Septembertage sind Nordseetage: Sylt im Spätsommer 2016

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Küste bei Rantum / Foto: Susanne Brandt

Septembertage sind für mich in jedem Jahr auch Nordseetage: Was 2014 als poetische Bilderreise auf Föhr zu entdecken war und 2015 mit herbstlichen Wegen an der Küste von Cuxhaven, begleitet von Ringelnatz-Gedichten, erkundet wurde, setzte sich nun 2016 mit einer spätsommerlichen Sylt-Wanderung am Roten Kliff und in der Braderuper Heide fort.

Ein Wandertipp:  Schleswig-Holstein zu Fuss_ Sylt von seiner schönsten Seite – shz.de.

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Blick von der Uwe-Düne bei Kampen / Foto: Susanne Brandt

 

 

 

 

 

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Wochenendlektüre-Tipp: Deutschland, ein Wandermärchen

733_17685_170889_1_xxlDie Idee der Autorin hat mir beim „ersten Anlesen“ sofort gefallen: Eine Frau, diplomierte Rezitatorin von Gedichten, begibt sich auf dem Fahrrad mit minimalem Gepäck und einem kleinen gelben „Gedichte-Koffer“ zwei Halbjahre lang auf eine Art „literarische Walz“ durch Deutschland. Für Kost und Logis hat sie eine besondere Handwerkskunst zu bieten: das Rezitieren von Gedichten. Fremde Menschen öffnen für sie ihre Stuben – und laden andere dazu ein, sich an den Gedichten zu freuen, die sie für ihr Programm ausgewählt hat. Darüber hat sie nun ein Buch geschrieben – ein Buch über Menschen, über Deutschland mit seinen wechselnden Landschaften und Stimmungen, über das Unterwegssein, über Gedichte – und über die großen Fragen des Lebens.

Was mir daran gefällt, ist zunächst mal der unaufgeregte Grundton, mit dem sie die Begegnungen und Eindrücke ihrer Reise beschreibt. Natürlich schreibt sie dabei auch über sich selbst – aber nicht so, dass die Erinnerungen zur Nabelschau mit Selbstverwirklichungsdrang geraten. Im Fokus bleibt immer das Gegenüber – das, was ihr begegnet, was sie unterwegs hört und beobachtet, was sie mit Menschen erlebt und in stillen Landschaften wahrnimmt. Und ganz besonders schön: Jedes Kapitel, jede Reiseetappe endet im Buch mit einem passend ausgewählten Gedicht, durch das sie Momentaufnahmen – treffender als durch Fotos – feinsinnig und verdichtet auszudrücken weiß. Weiterlesen

„Schwebende Zukunft“ – eine Ringelnatz-Wanderung an der Küste von Cuxhaven

Hus Kiek in de See

Hus Kiek in de See

Im „Hus Kiek in de See“ (http://www.hus-kiek-in-de-see.de/) kann man es sich gut gehen lassen – wie einst Joachim Ringelnatz: mit Blick auf See und Schiffe. So jedenfalls hat er es in seinen Erinnerungen „Als Mariner im Krieg“ (1928) beschrieben. Als kleines familiäres Hotel ist das Haus heute nicht nur jener Ort, an dem man von einigen Zimmern aus eben diesen Blick noch heute genießen kann – unmittelbar hinterm Deich und damit direkt an einem attraktiven Küstenweg gelegen, ist das Haus ein idealer Ausgangspunkt für eine ausgedehnte Wander- oder Fahrradtour, die durch wechselnde Naturräume immer am Meer entlang führt.

Und wer den literarischen „Geist“ des Hauses dabei nicht hinter den Mauern lassen möchte, kann sich von Ringelnatz-Gedichten durch diese Natur begleiten lassen.

Das Schwere lernen: narrenglücklich leben

Bei aller „Vergnüglichkeit“, die aus vielen seiner Texte spricht: Ringelnatz Leben war vor allem nach 1933 auch von bitterer Not begleitet. Als seine Bücher und Auftritte 1933 verboten wurden, verarmte er rasch, erkrankte an Tuberkolose, konnte sich aber eine ärztliche Behandlung nicht leisten.  Mit seinen  frechen Versen und anarchischen Kinderbüchern hatte er sich viele Feinde in deutsch-nationalen und völkischen Kreisen gemacht. Weiterlesen

Buch-Tipp: Bilder, die beim Wandern laufen lernen

Ein Reisebericht über eine 3000 km lange Wanderung? Oder das Porträt eines Fotografen? Oder die Entstehungsgeschichte einer Kino-Variante „en miniature“? Oder einfach „nur“ ein Buch über den Zauber menschlicher Begegnungen? In Volker Gerlings Tagebuch einer langen Wanderschaft durch Deutschland steckt von all dem ein bisschen: Deutschlands einziger professioneller Daumenkinograph bewegt sich auf der Schnittstelle zwischen Fotografie und Film. Und das wichtigste dabei: Er bewegt sich und er bewegt mit seinen beweglichen Fotobüchern. 2002 machte er sich mit Rucksack auf dem Rücken und einer kleinen Daumenkino-Ausstellung vor dem Bauch auf den Weg von Berlin nach Basel – zu Fuß und ohne Geld! Weiterlesen

Bauhaus & Bäume – Gedanken auf Reisen in Thüringen

Reisen heißt: Begegnung mit wechselnden Deutungen und Perspektiven für das Lebendige in uns und um uns herum. Denn wenn wir reisen, kann das Unbekannte Wege finden, um bei uns anzukommen.

Meister Eckhart Tür, Erfurt / Foto: Susanne Brandt

Zwei Tage auf Entdeckungsreise in Thüringen: Wenn man ohne genauen Plan und ohne Reiseführer unterwegs ist, stößt man zuweilen auf überraschende Pfade und Querverbindungen – inspiriert durch das, was sich aus dem Augenblick ergibt…

Oder um es gleich in der Poesie des Erfurter Mystikers Meister Eckhart zu beschreiben: „Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch immer der, der dir gerade gegenübersteht, und das wichtigste Werk ist immer die Liebe.“

Begegnet ist mir in Thüringen vor allem die Frage nach der Schöpfung – in der Natur wie in dem, was davon in Kunst, Kultur, vor allem aber in den Menschen selbst lebendig und spürbar ist…

Erfurt / Foto: Susanne Brandt

In Erfurt nahm dieses Spüren mit einer Wanderung auf dem malerischen Lutherweg entlang der Gera seinen Anfang, führte direkt in die Altstadt und dort zu den Wirkstätten von Meister Eckhart wie auch zu der interaktiven Theateraufführung  „Adam und Eva“ des Theaters Frau Seibt im Rahmen des Erfurter Theatersommers unter der Regie von Harald Richter.

Ich geriet also hinein in die Spannung zwischen zwei Deutungsweisen im Blick auf Schöpfung und Paradies, die als mittelalterliche Mystik auf der einen und spielerische Neuinszenierung auf der anderen Seite erst mal wenig Verbindendes vermuten ließen. Doch das änderte sich….

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