Bahnfahren ist schön(er) – mit solchen Geschichten…

Ein bisschen fühlt man sich erinnert an die Erzähltradition eines James Krüss mit seinen „Urgroßvater-Büchern“ (vgl. Krüss: Mein Urgroßvater und ich / Mein Urgroßvater, die Helden und ich), bei denen aus dem Miteinander von Enkel und Großvater in den Ferien immer wieder neue Geschichten und Gedichte ersonnen werden, die sich dort in die Helgoländer Rahmenhandlung einfügen. Bei Christian Peitz spielt die Rahmenhandlung, die nebenbei auch eine Vater-Sohn-Geschichte ist, in einem Zugabteil und die modernen Märchen, die sich aus allerlei Fragen unterwegs ergeben, haben allesamt in irgendeiner Weise mit der Eisenbahn zu tun: Da geht es um die Probleme beim Verlegen der Schienen im Hexenwald. Oder ein Schaffner kommt zu unverhofften Ehren, weil er der Prinzessin in einer misslichen Situation Gutes tun kann. Und die Frage, wie und warum es überhaupt zur Erfindung der Eisenbahn gekommen ist, bleibt natürlich auch nicht unbeantwortet, wenn ein phantasiebegabter Steuerberater im Zugabteil mitreist. Insgesamt ist daraus mit diesem Buch eine wunderbare Sammlung zum Vorlesen oder Selbstlesen für die ganze Familie (mit Kindern ab etwa 8 Jahren) entstanden, die den Schatz der modernen Märchen von Christian Peitz um weitere Beispiele ergänzt – wie immer bei Peitz mit feinem Humor und einem Augenzwinkern, mit Poesie und einer gut ausbalancierten Schwebe zwischen realer und märchenhafter Welt. Drei der enthaltenen Märchen sind auch als Hörspielfassung auf der CD „Die Hexe im Zug“ enthalten. Unbedingt empfohlen – und ein Muss in jedem Reisegepäck für die nächste Bahnfahrt!

Das sehen viele Kinder offenbar ähnlich: Mit ihnen habe ich heute gleich mal eine Geschichte (nämlich “Der Prinz von Lugabugien”) ausprobiert. Die in der Phantasie “Mitreisenden” waren vom Alter her recht jung – etwa 15 Kinder zwischen 4 und 8 Jahren hatten sich zur offenen Vorlese- und Erzählstunde in der Kinderbücherei eingefunden.

Aus der Praxis: Mit einem Eisenbahnlied “in Fahrt” kommen…

Um zur Einstimmung erstmal “in Fahrt” zu kommen, fingen wir mit einem Eisenbahnlied zum Mitmachen nach der Melodie “Auf der Schwäbschen Eisenbahne” an:

Heute gehen wir auf Reisen,
piff und paff – die Fahrt beginnt!
Was wohl all die Leute machen,
die mit uns auf Reisen sind?
//:Manche Leute winken so://*   (diese Zeile wird mit den Ideen der Kinder variiert!)
Was ich alles sehen kann
in der langen Eisenbahn!
 
Text: Susanne Brandt
 

Da für die Jüngsten die Geschichte zum kompletten Vorlesen etwas zu lang ist, wurde der Inhalt im ersten Teil (S.17 – 28)  spannend, frei und lebendig nacherzählt. Erst auf S.28 bin ich dann zum “Finale” in den Originaltext eingestiegen und habe diesen bis zum Ende auf S.31 vorgelesen. So konnten auch Vierjährige der Geschichte mit großer Aufmerksamkeit und Spannung folgen.

Genau das ist ja das schöne an den Geschichten von Christian Peitz: Sie lassen sich durch ihre an traditionelle Erzählmuster angelehnte Handlungsstruktur sehr gut auch frei nacherzählen bzw. im Wechsel aus Lesen und freiem Erzählen dialogisch auf das Alter der Zuhörenden abstimmen und bringen zugleich durch ihre originellen Motive und Wendungen eine neue Frische und Lebendigkeit in die märchenhafte Erzähltradition. Da wurden auch manche Erwachsene neugierig, sind stehen geblieben und haben interessiert zugehört!

Weitere Infos zu den Büchern von Chrsitan Peitz: www.timpete.de