Töne zwischen Himmel und Meer – die neue CD von Wolfgang Rieck

Download (1)Glücklich, wer lebt und sich daran freut,
glücklich, wer liebt und es nicht bereut,
glücklich, wer gibt und nicht danach fragt,
was es wohl bringt – ein großes Herz wagt.

Glücklich, wer lacht und das Leben genießt,
glücklich, wer träumt, sich der Welt nicht verschließt,
glücklich, wer sieht des Anderen Not
und schielt nicht ängstlich aufs eigene Brot…

So beginnt eines der Lieder auf der neuen CD von Wolfgang Rieck, das im wiegenden Dreiertakt davon erzählt, was es heißt, glücklich zu sein – nicht mit großen Gesten und riesigen Luftschlössern, sondern warm und staunend mit dem verbunden, was sich als Glück an jedem Tag entdecken und leben lässt, was wir nicht nur empfangen, sondern ebenso frei verschenken können: Gesang zum Beispiel oder auch einfach mal Stille – alles hat seine Zeit.

Wieder ist es diese besondere Sensibilität, mit der Wolfgang Rieck für die Lieder dieser CD  Worte und Töne gefunden hat, in eigenen Versen wie auch in Gedichten von Theodor Kramer, Joachim Ringelnatz u.a. Oder in der Kunst: Barlach-Werken hat er mit Texten und Vertonungen wie „Der singende Mann“, „Der Bettler“ und „Un sei danzt“ eine Stimme gegeben, hat sich spürbar eingefühlt in die ausdrucksstarken Skulpturen, hat ihre Sprache verstanden – und auch hier ein Glück entdeckt, das in der Körperhaltung und den Gesichtszügen der Figuren seinen Ausdruck findet:
„Wat bruk wi för’t Läben?/ Wat is man Ballast?/ Sünd wi nich up Ierd‘ för Tiet blots een Gast?“ gibt er mit den Tanzschritten der Alten in Platt zu bedenken.
Und bei dem „Singenden Mann“ heißt es am Ende:
„Ich such für mein Leben das einzige Lied / das alles berührt, was mir wert: /
voll Hoffnung und Sehnsucht, voll kühner Magie / mit redlichem Vers aus Melancholie /
was oft uns der Alltag verwehrt/

Die Sehnsucht, empfänglich zu bleiben und sich berühren zu lassen von dem, was sich im Leben als wertvoll offenbart, scheint sich wie ein roter Faden durch die CD zu ziehen – mit Wehmut und mit Übermut, mit Lebenslast und mit Lebenslust, mit dem weiten Blick in die Welt – wie bei den “Segelschiffen” des Ringelnatz –  ebenso wie mit der innigen Zuwendung durch ein Wiegenlied.

„Ich such für mein Leben den richtigen Ton – / er klingt zwischen Himmel und Meer./
Der Sturm ist sein Bruder – er trägt ihn davon / hinaus in die Welt entschwindet er schon. / Ihn zu erspüren fällt schwer!“, so erzählt „der singende Mann“ weiter.

Ja, irgendwo dort zwischen Himmel und Meer scheint der Rostocker Liedermacher Wolfgang Rieck sich aufgemacht zu haben, dem Glück in seinen wechselnden und windgeprüften Formen die passenden Töne abzulauschen. Und vieles davon durchweht nun seine Lieder, wohnt in den abwechslungsreichen und fein aufeinander abgestimmten Arrangements, spiegelt sich in den Fotos zu den Texten im Booklet wider – kaum möglich, beim Hören, Lesen, Nachdenken nicht vom Glück berührt zu werden…

Infos und Hörbeispiele zur CD sind hier zu finden:
http://www.wolfgang-rieck.de/de/cdsdvds/ansichten/d/der_singende_mann

Susanne Brandt