Wolkensucher und Weltentdecker – Bücher vom Staunen zwischen Himmel und Erde

Mit Büchern und Lesen wird die Welt nicht verändert – aber es kann dabei etwas mit unserer Vorstellungskraft geschehen, mit unserer Fähigkeit, sich das Leben anderer Menschen vorzustellen, sich vielleicht das Leben in dieser Welt anders vorzustellen. “Das ist keine schlechte Sache” sagt der Dichter Amos Oz in aller Bescheidenheit dazu. Und er hat in Interviews (ich konnte sein Gespräch auf dem Blauen Sofa live miterleben) wie in zahlreichen Medien noch einiges mehr gesagt, was für mich persönlich zu jenen Worten gehört, die mich bei der Leipziger Buchmesse 2015 am meisten berührt und angeregt haben.

51h9Mbs6RLL._AA160_Amos Oz – mit behutsamer Neugier für das Tragische und Glückliche im Leben

Die Bücher von Amos Oz schätze ich bereits seit Jahrzehnten. Was in Gesprächen mit ihm besonders spürbar wird, ist der feine Humor und die Bildkraft seiner Sprache, die tiefe Weisheit, die keine großen Gesten und Inszenierungen braucht, sondern sehr leise daher kommt: mit Zweifeln, Fragen, einer behutsamen Neugier für das Tragische und Glückliche im Leben der Menschen, das meistens ganz nah beieinander liegt.

Lesen und Schreiben ist Einfühlen und Mitgehen “in den Schuhen der anderen”

Auch bei mir hat die Messebegegnung mit Amos Oz eine solche Neugier neu beflügelt: Auf weitere Bücher von ihm bin ich gespannt, (z.B. “Judas”), auf weitere Interviews und Medienberichten über ihn (im Netz reichlich nachzulesen) – darüber hinaus aber vor allem auf die vielen kleinen, aber feinen Entdeckungen und Begegnungen, die durch die inspirierende Wirkung der Vorstellungskraft möglich werden.

So stehen die folgenden Impressionen meines diesjährigen Messespaziergangs alle unter der Frage, wie Bücher, Geschichten und Poesie die Lust an der Fantasie, am Entdecken, an der Offenheit und Bereitschaft zum Einfühlen und Mitgehen “in den Schuhen der anderen” anregen. Und ich habe dafür wunderbare Beispiele gefunden:

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Buch von Anita Bänninger zum Wolkenfreunde-Projekt

Wolkenbilder und Bilderfantasien – der Natur Geschichten entlocken

Einen Schwerpunkt bildete für mich dabei die Suche nach kreativen Schreib- und Erzählprojekten mit Kindern und Jugendlichen. Eine besondere Entdeckung war in Lepzig z.B. das Wolkengeschichten-Projekt der Anita Bänninger, das viele Berührungspunkte zu naturkundlichen wie bibliotherapeutischen Projekten aufweist, an denen ich in den letzten Jahren mitwirken konnte:
www.wolkenfreunde.de
Ich werde darüber später an dieser Stelle noch ausführlicher berichten.

Buchkinder und junge Lyrix-Poeten

Weiterhin außerordentlich anregend für die Praxis ist auch das wachsende Netz der www.buchkinder.de mit ihren kreativen Werkstattarbeiten und Ideen, die Lust darauf machen, nach Wegen der Umsetzbarkeit in der Bibliothekspraxis zu suchen.
Und nicht weniger faszinierend war für mich eine Preisträger-Lesung mit Jugendlichen beim Deutschlandfunk, die sich bei Lyrix engagieren und bemerkenswerte Kostproben ihrer Lyrik vortrugen. Themenschwerpunkt 2015: Lyrik im Museum…
www.deutschlandfunk.de/lyrix

Innovation und Motivation durch Kinderliteratur

Daneben habe ich mich auf die Suche gemacht nach Innovation und Motivation durch Kinderliteratur und Leseförderung. Fündig wird man da natürlich bei den Nominierungen des Deutschen Jugendliteraturpreises (www.jugendliteratur.org), die besonders die Innovation in der Kinder- und Jugendliteratur in den Blick rücken. Stärker auf die Motivation von Kindern mit wenig Leseerfahrungen ausgerichtet, lädt die Titelauswahl des Leipziger Lesekompasses zu interessanten Entdeckungen ein.  Dort wurde in diesem Jahr bei den Bilderbüchern besonders auch auf solche Titel geachtet, die mit ganz wenigen Worten auskommen und sich so für Kinder mit verschiedenen Herkunftssprachen eignen. Was mich wieder an das Thema “Silent books” anknüpfen lässt…

Genaueres zum Leipziger Lesekompass ist zu finden bei www.stiftunglesen.de

A propos: Zu den mehrsprachigen Neuerscheinungen für jüngere Kinder zählt das neue Bilderbuch “Otto – die kleine Spinne” von Guido van Genechten in 10 Sprachen – darunter auch das viel gefragte Arabisch. Mehr dazu verrät der Verlag: www.talisa-verlag.de

Neu für mich zum Thema Lese- und Sprachförderung sind auch Verlag und Zeitschrift von www.bananenblau.de. Zu finden sind dort viele interessante Praxisanregungen für den kreativen und spielerischen Umgang mit Sprache, Bildern und spielerischer Erzähllust.

Erfüllt von diesen Eindrücken und erschöpft von dem großen Gedränge in manchen Hallen hatte ich am Ende des Messespaziergangs  auch diesmal wieder das Gefühl: Ich habe längst nicht alles gesehen, aber ich habe genug gesehen, entdeckt und in Gesprächen austauschen können, um ein ganzes Jahr lang für die Praxis aus diesen Anregungen zu schöpfen – mindestens…