Sonntagsmomente: Es kommt ein Schiff

BALI

Advent an der Alster / Foto: Susanne Brandt

Alster-Spaziergang an einem Adventssamstag in Hamburg: In der Innenstadt herrscht lautes Treiben. Hier am Wasser aber, hier wird es immer stiller, je weiter man sich von den Einkaufsstraßen entfernt. Bei einem Café am Ufer gibt es heiße Getränke. Wenige Leute sitzen am Bootssteg, wärmen sich die Hände am Glas und genießen die Wintersonne.

Da – die Stimmen verstummen. Was ist das? Was ist das für ein feines Klingen vom Wasser her? Langsam zieht ein Dampfer vorbei…. Weiterlesen

Sonntagsmomente: Schattentheater

BALI

Herbstsonne, Foto: Susanne Brandt

Noch einmal ein Fest,
denkt die Sonne,
noch einmal ein farbiges Spiel
mit Schattentheater der Blätter,
noch einmal verschenkt sie so viel,

wirft Wärme vom Himmel
und wechselndes Licht,
malt tanzende Schatten
ins fremde Gesicht,
weckt herbstliche Wehmut
und schwingt ihren Hut,
mischt Funken von Sehnsucht und Übermut
zur letzten Verbeugung des Sommers.

Er geht und zugleich ist ein Anfang gemacht:
Aus Ästen wird bald schon
ein Feuer entfacht.

Das wärmt in der Nacht.

 

Susanne Brandt, im September 2016

Zum jungen Jahr: Winterspaziergang II

Neujahrsspaziergang, Hallig Hooge 2016,  Foto: Susanne Brandt

Neujahrsspaziergang, Hallig Hooge 2016, Foto: Susanne Brandt

Die Luft ist klar bei diesem Frost,
der Himmel hell und weit.
Wenn Gänse übers Wasser ziehn,
dann zieht in kurzer Zeit
das alte Jahr an mir vorbei.
Der Kopf lässt die Gedanken frei,
die borstigen und glatten,
die glänzenden und matten:

Der eine tanzt als Schmetterling,
unfassbar schön.

Ein andrer hockt mir im Genick.
und will nicht gehn.

Der dritte weiß noch nicht wohin.
Vielleicht wird er mir irgendwann
zur Seite stehn.

Das Meer, das Land – weit ausgespannt,
hier scheint noch vieles offen.
Der Sand knirscht unter meinem Schuh
und ein Gedanke singt dazu:
Warum nicht einfach fröhlich sein
und hoffen?

Susanne Brandt
2010/2016

Sonntagsmomente: Winterliches Abendlied

Flensburger Altstadt, Foto: Susanne Brandt

Flensburger Altstadt, Foto: Susanne Brandt

In kalter Zeit ein Weilchen Wärme –
aus Glut entfacht:
Es wartet eine stille Stunde
am Tor zur Nacht.

Ein herber Duft von Zimt und Tannen
zieht durch den Raum.
Der Tag entweicht auf Zehenspitzen.
Man hört es kaum.

Er trägt das Laute, Ruhelose
nun sanft davon.
In seinen großen Manteltaschen,
da schläft es schon.

Ganz leise klingen andre Töne
im Zimmer nach:
ein Ofenlied, ein Windgeflüster
vom dunklen Dach.

Es kommt als Gast, das Weilchen Wärme –
und lässt sich Zeit.
Wir spüren seinen ruhigen Atem.
Es ist soweit.

Susanne Brandt, im Advent 2015

(…und wer es als Abendlied singen will, findet hier die Noten dazu: Winterliches Abendlied 2015)

„Wenn der Wind im Ofen singt“ und andere musikalische Einstimmungen auf die Herbst- und Winterzeit

Wenn es draußen regnet und stürmt, ist sie wieder da – diese Lust, sich (auch musikalisch!) schon mal ein bisschen auf den Herbst einzustimmen. Die graue und kältere Jahreszeit schöpft ihre leise Poesie (und Melancholie) aus der Sehnsucht nach Wärme, aus dem Erleben von Licht und Dunkelheit, aus der Intensität der sinnlichen Erfahrung mit Wasser und Wind, aus den Farben und Verwandlungen in der Natur…

durchdasjahr_u1_neuVon all dem erzählen Geschichten – und Lieder! Und da ich gerade die wunderbaren Möglichkeiten der Ukulele entdecke, die mich als federleichtes Gepäck unterwegs ebenso gut begleiten kann wie als handliches Instrument am Küchentisch und überall – auch in der kleinsten Ecke – wo es einfach gemütlich ist, habe ich heute damit begonnen, mir einen kleinen Vorrat an Liedern für die Herbst- und Winterzeit anzulegen. Denn es kann an manchen Tagen einfach gut tun, inwendig wie auswendig vertraut zu sein mit solchen Liedern – um sie auf stürmischen Wegen in den Wind zu singen oder um sich an ihnen zu wärmen, wenn es draußen kalt und dunkel ist. „Wenn der Wind im Ofen singt“ ist so ein Lied: Weiterlesen