Sonntagsmomente: Regenbogensommer

Regenbogen1Nur für Sekunden
nicht festzuhalten
gleich wird es regnen
es dunkelt schon

da malt das Licht
ein flüchtiges Zeichen
spielt mit dem Wasser
erzählt davon

wie so ein Schönwerden
einfach geschieht
aus der Berührung
unfassbar klein
dennoch
der Weite des Himmels traut

nicht wie ein Tropfen
auf heißem Stein

 

Susanne Brandt

„Endlich wieder zelten“ macht Lust auf Sommer!

ZeltenDieses Buch macht an sonnigen Tagen wie diesen so richtig Lust auf das Leben in der Natur: Es erzählt mit Liebe und Humor von den Tücken und Herausforderungen die sich beim Zelten für Familien ergeben können – ob es um den Aufbau der mobilen Behausung geht, um Nachbarn oder Mückenplagen. Sohn Tim kann so leicht nichts schrecken. Für ihn ist der sommerliche Zelturlaub am Meer das Allergrößte, weil da keine Langeweile aufkommt, ungeahnte Freiheiten genossen und neue Freunde gefunden werden können. Ein witziger und warmherziger Bilderbuchspaß zum gemeinsamen Schauen, Erzählen und Kichern für Jung und Alt.

 

Waldworte des Tages: Der Abend ist mein Buch

Juliabend / Foto: Susanne Brandt

Der Abend ist mein Buch. Ihm prangen
die Deckel purpurn in Damast;
ich löse seine goldnen Spangen
mit kühlen Händen, ohne Hast.

Und lese seine erste Seite,
beglückt durch den vertrauten Ton, –
und lese leiser seine zweite,
und seine dritte träum ich schon.

Rainer Maria Rilke, 1897

Waldworte des Tages: O bitte, beachten Sie doch diesen herrlichen Tag!

Sommerabend am Ostseebad / Foto: Susanne Brandt

„O bitte, beachten Sie doch diesen herrlichen Tag! Vergessen Sie nicht, wenn Sie noch so beschäftigt sind, wenn Sie auch nur in dringendem Tagewerk über den Hof eilen, vergessen Sie nicht, schnell den Kopf zu heben und einen Blick auf diese riesigen silbernen Wolken zu werfen und auf den stillen blauen Ozean, in dem sie schwimmen.“

 

Rosa Luxemburg (aus dem Gefängnis an Hans Diefenbach, 1917)

Eine neue Kamishibai-Vorlesegeschichte zu „Hörst du die Muscheln tuscheln“

„Hörst du die Muscheln tuscheln“? 

Eine Vorlese-Geschichte zum Lauschen, Schauen und Mitmachen zum gleichnamigen Kamishibai-Bildkartensatz

[Einleitung  – noch vor dem ersten Bild bei geschlossenem Kamishibai]

„Mir ist langweilig“, mault Tim. Er sitzt am Strand und bohrt mit dem Finger Löcher in den Sand. Ferien mit Papa am Meer, das hatte er sich spannender vorgestellt. Am ersten Tag waren sie zusammen am Hafen gewesen, um sich die Schiffe anzuschauen. Gestern hatte er viele Stunden im Wasser verbracht. Heute aber ist es bewölkt, ein bisschen zu kalt zum Baden – und Tim weiß nicht, was er machen soll. Papa liegt auf einer Luftmatratze und liest. Jetzt schaut er vom Buch auf, zieht die Stirn kraus und überlegt:

„Hmm, kennst du das Märchen von der alten Frau aus Afrika, die auch Langeweile hatte?“ Und ohne die Antwort von Tim abzuwarten, fängt er an zu erzählen:

„Es war einmal eine alte Frau, die langweilte sich. Die jungen Frauen und Männer des Dorfes waren den ganzen Tag mit ihrer Arbeit beschäftigt. Sie aber war alt und schwach und wusste nicht, was sie tun sollte. Da ist sie in das Meer zum Delphin gegangen. Vielleicht, so dachte sie, vielleicht weiß mir der Delphin eine Geschichte zu erzählen. Leider kannte der Delphin auch keine Geschichten. Aber er hat die Alte zu dem Meerkönig gebracht. Der hat ihr eine Muschel geschenkt. Da war die Frau sehr glücklich, denn die Muschel konnte ihr so viele Geschichten erzählen, wie sie wollte. Von diesem Tag an hat sie all die Muschelgeschichten ihren Kindern und Freunden erzählt. Die haben die Geschichten dann immer weiter erzählt. Und so sind all die Geschichten durch die Welt gereist – und am Ende sind sie auch bei uns angekommen“

Tim schüttelt energisch den Kopf:  „So’n Quatsch! Muscheln sind doch stumm. Die können gar nicht erzählen“.

„Aber du kannst erzählen“, meint Papa.

„Erzählen – was denn?“ will Tim wissen, „Hier ist ja nichts los.“

„Ich glaube, das war bei der alten Frau auch so“. Papa hockt jetzt neben Tim und schaut sich am Strand um. „Vielleicht ist sie deshalb auf die Idee gekommen,  sich die Muschel vom Meerkönig mal ganz genau anzuschauen. Das können wir ja auch mal versuchen. Die hier zum Beispiel“, er deutet auf zwei Muscheln, „diese beiden Muscheln sehen doch aus wie zwei Ohren“.

[An dieser  Stelle wird das Kamishibai aufgeklappt und das erste Bild wird sichtbar]

Bild1: Sieh da, zwei Ohren lauschen…

Tim betrachtet skeptisch, was Papa da gerade entdeckt hat.

„Okay – das stimmt!“ Prüfend tastet er mit den Fingern seine eigenen Ohren ab, schaut sich die Muscheln noch einmal an und nickt: „Ohren vom Meeresgrund. Wenn die tatsächlich hören könnten…?“

„…dann ist das vielleicht schon der Anfang einer Geschichte“, stellt  Papa zufrieden fest. „Nehmen wir also mal an, dass es was zu hören gibt. Und wenn wir weiter suchen, erfahren wir vielleicht auch, was das ist. Ich höre zum Beispiel gerade das Rauschen des Waldes.“

Bild 2: Von sonderbaren Farben…

„Wie das denn?“ wundert sich Tim.

„Na, schau dir doch mal diese grüne Muschel hier an. Die ist so grün, als hätte sie lange im Moos und Blättern gelegen. Vielleicht war dort, wo jetzt das Meer fließt, mal ein riesiger Wald mit so hohen Bäumen.“

Papa richtet sich jetzt aus der Hocke auf und reckt die Arme nach oben, um anzudeuten, wie das mit den Bäumen hier vielleicht mal ausgesehen hat. „Die wiegten sich im Wind – immer hin und her….“

„Nee“, meint Tim. „Für die Farben der Muscheln gibt es bestimmt eine andere Erklärung. Wenn die Geschichte weiter gehen soll, dann muss jetzt was passieren“, findet er und fängt an, aus den Muscheln im Sand ein Bild zu legen. Das passt genau zu der Idee, die ihm gerade in den Sinn kommt: „Da verliebt sich zum Beispiel ein großer wilder Waldräuber in eine Prinzessin“.

Bild 3: Von zweien die sich lieben…

„Aber ein Zaun rund um das Schloss trennt die beiden voneinander“, setzt Papa die Geschichte fort. „Deshalb schreiben sie einander Briefe. Die falten sie so klein zusammen, dass sie die Briefe heimlich durch ein kleines Loch im Zaun schieben können.“

Schon weiß Tim, wie die Sache weitergeht. Er sucht nach anderen Muscheln, um damit ein neues Bild im Sand entstehen zu lassen.

Bild 4: Von aufgedrehten Tanten…

„Es gibt in dem Schloss ein paar aufgedrehte Tanten, die kriegen so einen Brief in die Finger.“

Papa  lacht:  „Na, da ist was los! Erst gibt es viel Theater um dieses seltsame Pärchen, aber dann setzten sich die Frauen zusammen. Und am Schluss sehen sie ein, dass man gegen Liebe sowieso nichts machen kann.“

„Also dürfen die beiden endlich zusammen kommen“, beschließt Tim. „Und irgendwann bekommen sie ein Kind.“

Bild 5: Von Nestern, wo die Kleinen…

Papa ist einverstanden und macht eine wiegende Armbewegung, als wolle er das Kind in den Schlaf schaukeln. Tim baut das, was er da sieht, gleich mit Muscheln nach. Er schaut sich um: „Da“, ruft er und deutet auf eine Muschel mit einem großen Loch, die gleich daneben im Sand liegt. „Die sieht ja aus wie ein Auge“.

Bild 6: Von Bildern, die entstehen…

Papa nickt. „Das passt doch“, meint er. „Auf so ein kleines Kind muss man behutsam Acht geben. Da ist es gut, wenn jemand in der Nähe ist, der es freundlich anschaut. Und die Kinderaugen – die sehen auch ganz viel. Hier gibt es eben für die Großen und die Kleinen eine Menge zu entdecken!“

„Aber wo denn genau?“, will Tim jetzt wissen. Wir haben ganz vergessen zu erzählen, wo die Familie überhaupt wohnen soll.“

Bild 7: Von langen Zauberschnüren…

„Das ist noch nicht entschieden“, findet Papa. „Erst mal reisen sie gemeinsam durch die Welt“. Er fängt an, aus Muscheln einen langen Weg zu legen.

„Und unterwegs finden sie vielleicht etwas ganz Überraschendes, einen Schatz oder so“, stellt Tim sich vor. Jetzt probiert auch er mit seinen Händen etwas aus: Er formt eine geschlossene Muschel, die sich langsam öffnet, als wäre darin ein kostbares Geheimnis verborgen. Papa geht ein paar Schritte auf die Wasserkante zu und kommt tatsächlich mit einer Kostbarkeit zurück.

Bild 8:  Von Schätzen, tief im Innern…

„Da!“ Er hält Tim den Schatz unter die Nase. Der ist zufrieden mit dem, was Papa gefunden hat.

„Nun also alle glücklich und reich“, stellt Tim fest.

Papa nickt. „Ja, vielleicht. Wenn unsere Geschichte ein gutes Ende nehmen soll, dann sollten wir hier Schluss machen“.

„Lass sie zum Schluss aber noch ein Fest feiern“, findet Tim. „Mit ganz vielen Gästen!“

Er rennt los, um alles Nötige dafür am Strand zu sammeln.

Bild 9: Von wunderbaren Sachen…

„Musik brauchen wir dann auch noch“, ruft Papa ihm hinterher. Tim bleibt stehen. Für einen  Moment ist er ganz still und lauscht: „Hörst du die Muscheln tuscheln? Da kann bestimmt noch Musik draus werden…Ich hab da schon eine Idee!“

(hier kann sich das folgende Lied anschließen)

 

Lied: Wer tuschelt da? (zur Melodie: „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“)

 Kehrvers (zwischen den Bildern/Strophen zu wiederholen):
„Wer tuschelt da?
Was ist denn das?
Die Muscheln, die erzählen was! Fidiralala….“
 
Mit der gleichen Melodie  schließen sich zu den einzelnen Bildern folgende Strophen an:
 
1. Vom sanften Wellenrauschen –
 sieh da: zwei Ohren lauschen / Fidiralala…
 
 2. Von sonderbaren Farben,
die manche an sich haben / Fidiralala…
 
3. Von zweien, die sich lieben –
sind sie auch ganz verschieden / Fidiralala…
 
 4. Von aufgedrehten Tanten
und anderen Verwandten / Fidiralala…
 
 5. Von Nestern, wo die Kleinen
 gut liegen, wenn sie weinen / Fidiralala…
 
6. Von Bildern, die entstehen,
was kann dies Auge sehen?/Fideralala
 
 7. Von langen Zauberschnüren –
wer ahnt, wohin die führen? / Fidiralala…
 
 8. Von Schätzen tief im Innern –
schau her, wie schön die schimmern! / Fidiralala…
 
9. Von wunderbaren Sachen,
die wir zusammen machen. / Fidiralala…

Copyright: Susanne Brandt

Bildkartensatz und Begleitmaterialien dazu erhältlich:
Verlag: Glas & Wort; Auflage: Kamishibai-Bildkartenset (2013)
ISBN-13: 978-3938500118  / Größe : 42 x 30 x 3 cm