Wir wohnen Wort an Wort – Tanz erzählt Geschichten von Nähe und Distanz

Wir wohnen
Wort an Wort

Sag mir
dein liebstes
Freund

meines heißt
DU

Rose Ausländer

Tanz ist eine Sprache, die nicht die Erklärung durch andere Sprachen braucht, um verstanden zu werden. Aber Akzente der gesprochenen Sprache können mit dem Tanz als Sprache in einen Dialog treten. So geschehen bei dem kürzlich in der Flensburger Campelle vorgestellten Stück „Babel“, erarbeitet als interkulturelles Tanzprojekt mit jungen Menschen aus verschiedenen Ländern unter der Leitung der Flensburger Regisseurin und Choreografin Stela Korljan.

Das oben zitierte Gedicht von Rose Ausländer „Wir wohnen Wort an Wort“ gehört dabei zu den unterschiedlichen Kurztexten – einige davon in verschiedenen Sprachen gesprochen – , die in dem Stück von Begegnungen mit sich selbst, von der Frage nach Gott und von der Kommunikation zwischen Menschen erzählen. Solche Texte deuten den Tanz nicht, aber sie deuten hier und da vielleicht etwas an, was tänzerisch aufgenommen und mehrdeutig zur Entfaltung gebracht werden kann. Weiterlesen

Wurzeln, Flügel, Nachtgesänge – Impressionen vom Evangelischen Kirchentag in Berlin 2017

Ich erwarte keine Antworten. Manchmal finde ich welche. Manchmal nicht. Vielmehr erhoffe ich mir von jedem Kirchentag Fragen. Immer wieder. Wenn das irgendwann aufhören würde – dieses sich selbst Hinterfragen, Fragliches erleben, neue Fragen entdecken und alte Fragen neu wecken –  dann würde ich nicht mehr hinfahren.

Diesmal sind mir beim Erleben der Tage vor allem 3 Fragen besonders wichtig geworden. Und die folgenden Impressionen, Momente und Gedanken vermitteln vielleicht einen Eindruck davon, warum das so ist:

Die Lieder: Was geschieht beim Singen und Lauschen, dass Menschen auf so unterschiedliche Weise davon berührt werden? 

Liederwerkstatt zum Kirchentag

Das gemeinsame Singen und das Hören auf Texte und Musik – beides gehört für mich elementar zum Kirchentag. Wo sonst lassen sich über mehrere Tage mit so vielen verschiedenen Menschen so viele Erfahrungen mit Liedern und Gesang sammeln? Eine Überraschung: Staunend erlebe ich, dass ein Lied als eingängiger und fröhlicher „Großgruppen-Ohrwurm“ empfunden werden kann und gleichzeitig für einen einzelnen Menschen – ganz langsam und für sich allein gesungen – eine völlig andere Farbe annimmt. Manchmal, so denke ich, wäre es gut, mehr Zurückhaltung zu üben bei schnellen Einschätzungen und Urteilen zu Liedern. Erstmal abwarten und lauschen: Ich traue Liedern ihren eigenen Weg zu, der oft überhaupt nicht vorhersehbar und schon gar nicht „machbar“ scheint, der sich weniger als Erfolg messen, sondern vielmehr auf ganz unterschiedliche Weise als Resonanz wahrnehmen lässt. Weiterlesen

Bilderbuch-Tipp: Von der Vielfalt des Lebens am gleichen Fluss

arcari Verlag

Beide leben am Fluss: Hier der Riese, dort der Bär. Am Anfang scheinen sich ihre Lebenskreise nicht zu berühren. Sie fangen Fische, um sich zu ernähren. Sie wissen um Gefahren. Sie ruhen sich aus und sie genießen das Leben. Sie suchen Schutz – und irgendwann auch Gemeinschaft. Mit ganz wenigen Worten zu ausdrucksstarken Farbradierungen von Susanne Smajic lernen die Betrachtenden erst die Lebensgewohnheiten des einen, dann des anderen kennen. Da gibt es durchaus Unterschiede, im Kern aber viele Gemeinsamkeiten: Der Riese wie der Bär haben gelernt, mit den gleichen elementaren Bedürfnissen wie Nahrung, Ruhe und Erholung, Schutz und Geborgenheit zu leben – sie haben jedoch unterschiedliche Gewohnheiten und Begabungen ausgebildet, um diese Bedürfnisse zu befriedigen.  Weiterlesen

Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni: „Wir stehen zusammen…mit einer reichen Sprachenvielfalt!“

Einen Monat nach dem Welttag der kulturellen Vielfalt im Mai steht nun am Montag, dem 20. Juni, der Weltflüchtlingstag im Kalender – in diesem Jahr unter dem Motto: „Wir stehen zusammen“.

Kurdisch2

aus: Nazif Telek „Die Stärke der Löwin“, eines von wenigen deutsch-kurdischen Kinderbüchern

Um die Sprachen der Flüchtlinge ging es gestern auch bei einem  Workshoptag in Berlin, der von Goethe-Institut und den DBV-Kommissionen dank einer großzügigen Spende der Japan Art Association durchgeführt werden konnte.

Auch wenn bei der gut besuchten Veranstaltung in erster Linie die arabischen Übersetzungen von deutschen Kinderbüchern und deren praktische Vermittlung im Mittelpunkt standen, wurde mir persönlich durch den Austausch und die Erfahrungen des Tages deutlich, dass wir unseren Blick noch besser schulen und schärfen können für Sprachen, die in einigen Regionen der Welt benachteiligt oder als Minderheitensprachen angesehen werden – und für das, was gerade diese Sprachen für die Identität und Freiheit von Menschen bedeuten, wie z.B. Kurdisch. Denn hinter Sprachen wie Arabisch, die vielerorts von verschiedenen Initiativen gut mit entsprechenden Medien unterstützt und erschlossen werden,  geraten andere Sprachen und mit ihnen vielleicht auch die Anliegen der Menschen, für die diese Sprachen wichtig sind, leicht in den Hintergrund.  Weiterlesen

„Sie liebte den Wind und die Weite…“ – Mit Geschichten auf Reisen

Zwei Tage war ich mit allerlei Büchern, Geschichten und Krimskrams im Gepäck auf Reisen nach Rendsburg und nach Husum. Immer mit dabei: die Maus im Korb! 12 Jahre alt ist das kleine Büchlein von der „Luftschaukel“ inzwischen  – aber wenn es an einem Tag um „Geschichten zum Anfassen“ geht und am anderen Tag um die „vielfältigen Seiten des Lebens“, dann gehört die Geschichte von der Maus und ihren Freunden, die beim Erzählen nach und nach aus dem Korb gezaubert werden und neugierig entdecken, dass es anderswo ganz anders sein kann, einfach mit dazu:

„…Sie liebte den Wind und die Weite / Sie liebte das weite Land / Sie hatte den Kopf voller Träume / und auch eine Menge Verstand…“

Der Schwerpunkt des ersten Tags unter dem Motto „Geschichten zum Anfassen“ lag zunächst bei den spielerischen und inspirierenden Möglichkeiten im Umgang mit Figuren, Krimskrams und vielerlei Bilderbüchern. Was alles zum Einsatz kommen kann, wenn Geschichten und Gedichte nicht „nur“ vorgelesen, sondern auf unterschiedliche Weise vor den Augen der Kinder lebendig werden, lässt sich an zahlreichen Beispielen auch in diesem Blog unter „Geschichten zum Anfassen“ nachlesen:

http://waldworte.eu/category/geschichten-zum-anfassen/

Am zweiten Tag ging es schließlich beim Fachtag der Evangelischen Kindertagesstätten im Kirchenkreis Nordfriesland um die Frage, wie sich im Sinne einer vorurteilsbewussten und inklusiven Erziehung Vielfalt gemeinsam gestalten lässt.  Rund 320 Teilnehmende aus nordfriesischen Kindertagesstätten tauschten sich dazu im Nordsee-Congress-Centrum bei Vorträgen und Workshops zum Thema aus. Dabei kam auch die Bedeutung von Geschichten und Bilderbüchern an verschiedenen Stellen zur Sprache: Weiterlesen