Zum jungen Jahr: Winterspaziergang II

Neujahrsspaziergang, Hallig Hooge 2016,  Foto: Susanne Brandt

Neujahrsspaziergang, Hallig Hooge 2016, Foto: Susanne Brandt

Die Luft ist klar bei diesem Frost,
der Himmel hell und weit.
Wenn Gänse übers Wasser ziehn,
dann zieht in kurzer Zeit
das alte Jahr an mir vorbei.
Der Kopf lässt die Gedanken frei,
die borstigen und glatten,
die glänzenden und matten:

Der eine tanzt als Schmetterling,
unfassbar schön.

Ein andrer hockt mir im Genick.
und will nicht gehn.

Der dritte weiß noch nicht wohin.
Vielleicht wird er mir irgendwann
zur Seite stehn.

Das Meer, das Land – weit ausgespannt,
hier scheint noch vieles offen.
Der Sand knirscht unter meinem Schuh
und ein Gedanke singt dazu:
Warum nicht einfach fröhlich sein
und hoffen?

Susanne Brandt
2010/2016

„Wenn der Wind im Ofen singt“ und andere musikalische Einstimmungen auf die Herbst- und Winterzeit

Wenn es draußen regnet und stürmt, ist sie wieder da – diese Lust, sich (auch musikalisch!) schon mal ein bisschen auf den Herbst einzustimmen. Die graue und kältere Jahreszeit schöpft ihre leise Poesie (und Melancholie) aus der Sehnsucht nach Wärme, aus dem Erleben von Licht und Dunkelheit, aus der Intensität der sinnlichen Erfahrung mit Wasser und Wind, aus den Farben und Verwandlungen in der Natur…

durchdasjahr_u1_neuVon all dem erzählen Geschichten – und Lieder! Und da ich gerade die wunderbaren Möglichkeiten der Ukulele entdecke, die mich als federleichtes Gepäck unterwegs ebenso gut begleiten kann wie als handliches Instrument am Küchentisch und überall – auch in der kleinsten Ecke – wo es einfach gemütlich ist, habe ich heute damit begonnen, mir einen kleinen Vorrat an Liedern für die Herbst- und Winterzeit anzulegen. Denn es kann an manchen Tagen einfach gut tun, inwendig wie auswendig vertraut zu sein mit solchen Liedern – um sie auf stürmischen Wegen in den Wind zu singen oder um sich an ihnen zu wärmen, wenn es draußen kalt und dunkel ist. „Wenn der Wind im Ofen singt“ ist so ein Lied: Weiterlesen

Waldworte des Tages: Die Eiskristalle des Königs

Foto: Elke Riedel / www.elrie-art.de

Nun ist der Winter doch noch im Norden angekommen – pünktlich zu jenem Wochenende, an dem ich den Sonntagnachmittag damit verbringe, aus meinen Geschichtenvorräten passende „Schätzchen“ für die Vorlese- und Erzählstunden der nächsten Wochen  zusammenzustellen. Und weil ein Fundstück daraus – „Die Eiskristalle des Königs“ – so gut zum heutigen Winterwetter passt, soll es hier heute einem winterlichen Foto von Elke Riedel an die Seite gestellt werden. Weitere Einblicke in den Schatz der Naturfotografien der Kollegin und Co-Autorin aus Neubrandenburg sind hier zu bewundern: www.elrie-art.de.

Und hier nun die Geschichte: Weiterlesen

Waldworte des Tages: Mützenmaus

Heute gab es die letzte adventliche Vorlesestunde für mich in diesem Jahr. Rund 20 Kinder warteten gespannt darauf, dass sich die Kamishibai-Türen öffneten. Bevor dort jedoch Benno Bär mit seiner roten Pudelmütze zum Vorschein kam, wurde zum Einstieg eine kleine Mini-Geschichte aus einer echten Pudelmütze gezaubert – mit diesem kleinen Mitmach-Gedicht:

Mützenmaus

Schau, diese graue Mütze,
die lag in einer Pfütze.

Danach lag sie drei Tage lang
zum Trocknen auf der Ofenbank
und brummte leise vor sich hin:
„Gemütlich ist es in mir drin!
Ganz wollig, weich und warm“.

Nanu? Da schaut ein Arm
und noch was aus der Mütze raus:
Das ist bestimmt ´ne Mützenmaus!
Dick angezogen, wie man sieht,
weil es in Mützen manchmal zieht.

Hab keine Sorge, Mister Maus,
es ist ja warm in diesem Haus.

Geschichten gibt es heute
für viele nette Leute.
Und – hui – schon sitzt er hier im Schuh,
spitzt seine Ohren und hört zu!

Susanne Brandt

Im Advent: Kinderlied zum Barbaratag

Kinderlied zum Barbaratag

Ein alter Kirschbaum, dick verschneit,
der steht bei uns im Garten.
Drei Wochen noch bis Weihnachten –
wir freuen uns und warten.

Wir holen einen Zweig vom Baum,
ganz ohne Blatt und Blüten.
Der soll im warmen Zimmer stehn.
Wir werden ihn behüten.

An jedem Tag, da schauen wir
nach unserm Zweig im Zimmer.
Und irgendwann, ganz zart und klein,
zeigt sich ein heller Schimmer.

Ein kleines rosa Blütenblatt,
im Knospenhaus verborgen,
schaut vorsichtig ins Licht hinaus
und grüßt uns jeden Morgen.

Am Weihnachtsmorgen, unverhofft,
zeigt sich die ganze Fülle:
ein Frühlingsduft, ein Blätterkranz
blüht auf in aller Stille.

Text: Susanne Brandt

Zu singen auf die Melodie: Der Winter ist ein rechter Mann (Noten: http://www.labbe.de/liederbaum/index.asp?themaid=17&titelid=213)