Europa und das Meer: Von Angesicht zu Angesicht

Mit seiner Blogparade (Laufzeit: 20. Juni bis 25. Juli 2018) lädt das Deutsche Historische Museum anlässlich der Ausstellung „Europa und das Meer“ unter dem Hashtag ‪#DHMMeer dazu ein, in Blogbeiträgen persönliche Beziehungen zum Meer in ihrer ganzen Vielfalt zu beschreiben. Geographisch gesehen ist Europa ein maritimer Kontinent: Keiner der anderen Erdteile hat mehr Berührungspunkte mit dem Meer gemessen an Küstenlänge und Gesamtgröße. Wie also erleben wir diese Berührung mit dem Meer – und wie werden wir der Verantwortung gerecht, die sich daraus ergibt?

Mich treibt dieses Thema um: Europa und das Meer. Viele Jahre lang war das für mich mit elementaren Lebenserfahrungen verbunden. Denn ich lebe am Meer. Seit Jahrzehnten schon. Hier in Europa. In zehn europäischen Ländern bin ich bereits an der Meeresküste entlang gewandert. Unzählige Male habe ich Zeichen in den Sand gemalt, die von der nächsten Welle überspült und unkenntlich gemacht worden sind. Ein Spiel im Rhythmus der Gezeiten.

Mit diesem Gesicht aber ist es anders!

Susanne Brandt: One face – one moment

Nur wenige Sekunden, dann waren auch seine Konturen fortgespült. Ich stand daneben und konnte das nicht verhindern. Kein Spiel – wenn ich daran denke, dass das für unzählige Menschen grausame Realität ist: auf der Flucht vom Meer fortgespült zu werden. Oder: Nicht verhindern zu können, das Menschen ertrinken oder es vielleicht doch zu können, aber mit Gewalt am Helfen gehindert zu werden.

Ein vergängliches Gesicht, in den Sand gemalt – eine hilflose Geste. Nein, auch eine Geste des Aufbegehrens GEGEN die Hilflosigkeit und FÜR das Leben! Weil lebensrettende Hilfe mitten auf dem Meer manchmal die einzige Chance ist, um Menschenrechte zu wahren. Weil diese Hilfe unterstützt und vor Angriffen und Behinderung geschützt werden muss! Weil es um jeden einzelnen Menschen geht – tausendfach. Niemals geht es um eine gesichtslose Masse, sondern immer um eine große Zahl von Menschen mit persönlichen Lebensgeschichten, die jedes Gesicht prägen.”

Susanne Brandt

Der Hintergrund: Kunst im Angesicht des Todes

Tausende von Menschen sind seit dem Jahr 2000 gestorben, als sie die europäische Seegrenze überqueren wollten – aus der Not geflohen mit der Hoffnung auf Sicherheit, Würde und Gerechtigkeit.

38.000 Bilder mit Gesichtern – damit regt das Kunstprojekt Mediterranean Faces  ein Nachdenken über dieses Sterben an: bei denen, die mit einem Bild dazu beitragen wie bei denen, die sich mit diesen Bildern die unvorstellbar große Zahl an Einzelschicksalen vergegenwärtigen können. Weiterlesen

Sonntagsmomente: Zuneigung

Foto: Susanne Brandt

 

 

 

 

 

 

 

Sie biegen sich nicht mit den wechselnden Winden.
Ihr Gesicht im Geäst hat sich langsam geformt
und wer danach trachtet, empor zu wachsen,
höher als andere,
wird hier nicht bleiben.

Mit den Gräsern aber, den Hütern der Wurzeln,
tauschen sie zärtliche Gesten aus,
denn Zuneigung ist es, die sie hier hält.
Sonst wären sie längst schon zerbrochen.

Susanne Brandt, Notiz im Juli 2018 auf Hallig Hooge

Hinaus in die Weite – die Faszination der Meere und Ozeane in Kindersachbüchern

Mit seiner Blogparade (Laufzeit: 20. Juni bis 25. Juli 2018) lädt das Deutsche Historische Museum anlässlich der Ausstellung „Europa und das Meer“ unter dem Hashtag ‪#DHMMeer dazu ein, in Blogbeiträgen persönliche Beziehungen zum Meer in ihrer ganzen Vielfalt zu beschreiben. Geographisch gesehen ist Europa ein maritimer Kontinent: Keiner der anderen Erdteile hat mehr Berührungspunkte mit dem Meer gemessen an Küstenlänge und Gesamtgröße. Wie also erleben wir diese Berührung mit dem Meer – mittelbar oder unmittelbar? Und welche Rolle spielen Bücher vom Meer also Vermittler dabei?  #DHMMeer steht für eine kulturhistorische Betrachtung der Bedeutung des Meeres für Europa: Tourismus und Nachhaltigkeit, Ressource und Umweltverschmutzung, Handel und Expansion. Aber auch der Import von exotischen Lebensmitteln, Stoffen und Porzellan hängt eng mit dem Meer zusammen. Die Malerei, die Literatur und alle anderen Künste hat das Meer inspiriert.

Als Beitrag dazu: eine Reise über die Meere und Ozeane, wie sie uns in Kinder(sach)büchern begegnen. Und die beginnt dort wo ich lebe – in Flensburg.

Noch mehr zum Thema Meer: http://waldworte.eu/category/von-muscheln-und-meer/

Foto: Susanne Brandt

An der Flensburger Förde erzählt man sich die Sage, dass einst Dr. Faustus und Nis Puk (eine Sagengestalt aus der deutsch-dänischen Grenzregion) in einem gläsernen Unterwasser-Boot den Meeresboden der Ostsee erkundet haben, um alles, was sich dort entdecken lässt, mit Seekarten festzuhalten und zu beschreiben. Die Sage hat vermutlich ihren Ursprung in der finnischen Dr. Faust-Tradition, die von eben solchen Unterwasserexpeditionen als Vorstoß in unbekannte Welten erzählt. Entstanden ist sie weit vor der Zeit der ersten funktionstüchtigen U-Boote und verlässlichen Karten vom Meeresgrund (vgl. „Flaschenpost von Puk“, Flensburg 2014).

Was daran wie an vielen anderen fiktionalen Unterwasserphantasien deutlich wird:  Das Meer mit seinen verborgenen Tiefen war von je her eine Region der Sehnsucht und der Suche nach Erkenntnis, hat immer schon die Phantasie beflügelt und Eingang gefunden in unzählige Sagen und Mythen aller Kulturen und Religionen der Welt.

Was heißt das heute speziell für die Frage nach Themen und Typen in geographischen Sachbüchern über Meere und Ozeane für Kinder und Jugendliche? Weiterlesen

Hooger Halligsommer: Kein Wetter für Tauben

Foto: Susanne Brandt

Unruhige Zeiten im Juni des Jahres 2018. Das alte Bild der Arche als Zufluchtsort scheint an den Küsten Europas zu zerschellen. Und die Taube, die einst von ihrem Ausflug zum rettenden Land zurückgekehrt ist mit dem Zweig im Schnabel als Zeichen des Friedens – sie müsste heute wohl lange suchen, um landen zu dürfen. Oder: Um sich willkommen zu fühlen und Menschen zu finden, die am Meer unbeirrt Ausschau halten nach Frieden und Verbundenheit.

Mit seiner Blogparade (Laufzeit: 20. Juni bis 25. Juli 2018) lädt das Deutsche Historische Museum anlässlich der Ausstellung „Europa und das Meer“ unter dem Hashtag ‪#DHMMeer dazu ein, in Blogbeiträgen persönliche Beziehungen zum Meer in ihrer ganzen Vielfalt zu beschreiben. Geographisch gesehen ist Europa ein maritimer Kontinent: Keiner der anderen Erdteile hat mehr Berührungspunkte mit dem Meer gemessen an Küstenlänge und Gesamtgröße. Wie also erleben wir diese Berührung mit dem Meer – und wie werden wir der Verantwortung gerecht, die sich daraus ergibt? Weiterlesen

“zwischen himmel und erde das weite suchen” – Notizblätter einer Reise

Die meisten Reisen haben ein Ziel. Aber das Ankommen an diesem Ziel muss nicht immer der vorrangige Zweck des Weges sein. Manchmal geht es eher um einen Orientierungspunkt im Verlauf einer gerundeten Folge von vielen Stationen.

Foto: Susanne Brandt, Rouen

Nach der Philosophie eines solchen Reisens in vielen kleinen Etappen reihen sich die Tage wie Perlen einer Kette aneinander, wobei jede Perle im Verlauf ihre eigene Form und Farbe offenbart. Und was auf den ersten Blick nicht gleich sichtbar wird: Durch die Perlen hindurch zieht sich eine Schnur aus mehreren Fasern und Fäden.

Die Stationen dieser Reise von der Ostsee an die Atlantikküste, die eher langsam über mehrere Orte und Landschaften in Deutschland, Holland, Belgien und Frankreich führte, dann durch die Bretagne und abermals in mehreren Etappen zurück Richtung Norden, lassen sich geografisch benennen:

Foto: Susanne Brandt, Kortrijk

Papenburg (Emsland) – Herzogenbosch und Nationalpark “De Loonse und Drunense Duinen” (Nordbraband) – St. Valery sur Somme (Picardie) – Rouen, Caens, Bayeux, Saint Aubin sur Mer (Normandie) – Lamballe,  Hillion an der Baie de Brieu, Quimper, Carnac, Vitre (Bretagne) – Chartres – Kortrijk (Flandern) – Papenburg (Emsland)

Die Fäden, die sich durch die Perlen und damit durch wechselnde Orte ziehen, tragen ebenfalls Namen. Sie sind von verbindender und vertiefender Bedeutung – skizziert auf diesen “Notizblättern” mit Bildern und Gedichten: Weiterlesen