Wolkentraum und Erzähllust – neue Herbstbilderbücher zum Lauschen, Singen, Staunen

Vorlesestunden sind immer auch Entdeckungsreisen: Mit den Kindern gemeinsam entdecke ich neue Bilderbücher und Geschichten, bin gespannt, wie Kinder auf Bilder und Geschichten reagieren, lasse mich überraschen von ihren Fragen, staune über ihre Gedanken. Zwei neue Bilderbücher habe ich auf diese Weise in der vergangenen Woche kennen- und lieben gelernt – und wieder mit einem kleinen Lied zur Ukulele umrahmt und verbunden:

Olivier Bleys: Höher als die Wolken, TintenTrinker Verl. 2015

9783981632385Großformatig und faszinierend zieht dieses Buch die Kinder in den Bann: Zwei Jahre hat der Illustrator in ungewöhnlichen Techniken an der magischen Bilderwelt gearbeitet. Die Geschichte dazu ist ebenso magisch, mit treffend und poetisch gesetzten Worten erzählt: Ein alter Mann lebt alleine auf einem Gipfel, zu dem sich nur wenige Reisende vorwagen. Vergraben in den Wolken, kennt er vor allem die Einsamkeit. Die wird nur selten unterbrochen von Besuchern, die sich manchmal dorthin verirren. Die einzigen Gäste, die täglich den Weg zu ihm finden, sind die Wolken in seltsamen Formationen. Er schaut ihnen durchs Fenster zu. Er kennt sich gut aus mit ihrem Verhalten. Er malt sie manchmal…und eines Tages erwacht der Traum in ihm, auf den Wolken laufen zu können. Weiterlesen

Gewitterwetter malt Geschichten an den Himmel

Foto: Susanne Brandt

Foto: Susanne Brandt

Was für Wolkenwesen tanzen da hinter den Tannenspitzen am Himmel entlang? Und was für ein graues Gebilde fliegt über ihre Köpfe hinweg? Zu solchen und ähnlichen Fragen lassen sich überall auf der Welt und mit Menschen in jedem Alter spannende Geschichten erzählen – so, wie es Anita Bänninger mit ihrem Kinderbuch vom “Onkel Leuchtkopf” und vielen dazu entwickelten Ideen und methodischen Anregungen für Unterricht und Leseförderung rund um das fantasievolle Fabulieren zu Wolkenbildern beschreibt und vermittelt: http://www.wolkenfreunde.de/onkel.html

Ich fühlte mich gestern jedenfalls beim Blick aus dem Fenster an ihre Wolkenland-Ideen erinnert, die ich im Frühjahr auf der Leipziger Buchmesse kennengelernt hatte. Und da die besondere Stimmung zwischen Sommerhitze und Gewitter weiter anhält, bin ich auch am heutigen Abend wieder auf interessante Himmelsbilder gespannt…

Wolkensucher und Weltentdecker – Bücher vom Staunen zwischen Himmel und Erde

Mit Büchern und Lesen wird die Welt nicht verändert – aber es kann dabei etwas mit unserer Vorstellungskraft geschehen, mit unserer Fähigkeit, sich das Leben anderer Menschen vorzustellen, sich vielleicht das Leben in dieser Welt anders vorzustellen. “Das ist keine schlechte Sache” sagt der Dichter Amos Oz in aller Bescheidenheit dazu. Und er hat in Interviews (ich konnte sein Gespräch auf dem Blauen Sofa live miterleben) wie in zahlreichen Medien noch einiges mehr gesagt, was für mich persönlich zu jenen Worten gehört, die mich bei der Leipziger Buchmesse 2015 am meisten berührt und angeregt haben.

51h9Mbs6RLL._AA160_Amos Oz – mit behutsamer Neugier für das Tragische und Glückliche im Leben

Die Bücher von Amos Oz schätze ich bereits seit Jahrzehnten. Was in Gesprächen mit ihm besonders spürbar wird, ist der feine Humor und die Bildkraft seiner Sprache, die tiefe Weisheit, die keine großen Gesten und Inszenierungen braucht, sondern sehr leise daher kommt: mit Zweifeln, Fragen, einer behutsamen Neugier für das Tragische und Glückliche im Leben der Menschen, das meistens ganz nah beieinander liegt.

Lesen und Schreiben ist Einfühlen und Mitgehen “in den Schuhen der anderen”

Auch bei mir hat die Messebegegnung mit Amos Oz eine solche Neugier neu beflügelt: Auf weitere Bücher von ihm bin ich gespannt, (z.B. “Judas”), auf weitere Interviews und Medienberichten über ihn (im Netz reichlich nachzulesen) – darüber hinaus aber vor allem auf die vielen kleinen, aber feinen Entdeckungen und Begegnungen, die durch die inspirierende Wirkung der Vorstellungskraft möglich werden.

So stehen die folgenden Impressionen meines diesjährigen Messespaziergangs alle unter der Frage, wie Bücher, Geschichten und Poesie die Lust an der Fantasie, am Entdecken, an der Offenheit und Bereitschaft zum Einfühlen und Mitgehen “in den Schuhen der anderen” anregen. Und ich habe dafür wunderbare Beispiele gefunden:

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Buch von Anita Bänninger zum Wolkenfreunde-Projekt

Wolkenbilder und Bilderfantasien – der Natur Geschichten entlocken

Einen Schwerpunkt bildete für mich dabei die Suche nach kreativen Schreib- und Erzählprojekten mit Kindern und Jugendlichen. Eine besondere Entdeckung war in Lepzig z.B. das Wolkengeschichten-Projekt der Anita Bänninger, das viele Berührungspunkte zu naturkundlichen wie bibliotherapeutischen Projekten aufweist, an denen ich in den letzten Jahren mitwirken konnte:
www.wolkenfreunde.de
Ich werde darüber später an dieser Stelle noch ausführlicher berichten. Weiterlesen

Waldworte des Tages: O bitte, beachten Sie doch diesen herrlichen Tag!

Sommerabend am Ostseebad / Foto: Susanne Brandt

“O bitte, beachten Sie doch diesen herrlichen Tag! Vergessen Sie nicht, wenn Sie noch so beschäftigt sind, wenn Sie auch nur in dringendem Tagewerk über den Hof eilen, vergessen Sie nicht, schnell den Kopf zu heben und einen Blick auf diese riesigen silbernen Wolken zu werfen und auf den stillen blauen Ozean, in dem sie schwimmen.”

 

Rosa Luxemburg (aus dem Gefängnis an Hans Diefenbach, 1917)

Wasser weltweit in Märchen: Federwölkchen

Logo zum Internationalen Weltgeschichtentag von Mats Rehnman mit freundlicher Genehmigung. Herzlichen Dank!

Als “Weltgeschichtentag” wird der 20. März und als “Weltwassertag” wird der 22. März weltweit begangen – Tage, die dazu einladen,  sich zu besinnen auf die Kunst des Erzählens wie auf die Kostbarkeit des Wassers. Und manchmal zeigt sich eine Verbundenheit von beidem: in Geschichten vom Wasser aus aller Welt – so auch in folgender Geschichte: Weiterlesen