Hinaus in die Weite – die Faszination der Meere und Ozeane in Kindersachbüchern

Mit seiner Blogparade (Laufzeit: 20. Juni bis 25. Juli 2018) lädt das Deutsche Historische Museum anlässlich der Ausstellung „Europa und das Meer“ unter dem Hashtag ‪#DHMMeer dazu ein, in Blogbeiträgen persönliche Beziehungen zum Meer in ihrer ganzen Vielfalt zu beschreiben. Geographisch gesehen ist Europa ein maritimer Kontinent: Keiner der anderen Erdteile hat mehr Berührungspunkte mit dem Meer gemessen an Küstenlänge und Gesamtgröße. Wie also erleben wir diese Berührung mit dem Meer – mittelbar oder unmittelbar? Und welche Rolle spielen Bücher vom Meer also Vermittler dabei?  #DHMMeer steht für eine kulturhistorische Betrachtung der Bedeutung des Meeres für Europa: Tourismus und Nachhaltigkeit, Ressource und Umweltverschmutzung, Handel und Expansion. Aber auch der Import von exotischen Lebensmitteln, Stoffen und Porzellan hängt eng mit dem Meer zusammen. Die Malerei, die Literatur und alle anderen Künste hat das Meer inspiriert.

Als Beitrag dazu: eine Reise über die Meere und Ozeane, wie sie uns in Kinder(sach)büchern begegnen. Und die beginnt dort wo ich lebe – in Flensburg.

Noch mehr zum Thema Meer: http://waldworte.eu/category/von-muscheln-und-meer/

Foto: Susanne Brandt

An der Flensburger Förde erzählt man sich die Sage, dass einst Dr. Faustus und Nis Puk (eine Sagengestalt aus der deutsch-dänischen Grenzregion) in einem gläsernen Unterwasser-Boot den Meeresboden der Ostsee erkundet haben, um alles, was sich dort entdecken lässt, mit Seekarten festzuhalten und zu beschreiben. Die Sage hat vermutlich ihren Ursprung in der finnischen Dr. Faust-Tradition, die von eben solchen Unterwasserexpeditionen als Vorstoß in unbekannte Welten erzählt. Entstanden ist sie weit vor der Zeit der ersten funktionstüchtigen U-Boote und verlässlichen Karten vom Meeresgrund (vgl. „Flaschenpost von Puk“, Flensburg 2014).

Was daran wie an vielen anderen fiktionalen Unterwasserphantasien deutlich wird:  Das Meer mit seinen verborgenen Tiefen war von je her eine Region der Sehnsucht und der Suche nach Erkenntnis, hat immer schon die Phantasie beflügelt und Eingang gefunden in unzählige Sagen und Mythen aller Kulturen und Religionen der Welt.

Was heißt das heute speziell für die Frage nach Themen und Typen in geographischen Sachbüchern über Meere und Ozeane für Kinder und Jugendliche?

Wir haben es hier – nach meinem Eindruck häufiger als bei geographischen Sachbüchern zu terrestrischen Themen – immer wieder mit Mischformen und Übergängen zu tun: mit Mischformen von Fiktion und Fakten, von narrativen und informativen Vermittlungsformen, von geographischen,  naturwissenschaftlichen, geschichtlichen und sozialen Aspekten. Das liegt, so denke ich, an zwei besonderen Eigenschaften, die mit den Meeresregionen im Unterschied zu den Landflächen der Erde verbunden sind:

  • Meere sind für Menschen keine natürlichen Lebensräume, d.h. Menschen verhalten sich in besonderer Weise zu den Meeren und erleben mit dem Meer Geschichten: als Küstenbewohner, als Eroberer, als Flüchtende, als Reisende, als Forschende, als Nutzer/ Ausbeuter der Meere. Das bringt es mit sich, dass im Verhältnis zwischen Mensch und Meer immer Bewegung ist, dass es in der Beziehung zwischen Mensch und Meer einen motorischen Moment geben muss (Flucht, Forscherdrang, Eroberung, Reise) und Sachinformationen dazu oft untrennbar mit Geschichten in Verbindung stehen.

 

  • Wasser und Meer sind nie ganz beherrschbar und bis in die dunklen Tiefen der Ozeane auch noch nicht vollständig erforscht, d.h. das Meer formt das Land, lässt sich aber umgekehrt nur sehr begrenzt durch Menschen formen. Menschen haben gewisse Einflussmöglichkeiten durch Schleusen oder Deiche, aber keine Macht, Flutkatastrophen, Stürme und den Anstieg des Meeresspielgels gänzlich zu verhindern. Daraus resultiert ein besonderes elementares Verhältnis zwischen Menschen und Meeren – lebenswichtig und lebensbedrohlich zugleich, was die Meere mit Mythen, Träumen, Phantasien, Utopien und Sehnsüchten verbindet – auch in der Sachliteratur.

Vor diesem Hintergrund sollen nachfolgend ausgewählte Beispiele des deutschsprachigen Kinderbuchmarktes zeigen, wie in verschiedenen Sachbuchtypen von Meeren und Ozeanen erzählt wird, wie sich also die eingangs beschriebenen Übergänge und Mischformen konkret darstellen. Am Ende ergeben sich daraus Fragen zum Weiterdenken.

Das erzählende Sachbuch: mutige Menschen

Im erzählenden Sachbuch bilden das Handeln und Erleben der literarischen Figuren und der dargestellte Sache – hier also das Meer als Reiseweg – eine Verbindung, die nicht künstlich konstruiert werden musste. Der Wirklichkeitsbezug ergibt sich also unmittelbar aus der Handlung heraus. Wir finden hier vor allem solche Bücher, die das Meer als Entwicklungs- und Entdeckungsraum für neue (Lebens-)welten beschreiben: Flucht- und Reisegeschichten, Expeditionen und Erkundungsfahrten.

In „Wilhelms Reise“ wird am Beispiel des Jungen Wilhelm eine Auswanderergeschichte aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschrieben: eine Reise mit der Columbia über den Atlantik nach Amerika. Die Autorin Anke Bär spürt mit diesem Buch nicht nur ihrer eigenen Familiengeschichte, genauer gesagt: der Geschichte ihres Ururgroßvaters nach, sondern versteht es hervorragend, die Lebenswelt der Menschen, die nach Amerika auswanderten, um dort ihr Glück zu versuchen, einzufangen und mit vielen Details zu den Bedingungen einer solchen Seereise zu verbinden. Zahlreiche Erfahrungen und Materialien aus dem Auswanderermuseum Bremerhaven kommen ihr dabei zugute und fließen als Information in die poetisch erzählte und mit Sachinfos angereicherte Handlung ein. Über den Moment, da Wilhelm nach dem weiten Landweg aus dem Spessart in Bremerhaven bei der Columbia eintrifft wird berichtet:

„Majestätisch reckte sie ihre Masten in den Himmel. Es war ein kühler Morgen und ein diesiger Schleier hing über dem Hafenbecken. Oben in der Takelage des Schiffes waren Matrosen emsig damit beschäftigt, Vorbereitungen für die Abfahrt zu treffen. Rufe schallten hin und her. Wilhelm war überwältigt vom Blick in die Weite, über das Wasser, in Richtung der offenen See. Der Wind fühlte sich hier ganz anders an als im Spessart, schmeckte salzig, zerzauste die Haare. Und oben über dem ganzen Spektakel zankten sich große weiße Vögel kreischend um einen eben erbeuteten Fisch.“

Grafisch orientiert sich das Buch an jenem Skizzenbuch, das der 15-jährige Wilhelm führt, als er in Bremerhaven an Bord geht.  Alle Beobachtungen und Erlebnisse von der langen Seereise – zur Reiseroute und zum Leben an Bord, schwere Unwetter und schöne Momente –  werden in dieses Buch eingetragen, was der Aufmachung einen authentischen Eindruck verleiht. Die Konzentration auf die Lebensgeschichte eines Einzelnen unter den über 1 Mio. Auswanderern ermöglicht Kindern einen emotionalen Zugang zum Thema. Hoffnungen und Sehnsüchte, die mit der langen Seereise und dem Leben in der „Neuen Welt“ verbunden sind, kommen ebenso zur Sprache wie die Enttäuschung, die viele später dort erleben. Sachinformationen, die immer wieder auch über die Lebensgeschichte des Wilhelm hinaus weisen,  machen deutlich, dass die Übersee-Auswanderung kein Einzelschicksal, sondern von allgemeiner Bedeutung für die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der damaligen Zeit war.

Um eine Reise ganz anderer Art – in die Tiefe sozusagen – geht es  in „Das blaue Herz des Planeten“. Hier erzählt Claire A. Nivola die Geschichte der US-amerikanischen Ozeanographin Sylvia Earle (Jg. 1935), die bereits im Alter von 13 Jahren im Golf von Mexiko tauchte und sich schließlich als Forscherin immer intensiver mit der Lebenswelt unter Wasser verbunden fühlte. Unvergesslich bleibt für sie die Zeit, in der sie zwei Wochen lang auf der Tiefseestation Tektite II unter der Meeresoberfläche lebte und dabei bis zu 12 Stunden am Tag im Korallenriff den Wechsel von Tag und Nacht auf ganz besondere Weise kennenlernte.

Neun Jahre später wagte sie sich noch tiefer in die unbekannte Welt: Auf dem Meeresboden vor Hawaii – 400 Meter unter der Meeresoberfläche – entdeckte sie im Panzertauchanzug eine magische indigoblaue Dämmerung und nie zuvor gesehene Leuchtwesen, als wäre sie in eine Galaxie eingetaucht. Mehr als 7000 Stunden ihres Lebens hat die außergewöhnliche Wissenschaftlerin unter Wasser verbracht und dabei erstaunliche Erkenntnisse über diese bis heute noch in großen Teilen unerforschte, aber lebenswichtige Welt gewonnen. Aber es geht in diesem Buch nicht nur um Forschung. Einfühlsam in Bildern und Worten wird ebenso ihre immer tiefer werdende emotionale Beziehung zur Faszination des Lebens unter Wasser vermittelt, das sie als „blaues Herz des Planeten“ empfindet.

Am Ende der lebendig erzählten und reich illustrierten „Unterwasserlebensreise“ für Kinder im Grundschulalter wird über das Engagement von Sylvia Earle für den Schutz der Weltmeere informiert. Denn bis heute tritt sie mit Reden, Publikationen, mit ihrer Organisation Sylvia Earle Alliance (SEA) und mit der von ihr begründeten Aktivistengruppe Mission Blue für die Erhaltung der Meere ein. „Wenn du wieder einmal weit auf das Weltmeer hinausschaust, dann bleib eine Weile stehen. Denk daran, dass es atmet und uns Leben schenkt. Und denk an all die wundersamen Wesen, die darin sind“, heißt es als Empfehlung zum Schluss. Dieses Buch kann faszinieren, Achtsamkeit fördern und die Neugier wecken.

Die Sacherzählung: Fakt und Fiktion

Bei der Sacherzählung ergibt sich der narrative Anteil nicht aus dem tatsächlichen Geschehen, sondern wird eher als erzählender Rahmen dafür neu konstruiert, um so geografisches, geschichtliches und naturwissenschaftliches Sachwissen zum Meer auf kindgerechte Weise zu vermitteln.

Ein Beispiel hierfür ist das Buch „Nautilon“: Ein etwas verschrobener Forscher macht sich eines Tages mit seinen Enkelkinder auf den Weg zum Hafen, wo es eine neue Erfindung zu bestaunen gibt: ein unglaubliches U-Boot namens Nautilon, vollgestopft mit skurrilen Dingen steht startklar zur Abfahrt bereit. Opa und die Kinder reisen damit um die ganze Welt, entdecken den Zauber des Ozeans, sehen seltsame Tiere, begegnen Piraten, entdecken Schiffswracks und bizarre Landschaften.

Ihre abenteuerliche Tiefseereise führt sie über den Nordatlantik nach Island, in die Arktis, die Karibik und von dort über den Panamakanal quer durch den Pazifik, das südchinesische Meer und die australischen Küstengewässer, bis sie schließlich nach der gefährlichen Begegnung mit echten Piraten die Heimreise durch den Suezkanal antreten. Sie begegnen Walen und Delfinen, Muränen, Kraken und eigenartigen Tiefseelebewesen. Mit Nautilon verbindet der Autor Tomas Tuma eine in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts angesiedelte Abenteuergeschichte in Jules-Verne-Tradition mit Faktenwissen über die Wunder der Weltmeere.

Fakt und Fiktion vermischen sich auch in „Geheimnisvolle Welt der Ozeane“. Die Lesenden werden mitgenommen auf die Suche nach dem sagenumwobenen Atlantis. Ausgangspunkten dabei ist das Buch “20.000 Meilen unter dem Meer” von Jules Verne.  Die Kenntnis des Romans ist zwar nicht unbedingt nötig, aber für das Verständnis der Hintergründe und des Handlungsverlaufes durchaus hilfreich. Eingebettet in die unterseeische Reise sind Informationen über das Leben in den Ozeanen, die sich zu einem genauen Bild der Unterwasserwelt zusammenfügen. Dabei machen die zahlreichen kleinen Briefe, Büchlein, Klappen, Karten, Gesteinsproben und Effekte dieses Buch zu einem fantastischen Leseerlebnis mit vielen geographischen Bezügen.

Für jüngere Kinder sind andere Vermittlungswege zu suchen: „Nukka und Isi“ zum Beispiel. Die Idee zu dieser Seereise ist aus dem Anliegen entstanden, Lebewesen, die sich normalerweise nie begegnen können, weil sie an zwei entgegengesetzten Enden der Welt leben (Polarfuchs und Pinguin) über eine Atlantikreise miteinander in Verbindung zu bringen. Dabei sind die Reise selbst und die Anthropomorphisierungen der Tiere fiktive Elemente, die zunächst an ein erzählendes Bilderbuch denken lassen. Aus der Reisebeschreibung ergeben sich dann allerdings doch einige Sachinformationen in einem für Kindergartenkinder angemessenen Umfang, die das Buch ebenso als Sacherzählung ausweisen.

Es geht um die Unterscheidung der nördlichen und südlichen Polarregionen, denen verschiedene Tiere zugeordnet werden (Polarfuchs für nördliche Polarregion und Pinguin für Südpol), vor allem aber um Verlauf und Erlebnisse während der Atlantikdurchquerung von Nord nach Süd: die Dunkelheit in der Tiefe des Meeres und die Macht der Stürme werden thematisiert, Kraken und fliegende Fische, Wal und Albatros als Meeresbewohner vorgestellt, Äquator und Kap Hoorn als Wegmarken benannt. Alles das lässt sich schließlich auf einer Karte an entsprechenden Symbolen nachvollziehen.

Auf einer ganz anderen Ebene spielt sich die apokalyptische Utopie „Polymeer“ ab:  Sie stellt die durchaus reale Frage, was passieren könnte, wenn die Gletscher schmelzen und der Meeresspiegel ansteigt? Angesiedelt ist die Utopie im überflutungsbedrohten Holland: Nero van Dijk, Doktorand der Chemie, wacht eines Tages in seinem Leuchtturm auf und muss feststellen, dass Holland vom Meer verschluckt ist. Angeklammert an einem Kleiderschrank gerät er in einen Müllstrudel, treibt weiter bis zu den Alpen und erlebt hier, wie sich das düstere Untergangsszenario zu einer schrägen Utopie von einer Neubildung eines Landes wendet. Die Geschichte von Untergang, Erfindergeist und Wiederaufbau wird am Ende ergänzt durch eine didaktische Doppelseite mit Fakten über den pazifischen Müllstrudel und die laut UNO-Angaben bis ins Jahr 2050 erwartete Anzahl von 250 Millionen Klimaflüchtlingen.

Das Bildersachbuch: Formen und Farben erzählen

Beim Bildersachbuch  ist der Informationsgehalt der Bilder selbst so hoch, dass der Text dahinter zurücktritt.  Wie bei „Pop up Ozean“. Hier bricht das Segelboot Oceano zu einer Expedition um die ganze Welt auf, und was die Crew dabei erwartet, offenbart sich nicht nur auf der Wasseroberfläche, sondern auch darunter, was durch den Pop-up-Effekt zur Geltung gebracht wird.  Dabei wird die Faszination des Meeres nicht nur romantisiert dargestellt:  Im Hafen schwimmt neben Fischen auch viel Abfall. Und weiter draußen gibt es einen Wal zu entdecken, der mit seinem Jungtier gerade dem Fangboot entwischt ist. Im arktischen Meer dringt der Kapitän bei einem Tauchkapselausflug zu den Tiefen der Eisberge vor und dann wieder tut sich vor den Augen die Ruhe und Schönheit der Korallenriffe auf.
Das Autorenpaar Boisrobert/Rigaud lädt mit diesem Buch zu einer faszinierenden Seh-Reise ein, bei der die Möglichkeiten der dreidimensionalen Papiertechnik optimal ausgeschöpft werden. Beim Aufklappen entfaltet sich buchstäblich zuerst die Welt oberhalb der Wasseroberfläche. Diese ist die Schei­de­wand, welche erst beim weiteren Öffnen den Blick für die Welt da­runter frei gibt.

Das illustrierte Sachbuch: “Häppchenwissen”

Beim illustrierten Sachbuch  illustrieren die Bilder die im Text dargestellten Sachverhalte, sprechen aber nicht unbedingt eine eigene künstlerische oder ästhetische Sprache.  In diese Kategorie gehören viele konventionelle Sachbücher wie beispielsweise – für Kinder ab etwa 10 Jahre –  „Ozeane. Atlas der Meere“, das mit sehr viel Faktenwissen zu allen Aspekten rund um Ozeane nach Dorling Kindersley Art mit vielen Fotos, Schaubildern und animierten Digital-Ergänzungen „Häppchenwissen“ vermittelt:  Sprachlich liefern die teilweise etwas ungeschickten Übersetzungen eher erweiterte Bildunterschriften, stellen viele Einzelaspekte nebeneinander, vermitteln aber keine größeren  Zusammenhänge und tiefere Hintergründe. Dieses Prinzip bestimmt auch andere Sachbuchreihen (z.B. Was ist was).

Das Sachbilderbuch: Bilder und Worte Hand in Hand

Beim Sachbilderbuch tragen Bilder und Texte gemeinsam die Gesamtinformation und ergänzen sich so, dass sie in der Gesamtgestaltung konzeptionell eng miteinander verwoben und in vielen Teilen nicht voneinander zu trennen sind.

Das Buch „Abenteuer Seefahrt“ zum Beispiel erzählt vorwiegend chronologisch von der Geschichte der ersten Fahrten über die Weltmeere, von Seefahrern, und von der Entdeckung neuer  Kontinente.  Es werden die Handelsreisen der Antike ebenso dargestellt wie die Fahrten der Wikinger, die Reisen Marco Polos sowie natürlich Christoph Kolumbus mit der Entdeckung der “Neuen Welt”. Das grausame Schicksal der nord- und südamerikanischen Ureinwohner wird in diesem Zusammenhang nur in wenigen Sätzen angedeutet.

Ähnliches gilt für die dargestellten Reisen des englischen Marineoffiziers James Cook in die Südsee. Besonders eingegangen wird dagegen auf den kindlichen Forscherdrang bei der besonderen grafischen Gestaltung des Buches. So finden sich zu jedem Kapitel Abbildungen der Schiffe sowie Karten, die die unterschiedlichen Reiserouten darstellen, und zahlreiche Klappkarten, etwa in Form von kleinen Schatztruhen und altertümlich wirkenden kleinen Büchern, die den Blick freigeben auf neue Entdeckungen. Ein besonderer Hingucker ist die ins Buch integrierte Geheimschublade, in der sich ein Kompass, ein Teleskop und ein Schiffsmodell zum Selberbauen verbergen, und die sich öffnet, wenn man ein an einem Pappschieber befestigtes Schiff über den stürmischen Atlantik bewegt.

So werden Kinder im Grundschulalter handlungsorientiert dazu animiert, die Abenteuer der großen, wenn auch zuweilen zweifelhaften Helden, nachzuspielen. Die Tatsache, dass nicht alle Entdeckungen der Seefahrt in den letzten Jahrhunderten zum Wohle der Menschheit erfolgten kommt in dieser als nostalgische Abenteuer stilisierten Form nicht zum Ausdruck.

Literaturverzeichnis – 10 vorgestellte Beispiele von A bis Z (Stand: 2015)

 Abenteuer Seefahrt : [Forschungsreisen und Entdeckungen die unsere Welt prägten ; Buch mit Geheimschublade ; Kompass, Teleskop und Schiffsmodell zum Selberbauen] / von Philip Steele. [Ill.: Laszlo Veres …]. – Hamburg : Oetinger, 2010. – 29 S. : überw. Ill. (farb.), Kt.; 26 x 26 x 3 cm + 8  Beil. in Schublade.  ISBN 978-3-7891-8453-6 fest geb. : fest geb. : EUR 19.90

¬Das¬ blaue Herz des Planeten : die Geschichte einer Meeresforscherin: Sylvia Earle / Claire A. Nivola. – 1. Aufl. – Stuttgart : Verl. Freies Geistesleben, 2015. – [16] Bl. : überw. Ill. (farb.); 29 cm.  EST: Life in the ocean <dt.> ISBN 978-3-7725-2635-0 fest geb. : fest geb. : EUR 15.90

Flaschenpost von Puk : ein Strandmärchen / Susanne Brandt. [Photos und Grafik: Klaus-Uwe Nommensen] Flensburg : Ed. Glas und Wort, 2014 : 48 S. : zahlr. Ill. ; 21 cm. 978-3-938500-13-2 Pp. : EUR 12.90 (DE)

Geheimnisvolle Welt der Ozeane : [die wahre Geschichte der “Nautilus”] / [Ill.: Ian Andrew …]. – München : Ars Edition, 2010. – [32] S. : überw. Ill. (überw. farb.), Kt.; 36 cm. ISBN 978-3-7607-5286-0 fest geb. : fest geb. : EUR 24.90

Nautilon : eine fantastische Tiefseereise / Tomás Tuma. – Hamburg : Oetinger, 2011. – 61 S. : überw. Ill. (farb.), Kt.; 31 cm. ISBN 978-3-7891-8459-8 fest geb. : fest geb. : EUR 19.95

Nukka & Isi auf großer Fahrt / Dieter Braun. – Orig.-Ausg. – Hollenstedt : Ankerherz, [2014]. – [23] Bl. : überw. Ill. (farb.); 23 cm. – (Ankerherzchen) Copyright 2010 ISBN 978-3-940138-06-4 fest geb. : fest geb. : EUR 12.00

Ozeane : Atlas der Meere ; [mit interaktiver CD-ROM] / John Woodward. [Ill.: Andrew Kerr …]. – München : Dorling Kindersley, 2007. – 96 S. : überw. Ill. (farb.), Kt.; 31 cm + 1 CD-ROM im Umschlag. ISBN 978-3-8310-1052-3 fest geb., innen Spiralb. : – fest geb., innen Spiralb. : EUR 16.95

Pop-up Ozean /  Anouck Boisrobert, Louis Rigaud – Berlin: Jacoby & Stuart, 2013 ISBN 978-3-941087-95-8, € [D] 22,00 |

Polymeer : eine apokalyptische Utopie / Alexandra Klobouk. – Dt. Erstausg. – Berlin : Onkel & Onkel, 2012. – [22] S. : überw. Ill. (farb.); 23 cm.  ISBN 978-3-940029-91-1 fest geb. : fest geb. : EUR 19.95

 Wilhelms Reise : eine Auswanderergeschichte / Anke Bär. – 2. Aufl. – Hildesheim : Gerstenberg, 2013. – 62 S. : überw. Ill. (überw. farb.), Kt.,Noten; 31 cm. ISBN 978-3-8369-5409-9 fest geb. : fest geb. : EUR 14.95

Der Beitrag basiert auf einem Vortrag, gehalten bei der Tagung „Die Vermessung der Sachbuchwelt. Interdisziplinäres Forum zu geographischen Sachbüchern für Kinder und Jugendliche, Internationale Jugendbibliothek München, im Mai 2014 von Susanne Brandt

Infos: https://www.ijb.de/veranstaltungen/single/browse/1/article/die-vermessung-der-sachbuchwelt/138.html

Susanne Brandt, bearb. im Juni 2018