrungen gehören dazu und zeigen, was es bedeuten kann, wenn Menschen unter Verfolgung leiden und dann an der Landesgrenze zur erhofften Zuflucht abgewiesen werden:

Ein dunkles Fass war monatelang ihr Versteck. Hunger, Krankheit und Angst begleiteten das Leben des jüdischen Mädchens Marisha, bis sie 1948 endlich Haifa erreichte. Die letzte Station vor der ersehnte Überfahrt nach Eretz Israel war das Flüchtlingslager Pöppendorf zwischen Lübeck  und Travemünde (s. dazu die Dokumentation „Pöppendorf statt Palästina“ 1999). Anstoß für die Autorin und Pädagogin Gabriele Hannemann, die Fluchtgeschichte der Marisha für Kinder ab Klasse 4 aufzuschreiben und so für den Unterricht zugänglich zu machen, war ein Besuch der inzwischen über 80jährigen Marisha (Malka) Rosenthal mit anderen Shoah-Überlebenden in Hamburg. Gabriele Hannemann erzählt in einer klaren poetischen Sprache in Ich-Form nach, was sie durch intensive Gespräche und Begegnungen über Marishas Flucht und Untertauchen erfahren hat. Einfühlsam illustriert von der israelischen Künstlerin I. Leitner und ergänzt um historische Fotos und Erläuterungen zu wichtigen Sachbegriffen ist das Buch ein ergreifendes Dokument mit einigen bislang selten beschriebenen Aspekten, das (nicht nur) in der Region Hamburg und Lübeck aufgrund der regionalgeschichtlichen Bezüge als Lektüre in den Schulunterricht ab Klasse 4 gehört.  Weiterlesen

Bilderbuch-Tipp: Am Tag, als Saída zu uns kam

aus: Am Tag, als Saida zu uns kam, Ill: Sonja Wimmer, Hammer Verl.

aus: Am Tag, als Saida zu uns kam, Ill: Sonja Wimmer, Hammer Verl.

Mit einem Koffer, aber ohne ein Wort kommt Saida in eine für sie fremde Welt. Immerhin ist sie dort nicht allein. Ein Mädchen möchte sich mit ihr anfreunden und hilft Saida dabei, nach den verlorengegangenen Wörtern zu suchen. Gemeinsam kommen sie nach und nach hinter das Geheimnis der ihnen jeweils fremden Sprachen und lernen voneinander: Alles, was sie um sich herum entdecken, wird nun mit Wörtern verbunden – in arabischer wie in deutscher Sprache. Beide spitzen die Ohren, hören auf den Klang der jeweils fremden Sprache, malen das Schriftbild dazu auf. Was sie sehen und spüren, riechen und schmecken verwandelt sich in eine Wörtermusik aus fremden und vertrauten Klängen. Am Ende bleibt ein Traum: Auf einem fliegenden Teppich wollen sie gemeinsam Saidas Heimat besuchen. Und keine Grenze soll sie daran hindern. Weiterlesen