Norddeutsch und nachhaltig: Schöpferisch leben & lernen mit Ideen, Hand und Fuß

Es gehe darum, Nachhaltigkeit wirklich zu leben. Und es gelte, dafür immer wieder neue Wege zu finden – so beschreibt Guido Wendt, Staatssekretär im Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur ein Anliegen von “norddeutsch  und nachhaltig” (nun) bei der Zertifizierungsfeier am 6. Juli im Industriemuseum Elmshorn.

Das klingt so leicht. Wie lässt sich davon mit anderen Worten erzählen, frage ich mich oft. Wie lässt sich zum Klingen bringen, was eben auch „zum Leben“ dazu gehört: das Fragile, das Ambivalente, die Begrenztheit unserer Möglichkeiten – und den Mut, eben doch immer wieder auf  schöpferische Lebens- und Gestaltungsmöglichkeiten zu vertrauen?

Ich vermute, dass wir uns in der Gemeinschaft der sieben Akteure aus Schleswig-Holstein, die in diesem Jahr erstmals mit dem nun-Zertifikat ausgezeichnet wurden – zusammen mit denen, die das Zertifikat zum wiederholten Mal bekamen – diese Fragen so oder ähnlich alle schon gestellt haben.
Dabei fragen und suchen wir mit unterschiedlichen Perspektiven – denn das Themenspektrum unter uns „Neuen“ wie insgesamt bei den inzwischen 70 ausgezeichneten Institutionen und Freiberuflichen ist vielfältig: Initiativen aus dem Bereich Ernährung und Umweltbildung sind dort ebenso vertreten wie VHS und Museen als Kultureinrichtungen. Bereits seit 2021 gehört auch die Büchereizentrale Schleswig-Holstein dazu.

Die Zertifizierung, über die ich mich in diesem Jahr erstmals als Teilzeit-Freiberufliche freuen kann, ist für mich persönlich ein wichtiger Schritt auf einem neu gestalteten Weg, der in den vergangenen zwei Jahren vom berufsbegleitenden Studieren, von Leitbild- und Profilentwicklung geprägt war.
Seit Jahresbeginn finden die dabei gesammelten Erfahrungen nun leichter Raum und Zeit zur Entfaltung in verschiedenen Praxisbezügen: bei Workshops und Fachaustausch in unterschiedlichen  Gemeinschaften, durch vielfältige Formate der kulturellen Bildung, beim Teilen von Visionen und Ideen, mit Poesie,  Nature Journaling, Essays und Publikationen zum Thema.

Neben dem, was ich bislang für und mit Bibliotheken in Sachen Nachhaltigkeit ausprobieren konnte und im Rahmen der dort gegebenen Möglichkeiten in Teilzeit mit Lust an Gestaltung und Zusammenarbeit weiterhin entwickeln werde, eröffnen sich für mich nun in den Nachmittagsstunden außerhalb des Bibliothekswesens neue Chancen für andere Arbeitsweisen, andere Akzente und andere Kooperationen. Perspektivwechsel eben…

 

Teilen und Weitergeben als Ausdruck von Freiheit

Was für mich bei dieser Entscheidung für ein verändertes Arbeitsmodell zur flexibleren und lebendigeren Mitgestaltung von nachhaltiger Entwicklung auch wichtig ist: Neben Hauptberuf und Freiberuflichkeit  finden nun jede Woche auch ehrenamtliche Aufgaben “nach Feierabend” und an den Wochenenden leichter ihren Platz.

Denn ich erlebe es als große Freiheit, bei verschiedenen Projekten von Fall zu Fall unabhängig und gemeinwohlorientiert entscheiden zu können, welche Aufgaben ich ehrenamtlich und welche freiberuflich leisten kann. Dabei fühle ich mich ehrenamtlich wie freiberuflich gleichermaßen motiviert, den Prozess der nun-Qualitätsentwicklung als wichtige Austausch- und Orientierungshilfe zu nutzen, um mit Leidenschaft und Erfahrung immer wieder nach guten Lösungen zu suchen.

So möchte ich weiterhin nachhaltige Entwicklung in ihren verschiedenen Dimensionen (sozial, kulturell, ökologisch, gesellschaftlich, global…) als deutlichen Roten Faden bei ganz verschiedenen Aktivitäten begreifen. Ein ausgeprägter Sharing-Gedanke beim freien Austauschen und Weitergeben von Ideen und Materialien – z.B. hier über www.waldworte.eu – spielt dabei eine besondere Rolle in verschiedenen Kooperationen nah und fern wie ganz besonders auch im Kontext von sozialen und ökologischen Initiativen im Flensburger Norden.

Mehr zu den einzelnen Inhalten und Kooperationen hier: https://waldworte.eu/bildungsangebote-publikationen-kooperationen/

Norddeutsch und nachhaltig (nun) – was heißt das?

In diesem Sinne bietet die nun-Zertifizierung, die ja mit der Auszeichnung keineswegs einen Punkt setzt, eine wichtige Motivation und Begleitung im weiteren Prozess: nun-zertifizierte Angebote von freiberuflichen und/oder ehrenamtlichen Vermittlerinnen und Vermittlern wie auch von Institutionen und Lernorten in diesem Bereich öffnen Wege für lebensweltnahe, lebendige Lern- und Begegnungschancen – forschend, entdeckend und interaktiv. Die zertifizierten Anbieter beteiligen sich als Kooperationspartner an Projekten, leisten Öffentlichkeitsarbeit, entwickeln neue Lern- und Erlebnisformate für verschiedene Zielgruppen und vieles mehr.

Lernend unterwegs auf einem langen Weg bis zur Zertifizierung wie auch mit der Aussicht auf weitere Austausch- und Fortbildungsmöglichkeiten trägt die kollegiale Gemeinschaft der sogenannten “nun-Familie” zur Qualitätsentwicklung für BNE-Akteure der non-formalen Bildung bei. Die vier Länder Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt haben in ihrer nun-Partnerschaft die Qualitätsstandards gemeinsam entwickelt. Freiberufliche Personen, Vereine, Verbände, Stiftungen und andere Organisationen können dort jeweils in ihrem nun-Land einen Antrag einreichen.

Mehr Infos hier: https://www.nun-zertifizierung.de

Susanne.brandt

Bedenkt und entdeckt das Leben in Flensburg oder unterwegs - am liebsten zu Fuß und in der Begegnung mit anderen. Lernt, schreibt, singt, erzählt, teilt und lässt sich jeden Tag vom Möglichen überraschen. Weitere Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Brandt