Sonntagsmomente: Die drei Prinzen von Serendip oder Vom Glück der unerwarteten Augenblicke

Immer wieder passiert es mir, dass ich eine Geschichte eher zufällig finde – zu einer Zeit, da ich gar nicht gezielt danach gesucht habe. So lassen sich auch Geschichten von den glücklichen Fügungen des Zufalls durch glückliche Fügungen zufällig entdecken: z.B. das Märchen von den drei Prinzen von Serendip.

…manchmal fliegen einem die Gedanken und Geschichten unverhofft zu… / Foto: Susanne Brandt

Wer sich schon mal mit dem Begriff Serendipity oder Serendipity-Prinzip beschäftigt hat, weiß vielleicht, wie dieses Wort mit dem Titel des Märchens zusammenhängt. Hier wird erzählt, wie Dinge und Beobachtungen unerwartet zu Erkenntnissen und zufällig wirkenden Verbindungen führen können, die sich am Ende als außerordentlich bedeutsam erweisen. Vermutlich hat das jede und jeder selbst schon mal in irgendeiner Form erlebt – diese zunächst beiläufig anmutende Wahrnehmung oder Begegnung, die sich mit einem guten Maß an Offenheit, Achtsamkeit und Geistesgegenwart ganz unverhofft als etwas Besonderes, Beglückendes, vielleicht sogar als eine wichtige Wendung herausstellt.

Gesucht habe ich das Prinzen-Märchen schon vor längerer Zeit – damals ohne Erfolg bzw. ohne Ausdauer – für meine Sammlung an persischen Märchen, die ich gern als gemeinsame Lektüre mit Menschen aus dem persischen Sprachraum nutze. Überraschend gefunden habe ich die Spur zum Märchen jetzt bei einer Recherche zu „Narrativen der Nachhaltigkeit“ – als Beispiel für eine Geschichte über den Wert einer genauen Wahrnehmung als Basis für nachhaltiges Denken und Handeln. Und so kann ich das Märchen nun auf diesem Wege in einer nacherzählten Kurzfassung weitergeben:

Die drei Prinzen von Serendip

Einst lebte in Serendip ein mächtiger König mit seinen drei Söhnen. Weiterlesen

Märzsonne oder Von der Poesie des Zufalls

März

Nun kriecht aus seinem Schneckenhaus
das wintermüde Leben:
ein Glockenklang,
ein Federflaum –
aus Schwere wird
ein Schweben.

Susanne Brandt, am 25.3.2016

 

Es kann passieren, dass bei der Gartenarbeit unverhofft kleine poetische Miniaturen ihren Anfang nehmen – verdichtete Momente, die einen sozusagen anwehen,  während man gerade dabei ist, im Gartenbeet etwas aufzuräumen.

Nun bin ich eigentlich keine besonders eifrige Gartenbeetaufräumerin. Der Garten gehört für mich zur Natur und soll sich möglichst natürlich entwickeln und verändern dürfen. Von den Resten an vertrockneten Blättern und Stauden lasse ich über Winter immer reichlich liegen, damit Kleintiere dort etwas Schutz vor der Kälte finden können. Wenn dann aber im Frühjahr die ebenfalls eher zufällig in die Erde geratenen Zwiebelblumen ans Licht wollen – und das werden zu meiner Freude in jedem Jahr mehr! – helfe ich ihnen ein bisschen dabei, schneide das vertrocknete Busch- und Blumengestrüpp aus dem Vorjahr herunter, harke altes Laub zusammen und entdecke manchmal kleine Überraschungen – wie heute an diesem sonnigen Märztag dieses von der Natur so arrangierte Ensemble aus Schneckenhaus, Flaumfeder und Osterglocke.

Schöner Zufall – könnte man sagen. Ich mag Zufälle – oder besser gesagt: Ich vertraue der Gabe, immer wieder unverhofft etwas Besonderes und Bedeutsames zu entdecken, was von mir weder „eingefädelt“ noch gesucht worden ist. Ich glaube, dass die Welt sehr reich ist an solchen nicht vorhersehbaren Zeichen und Momenten – wir aber vielleicht nicht immer offen, neugierig, mutig oder feinsinnig genug, um sie wahrzunehmen. Weiterlesen