„Unter der Haut“ – fünf Entdeckungen zu Weihnachten – Folge 3

„Unter der Haut“ – fünf Entdeckungen zu Weihnachten – Folge 3

„Unter der Haut“ – fünf Entdeckungen zu Weihnachten, inspiriert von Figuren des Bildhauers Johannes Caspersen. So der Titel einer kleinen Serie von Beiträgen, die mit dem 24. Dezember 2020 anlässlich der neuen Krippe in der St. Petri-Kirche zu Flensburg ihren Anfang nimmt und Tag für Tag fortgesetzt wird.

 

Folge 3: Zweifel aushalten – Josef

 

Seine Gesichtszüge strahlen Ruhe aus. Dabei hatte gerade Josef – so die Geschichte – allen Grund, beunruhigt und in sich zerrissen zu sein. Vieles hat ihn aufgewühlt. Und anders als Maria konnte er sich auf die Ungewissheiten, die durch Schwangerschaft und Geburt auch in sein Leben gekommen sind, nicht so lange und vertrauensvoll vorbereiten. Wie sehr er mit sich gerungen haben muss, zweifelnd an seiner Rolle und mit Sorge, was nun weiter aus dieser seltsam entstandenen Familie werden sollte – das kann ich mir gut vorstellen.

Woher also dennoch diese Ruhe in seinen Zügen?

Wenn uns etwas umtreibt und unter die Haut geht, dann verarbeiten wir manches davon in unseren Träumen. Bei Josef war das vermutlich nicht anders. Gut möglich, dass auch Albträume und schlaflose Nächte dazu gehörten.

Von zwei seiner Träume im Zusammenhang mit den Zweifeln und Sorgen um die Geburt des Kindes erzählt die Bibel. Da begegnet ihm ein Engel. Und aus seiner Botschaft spricht die Zusage: Gott kennt deine Zweifel und Sorgen. Aber in allem sind dir zugleich Mut und Möglichkeiten gegeben, um mit Liebe und einem feinen Gespür für rettende Entscheidungen das Leben der Frau und des neu Geborenen zu begleiten und zu schützen.

 

Kein Macher, sondern ein Handelnder

 

Mit diesen Worten hat der Engel das nicht gesagt. Aber sein „Fürchte dich nicht“ wie auch seine Ermutigung, gemeinsam mit Maria und dem Kind der Verfolgung zu entkommen, lässt sich sinngemäß so deuten. Viele Worte hat Josef selbst ja nicht gemacht – er, der still Zweifelnde und Sorgende, Liebende, Träumende.

Daher also diese Ruhe?

Ermutigt von der nächtlichen Begegnung mit dem Engel? Gestärkt in dem, was er selbst mit seinen verantwortungsvollen Entscheidungen in dieser schwierigen Situation ändern und retten kann?

Kein Macher also, dieser Josef mit seinen Bedenken und Sorgen. Vielmehr ein Handelnder – besonnen, aufmerksam, mitfühlend.

Vielleicht so, wie es Franka-Maria Andoh beschreibt, wenn sie von der wirksamen und verändernden Kraft eines „sorgenden Herzens“ erzählt: unterwegs zwischen Schatten und Licht, Traum und Wirklichkeit.

Susanne Brandt

 

Zur Einführung in diese Reihe:

https://waldworte.eu/2020/12/23/unter-der-haut-fuenf-entdeckungen-zu-weihnachten-folge-1/

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