Wir wohnen Wort an Wort – Tanz erzählt Geschichten von Nähe und Distanz

Wir wohnen
Wort an Wort

Sag mir
dein liebstes
Freund

meines heißt
DU

Rose Ausländer

Tanz ist eine Sprache, die nicht die Erklärung durch andere Sprachen braucht, um verstanden zu werden. Aber Akzente der gesprochenen Sprache können mit dem Tanz als Sprache in einen Dialog treten. So geschehen bei dem kürzlich in der Flensburger Campelle vorgestellten Stück „Babel“, erarbeitet als interkulturelles Tanzprojekt mit jungen Menschen aus verschiedenen Ländern unter der Leitung der Flensburger Regisseurin und Choreografin Stela Korljan.

Das oben zitierte Gedicht von Rose Ausländer „Wir wohnen Wort an Wort“ gehört dabei zu den unterschiedlichen Kurztexten – einige davon in verschiedenen Sprachen gesprochen – , die in dem Stück von Begegnungen mit sich selbst, von der Frage nach Gott und von der Kommunikation zwischen Menschen erzählen. Solche Texte deuten den Tanz nicht, aber sie deuten hier und da vielleicht etwas an, was tänzerisch aufgenommen und mehrdeutig zur Entfaltung gebracht werden kann. Weiterlesen

Medien-Tipp zum Weltkindertag: Die fabelhaften Welten von Oliver & Frieda

Kinder in ihren Bücherwelten / aus: Birgitta Sif: Oliver

Kinder haben Rechte – z.B. das Recht auf den heutigen Tag. Oder das Recht, so zu sein, wie sie sind – wie Oliver und Frieda zum Beispiel. Oliver und Frieda sind in einem besonderen Sinne „Bilderbuchkinder“: Sie sind die Hauptfiguren in den Bilderbüchern der isländischen Autorin Birgitta Sif. Und die hat einen feinen Sinn für jene Kinder, die eben nicht genau in vorgefertigte Bilder passen oder den gängigen Erwartungen entsprechen. Wie und warum sie für ihre Bücher genau hinschaut, entdeckt und schließlich beschreibt, was Kinder wirklich bewegt oder bedrückt, was sie hemmt oder beflügelt, erzählt Birgitta Sif selbst in diesem kleinen Video: https://www.youtube.com/watch?v=zHM1newwS98 Weiterlesen

Waldworte des Tages: Spaziertanz am Meer

Am Strand von Aarö / Foto: Susanne Brandt

Das Dichten hab ich beim Gehen gelernt
mit offenen Sinnen:
 
Hier sehe ich dies, dort höre ich das,
dazwischen bleibt Luft zum Spinnen
am zarten Faden aus Bild und Klang.
 
Zuerst sind die Wortfasern viel zu lang.
 
Dann aber
schleicht sich ein Rhythmus ein
mit jedem Schritt.
 
Und wenn sich der Faden zur Saite spannt,
ein Lied anstimmt,
tanze ich mit.
 
Susanne Brandt

Buch-Tipp: „Die verkrustete Erde atmet auf“. Die Magie von Tanz und Poesie in „Fräulein Esthers letzter Vorstellung“

Foto: Brandt, aus: „Fräulein Esthers letzte Vorstellung“

Auf den ersten Blick wirkt das neue Janusz Korczak-Buch „Fräulein Esthers letzte Vorstellung“ aus dem Gimpel  Verlag dunkel und rätselhaft. Erdige Töne, wenig Licht, aber dann: „…dann kommt Lutek mit seiner Geige und dieser Melodie…Plötzlich ist alles da…Fuß und Bein, Hand und Arm, Kopf und Brust…Sie tanzen ihren Tanz. Frei. Schwebend. Ohne mich. Ich schließe die Augen und sehe ihn…Seinen Adlerkopf, die roten Schwingen…Tief unter ihm – man erkennt sie kaum – unser Haus, die Mauer. Er fliegt weg. Weit, weit weg, ohne sich umzuschauen. Unter seinen Federn, ich sehe ihre Köpfe – Tola, Felunia, die anderen…“

Foto: Brandt, aus: „Fräulein Esthers letzte Vorstellung“

Beim genauen Hinsehen – oder besser: beim Eintauchen in die verborgene Leuchtkraft dieses Buches scheint das Dunkel der Erde aufzubrechen. „Die verkrustete Erde atmet auf“, stellt Janusz Korczak beim Gießen der Blumen auf der Fensterbank fest.

Foto: Brandt, aus „Fräulein Esthers letzte Vorstellung“

Es sind elementare Berührungen mit der Natur, es sind die immer wieder einander zugesprochenen Geschichten und es sind die Bewegungen, die durch die Magie des Tanzes in einem spürbar werden und die von der so außergewöhnlichen Poesie dieses Buches herrühren. Weiterlesen