Sonntagsmomente: Wenn Sinne nicht verschlossen sind…

Franziskus TitelDie Legende aus dem Jahr 1223 von der Krippenfeier draußen in der Natur, bei der Franziskus ganz elementar und sinnlich – mit Feuer und Wasser, unter dem freien Himmel und auf der belebten Erde – das Geheimnis einer lebendigen Liebe erfahren konnte, hat ihren ganz eigenen Zauber. Nicht, weil sie den Elementen magische Wirkungen andichtet, sondern weil an ihr die Symbolkraft elementarer Zeichen deutlich wird. Und eben dazu braucht es die sinnliche, unmittelbare Begegnung mit Wärme und Licht, mit Gesang und Gemeinschaft. Es braucht die Offenheit der Sinne, um sich davon anrühren zu lassen, um das „Liebeslied vom Leben“ mit in den Alltag zu nehmen und weiterklingen zu lassen – staunend, was sich dadurch vielleicht verändern kann…

Ich musste in dieser Adventszeit immer mal wieder an diese Geschichte denken, habe sie für eine Bilderbuchfassung neu aufgeschrieben und kann sie jetzt auch mit dem Kamishibai-Erzähltheater neu nacherzählen – morgen zum Beispiel, am 21.12. um 18.00 Uhr beim „Lebendigen Advent“, natürlich draußen bei uns im Garten.

Bei den Illustrationen, die Eva-Maria Maywald und Diana Kohne dazu erschaffen haben, fällt vor allem die Strahlkraft des Feuers auf, das inmitten der erdigen Naturfarben warm und leuchtend die Atmosphäre einiger Bilder in besonderer Weise prägt. Und am Ende tragen die Menschen etwas von diesem Licht mit in ihre Häuser… Weiterlesen

„Verfeinere unsere Seelen, damit das Auge unterscheiden kann“ – Impressionen und Gedanken zu den Geflüchteten und Helfenden in Flensburg, Teil 2

Wahrnehmen und in Worte fassen / Foto: Lothar Veit

Wahrnehmen und in Worte fassen / Foto: Lothar Veit

Vor zwei Wochen haben ich hier im Blog zum ersten Mal über meine Eindrücke und Erfahrungen in der Begegnung mit Geflüchteten und Helfenden in Flensburg wie unterwegs auf Reisen geschrieben. Damals war nicht absehbar, wie sich das dauerhafte Engagement der freiwillig Engagierten am Bahnhof wie an verschiedenen Orten der Stadt weiter entwickeln würde.

BFF_1508_HeaderOrange2-300x111-300x111Inzwischen habe ich viele Stunden in der Kleiderkammer aushelfen können und dabei auch heute wieder gemerkt, wie hier in der Stadt die Hilfe von ganz unterschiedlichen Menschen für ganz unterschiedliche Menschen Tag um Tag erstaunlich effektiv ineinandergreift: So ergab sich z.B. heute auf dem Weg zum Bahnhof, als ich noch ein paar Fladenbrote für die Essensausgabe besorgen wollte, ein interessantes Gespräch am Bäckertresen, Weiterlesen

Das besondere Bilderbuch: Die Wörter fliegen

Wörter fliegenEs gibt bereits eine ganze Reihe von Bilderbüchern zum Thema Demenz. Dies ist ein ganz Besonderes. Es begleitet die Geschichte und innige Beziehung zwischen Enkel und Großmutter über etwa 20 Jahre: Zuerst ist es die Großmutter, die der zweijährigen Pia die Welt der Wörter erschließt. Tisch, Fenster, Wind, Fliege, Schmetterling – so bekommen die Dinge der Umwelt ihre Namen, werden im gemeinsamen Erleben wahrgenommen und benannt, bieten Inspiration, die Sprache mehr und mehr zu verfeinern. Aber nach etwa 20 Jahren Lebensgeschichte mit Erinnerungen an Früher und gemeinsamer Freude am Heute ändert sich etwas. Der Großmutter gelingt es nicht mehr, die Wörter in gewohnter Weise mit der Umwelt zu verbinden. „Die Wörter fliegen mir davon“, fürchtet sie. Aber einige bleiben auch: „Ich hab dich lieb“ zum Beispiel. Enkelin Pia – inzwischen eine junge Frau – bleibt weiterhin ihre Vertraute. Am Ende nimmt sie die Großmutter in den Arm: „Mach dir keine Sorgen, Oma. Deine Wörter sind alle zu mir geflogen!“ Weiterlesen

Kinderbuch-Tipp: Vom Glück, auch mal wütend sein zu dürfen

Tellegen_24677_Umschlag_DruckNEU.inddKindergeschichten und Bilderbücher über Gefühle gibt es reichlich. Die meisten kommen sehr absichtsvoll und „pädagogisch korrekt“ daher. Diese Geschichten sind ganz anders: nicht nur poetischer und origineller in der Sprache, sondern vor allem irritierend, unberechenbar, mit überraschenden Wendungen und Endungen – so, wie es jeder und jede mit den eigenen Gefühlen eben auch erleben kann. Wut ist nicht gleich Wut und das Gegenteil von Wut ist wieder etwas anderes… Genau diese Auseinandersetzung mit dem Undurchschaubaren bietet wunderbare Denk- und Gesprächsanlässe. Ich habe eine kleine Kostprobe daraus einer Gruppe mit 4-5jährigen Kindern vorgelesen („Der Igel“) und am Ende nur die vier dunklen Nachtwald-Seiten auf die Kinder wirken lassen. Auch wenn das Buch eigentlich erst ab 6 Jahre empfohlen wird – in Auswahl und mit Offenheit für mögliche Anschlussgespräche können auch jüngere Kinder Zugänge zu einzelnen Geschichten finden. Weiterlesen

Mit Geschichten aus 17 Ländern im Gepäck unterwegs – Reisenotizen zum internationalen Kinderbuchtag

Begegnen, austauschen, anregen, weiterentwickeln….Engagement und Ideen brauchen einen weiten Horizont und den Blick über sich selbst hinaus. Das gilt auch für alles, was mit Kinderliteratur geschieht und durch Sprache, Bilder und Fantasie mit und bei Kindern lebendig wird. Der Internationale Kinderbuchtag, der in jedem Jahr am 2. April begangen wird, erinnert daran: Es gibt im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur vieles, was zur Verständigung zwischen Ländern, Sprachen und Kulturen beitragen kann – wenn wir uns immer wieder auf den Weg machen,  um uns über Grenzen hinweg offen und staunend zu begegnen und bereit sind, Erfahrungen miteinander zu teilen und Neues voneinander zu lernen.

Für mich persönlich gehört der Internationale Kinderbuchtag zu den bedeutendsten Buch-Aktionstagen, weil ich die entscheidenden Impulse in meiner Arbeit als Bibliothekarin, Autorin, Herausgeberin und Komponistin vor allem den Reisen in verschiedene Länder der Welt zu verdanken habe. Und weil ich in der Beschäftigung mit Kinderliteratur so vielfältige Erfahrungen mit Menschen aus anderen Ländern sammeln durfte. Weiterlesen