Zum Internationalen Frauentag: Ruth – eine alte Geschichte von Flucht und Neuanfang

Die Geschichte ist alt. Doch liest man das “Buch Ruth” in diesen Tagen, so wirkt vieles darin hochaktuell. Es ist eine Geschichte von Aufbruch, Solidarität und Gerechtigkeit. Und es ist eine zentrale Frauengeschichte, die Menschen verschiedener Kulturen und Religionen von Generation zu Generation weitererzählt haben.

c Verlag Don Bosco

Mir war und ist es deshalb ein Anliegen, für diese Geschichte gerade in dieser Zeit einen Erzählton zu finden, der das Geschehen lebendig in Erinnerung ruft – für Kinder. Oder auch für Menschen, die mit einfacher Sprache besser zurecht kommen als mit langen Texten. Erschienen ist sie vor wenigen Wochen als Bildkartensatz wie auch als Mini-Bilderbuch im Don Bosco Verlag.

An anderer Stelle wird anders davon erzählt – zum Beispiel so:

„ […] Die Geschichte des Buches Rut führt uns 2.500 Jahre zurück und könnte vielleicht so oder ähnlich heute in den Willkommenscafés der Geflüchteten in unserer Mitte erzählt werden; oder in unseren Familien, wenn Eltern oder Großeltern von Flucht und Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg berichten: Ein Paar aus Bethlehem sucht aus wirtschaftlicher Not eine neue Heimat im Nachbarland Moab. Integriert sich, findet eine neue Existenz und bleibt. Mann, Frau, zwei Söhne. Als der Mann stirbt, haben die Söhne moabitische Frauen geheiratet. Alles ist gut. Doch dann sterben auch die beiden Söhne und Noomi bleibt mit ihren beiden moabitischen Schwiegertöchtern Rut und Orpha zurück. Wie soll das Leben nun weitergehen? […]

Was dann folgt , ist eine Geschichte von weiblicher Entschlossenheit und vom Mut, sich auf Unvorhersehbares einzulassen, von Solidarität und Vertrauen – und nicht zuletzt vom Charme einer Frau, die auch in der Not nicht aufhört, dem Leben nachzuspüren und es in der offenen Begegnung mit anderen Menschen zu suchen.

„Im hebräischen Text steht ein Wort, das es in unserer Sprache so nicht gibt: Hesed  […] Hesed meint: Freundlichkeit, Güte, Barmherzigkeit, Gnade, Gemeinschaftstreue und Solidarität. Es beschreibt ein Tun, aus dem Segen entsteht und auf dem Segen liegt. Es ist keine politische Parole, aber es ist auch nicht emotional weichgespült, sondern bringt Wort und Tat zusammen. […] Wir haben in unserer Sprache kein Wort, das diese unterschiedlichen Nuancen ausdrückt: die Mischung aus Liebe und Gerechtigkeit, aus Zugewandtheit und dem klugen Handeln, das das WIR in den Vordergrund stellt. Diese Gemeinschaftstreue ermöglicht damals wie heute Leben. Und auch daran erinnert uns nach 2.500 Jahren das Buch Rut, dass wir nicht alleine vor uns hin leben können, sondern dass es ein Netzwerk der Solidarität und Freundschaft braucht, damit das Leben weitergeht. Und dazu leiten uns so schlichte Sätze wie: Lasst einander in der Not nicht allein. […] Rut bleibt unvergessen. Sie hat Geschichte geschrieben: König David ist ihr Urenkelkind. Und einer ihrer Nachfahren heißt Jesus von Nazareth. Er hat uns auf seine Art gelehrt, Grenzen zu überwinden.“

So beschreibt es Frauke Eiben, Pröpstin im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, in den aktuellen Materialien Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Vielfalt. Material zum Sonntag Judika am 18. März 2018

Sicher gibt es noch mehr in dieser Geschichte zu entdecken. Das “Buch Ruth” ist und bleibt eine Einladung zum Weiterfragen: Was heißt das – einen Neuanfang wagen? Was heißt das für die, die aufbrechen? Für die, die wiederkommen? Für die, die weiterziehen und für die, die bleiben? Viele spannende Neuanfänge beginnen gerade dort, wo man nicht mit ihnen rechnet…

Susanne Brandt