Buch-Tipp: Herztöne – Lauschen auf den Klang des Lebens

51jK2YruQnL._SX312_BO1,204,203,200_Herztöne – ein Buch über die Kunst des Geigenbaus oder über die Frage nach Gott?  Wie zahlreiche Gedanken, die Martin Schleske in seinem neuen Buch entfaltet, ist das gesamte Buch auf Mehrstimmigkeit angelegt:  Die Leidenschaft für das, was in der Musik zum Klingen kommt, verbindet sich dabei mit der „liebenden Bereitschaft zur Unsicherheit“ – wie Schleske in einem seiner vielen ausgefeilten Sprachbilder das Wesen des Glaubens beschreibt. Es ist die „fragende Liebe“, mit der Schleske seine Gottesbeziehung zu charakterisieren sucht. Mehr als durch alles Machen und Mühen geschehen und offenbaren sich für ihn die wesentlichen Dinge in eine Haltung der Empfänglichkeit und Zuwendung. Die tiefe Spiritualität, von der dieses Buch in einer gut verständlichen und sorgfältig durchdachten Sprache erzählt, kreist nicht um private Befindlichkeit, schlägt weder moralische noch  missionarische  Töne an, sondern zeigt sicht vielmehr offen und schöpferisch verbunden mit Denkenden und Dichtenden,  zu denen u.a. Martin Buber und manche Texte aus dem Judentum wie auch Mystiker wie Meister Eckhart gehören. Lesende werden dazu angeregt, sich mit ihm auf eine höchst inspirierende und sinnliche Gedankenreise durch die Klangfarben des Lebens zu begeben, die letztendlich immer wieder den Grundton der Liebe umspielen. Ein lange nachklingendes Lektüreerlebnis für religiös aufgeschlossene Menschen – weit entfernt von dogmatischer Enge oder esoterischer Beliebigkeit.

Ein paar bedenkenswerte Zitate aus dem Buch:

„Es ist die Wechselwirkung zweier Kräfte, die sich gegenseitig zur Geltung bringen…so wie während einer jeden Schwingung…die „Energie des Möglichen“ und die „Energie der Bewegung“ unentwegt Anteil aneinander geben und dadurch Klang schaffen…: Erkennen und Tun bringen sich gegenseitig hervor.”

„Entdecke das eine im anderen…sei auch du mehrdeutig in deinem Klang. Manch eine Heilung kann entstehen, wenn du endlich aufhörst, dich um dich selbst zu drehen…als würde eine Wunde besser heilen, wenn man ständig nachschaut, ob sie schon geheilt ist…“

„Die wesentlichen Dinge kannst du nicht machen, sondern nur empfangen. Aber du kannst dich empfänglich machen.“

„Lass deine Hingabe geschützt sein durch deine Empfänglichkeit und deine Empfänglichkeit geschützt sein durch deine Hingabe. Das eine kann ohne das andere nicht sein.“

 „Besteht denn nicht der ganze Reiz des Lebens darin herauszufinden, was durch Vertrauen möglich werden kann?…Ich schaffe als Geigenbauer keinen Klang, sondern eine Klangmöglichkeit“

Und sinngemäß: Die Liebe wird durch die Verletzlichkeit ermöglicht und geschützt, denn wo die Verletzlichkeit vermieden wird, wird auch die Liebe vermieden.