Was ist eigentlich eine “Baumbibliothek”?

GOTTENHEIM. “Ich habe so eine Baumbibliothek in Berlin gesehen und wusste, Gottenheim braucht das unbedingt auch.” Aus Gedanken wurden Taten – Uwe Falk, Initiator und noch einziges Mitglied der Bürgergruppe “Baumbibliothek” freut sich, dass die Umsetzung tadellos funktioniert hat. Die Baumbibliothek, die in der Nähe der Bachbrücken im kleinen Park der Gemeinde steht, wurde nun der Öffentlichkeit übergeben.

Bürgermeister Volker Kieber erzählt, dass ihn einige Gottenheimer Bürger in den vergangen Tagen gefragt haben, was eigentlich aus diesen Baumstämmen im Park werden solle. Die Antwort habe dann wohl für Verblüffung gesorgt. Was ist eigentlich eine “Baumbibliothek”? Uwe Falk erklärt, wie sie funktioniert. Zunächst einmal besteht sie aus einem Baumstamm. In diesem Fall handelt es sich nicht um irgendeinen Baumstamm, sondern um eine original Gottenheimer Eiche, die in drei Teile gesägt wurde – damit es nicht so viele Umstände macht, an die Bücher im Baum heranzukommen. “Normalerweise hätten wir diese Eiche an ein Sägewerk verkauft”, sagt der Bürgermeister, der sich gut mit Holz auskennt – er kommt schließlich als Förster vom Fach. Aber die Idee mit der Bibliothek im Baum habe ihm auch gut gefallen – noch dazu im aktuellen Jahr des Waldes.

In die eingesägten Fächer darf jeder, der möchte, ein, zwei, oder mehr Bücher oder Zeitschriften hineinstellen. Wer sich etwas aus der Baumbibliothek ausleihen möchte, muss sich nirgends anmelden. Es gibt weder Mitgliedsbeitrag noch Ausleihfristen. “Es müssen auch nicht dieselben Bücher sein, die man zurückgibt”, meint Uwe Falk. “Ich bin gespannt auf den Austausch, der hier sicherlich stattfinden wird”, freut sich Volker Kieber.
Die Idee hat Uwe Falk aus Berlin mitgebracht. Im Prenzlauer Berg habe er vor drei Jahren eine solche Baumbibliothek mitten in der Einkaufsstraße gesehen. “Ich bin mir sicher, dass Gottenheim seit 1048 auf dieses Ding wartet”, scherzt er stolz. Bei der Umsetzung konnte er sich auf einige Helfer mit Fachwissen und entsprechendem Werkzeug verlassen. “Alles ehrenamtlich”, betont Volker Kieber anerkennend. Die Eiche steht nun festmontiert auf einem Betonsockel, die Bücher in den Fächern werden durch Plastikklappen vor Regen geschützt und kleine Dächer haben die drei Stammteile auch bekommen. Regelmäßig wird Uwe Falk nach der Bibliothek sehen. Schließlich soll sie sauber und gut mit Büchern bestückt bleiben. Was den Lesestoff angeht, dürfte für jeden etwas dabei sein. Jetzt schon sind die Fächer mit Fachzeitschriften, Kinder- und Jugendbüchern sowie Büchern für Erwachsene – Romane und Krimis – gefüllt. So soll der Inhalt nicht nur alle Altersgruppen, sondern sowohl Gottenheimer Bürger und Bürgerinnen als auch Reisende, zum Beispiel Radfahrer, die sich im Park eine Pause gönnen, ansprechen. Uwe Falk selbst, Polizeibeamter, wird sich auf jeden Fall gleich ein paar Krimis mit nach Hause nehmen.

Quelle: Badische Zeitung, 10.9.2011