„Der Fluss“: ein besonderes Buch – so bewegt und bewegend wie das Leben

c M. Roher, Verlag Jungbrunnen

c M. Roher, Verlag Jungbrunnen

„Wo fängst du an? Vielleicht, denke ich, vielleicht im Himmel“ – so beginnt ein kleines feines Bilderbuch für Menschen ab 5 Jahre, das es mit wenigen Worten und vielschichtigen Bildern schafft, die großen Fragen des Lebens zu berühren und das eigene Nachdenken darüber „in Fluss“ zu bringen. „Und wo endest du? Im Himmel vielleicht…und endest doch nie!“, heißt es auf der letzten Seite. Auch für das Buch selbst gilt: Das Nachdenken hört nicht auf, wenn man es zuklappt. Da wirkt etwas weiter… Als durchgängiges Element zieht sich ein Fluss in wechselvoller Weise von Seite zu Seite. Dass er als Bild für das Leben zu deuten ist, muss nicht erklärt werden. Das vermittelt sich nach und nach auf die eine oder andere Weise. Mit der Bewegung des Wassers ergibt sich Überraschendes, Beglückendes, aber auch Trauriges. Der Illustrationsstil ist grafisch, spielt mit Kollagen, Abstraktionen wie mit Details. Darin zum Ausdruck kommen Facetten des  Lebens in seiner ganzen Vielfalt und Gegensätzlichkeit. Immer mit auf Reisen: Weiterlesen

Träumen, Begehren und Luftsprünge – eine Geschichte vom Losfliegen…

U_5901_1A_EIN_GARTEN_FUER_DEN_WAL.Q9_Umschlag WalTräumen, Luftsprünge wagen und die funkelnden Sterne am Himmel bestaunen – das alles kann der Wal im Ozean ganz wunderbar machen. Nur mit Besuch ist es manchmal schwierig. Es fehlt eine Bank auf seinem Rücken. Besser noch wäre ein ganzer Garten! Gedacht, getan: Grashüpfer, der die Tiere zu Land wie zu Wasser mit allem Nötigen versorgt, schafft alles herbei, was auf dem großen Walrücken Platz findet. Und bald kommen auch die ersten Gäste. Nur mit den Luftsprüngen wird es mit einem Garten auf dem Rücken jetzt schwierig. Die Sterne sehen – dazu müsste er sich umdrehen können und überhaupt: Auch die Träume verdunkeln sich, weil der Schlaf nun häufig gestört ist…Als dann irgendwann die Gäste seltener werden, gibt es kein Halten mehr: Weiterlesen

„Wir schlagen unseren Faden in ein Netz der Beziehungen“ oder: Freiheit in der Verbundenheit als Chance

Fäden im Netz der Beziehungen / Foto: Susanne Brandt

Fäden im Netz der Beziehungen / Foto: Susanne Brandt

Mehr als einmal habe ich mich diese Tage über die aktuellen Berichterstattungen und Kommentierungen der Medien geärgert, wenn es um die Frage ging, wie das Zusammenleben mit Geflohenen bei uns im Land weiter zu gestalten sei. Beliebt ist z.B., bei nötigen Entscheidungen und Weichenstellungen in der sogenannten „Flüchtlingsfrage“ von Herz und Verstand zu schreiben, und zwar so, als ginge es hier um alternative berechenbare „Werte“, bei denen ein Mehr des einen ein Weniger des anderen bewirken könne – als wäre „mehr Herz“ ein Indiz  für „weniger Verstand“ und folglich ließe sich mit „weniger Herz“ der Verstand vermehren!?

In eine ähnliche Richtung zielt das zweite beliebte Bild in der gegenwärtigen Presselandschaft: Da wird gern davon gesprochen, dass die „Willkommens-Party“ nun vorbei ginge und der ungemütliche Herbst im gemeinsamen Alltag Einzug hielte. Auch hier sind es vor allem die vermeintlichen Emotionen, die einer „vernünftigen“ Flüchtlingspolitik offenbar den Blick verstellt haben – so zumindest der Unterton vieler Berichte und Kommentare.

„Kultur der Menschenrechte“ Weiterlesen

Im Advent: Das große Ja – ein philosophischer Gedankenspaziergang

Mit Gedanken spazieren gehen – genau dazu laden die festlichen Adventstage zwischen den Alltagen der Woche drinnen wie draußen ein. Dass mir dabei nochmal Etty Hillesum mit ihren starken Bildern und einem zarten Duft von Jasmin an der Seite von Viktor E. Frankl begegnet, freut mich persönlich ganz besonders! Der Philosoph und Theologe Christoph Quarch hat sie an mehreren Stellen seines neu erschienenen Buches „Das große Ja“ erwähnt und zu Wort kommen lassen als eine Frau, deren Worte „eine Seele zeigen, in der eine leidenschaftliche Liebe zum Leben mit einem klaren Geist verwoben ist.“ (S.33). Und mehr noch gefällt mir an diesem Buch: Weiterlesen

Kinderbuch-Tipp: Konstantin im Wörterwald

Die mixtvision-Reihe „Dramatiker erzählen für Kinder“ verspricht keine ganz leichte Kost: Graue Pappe und zarte Coverzeichnungen sind nicht auf Blickfang aus und Prosa von Dramatikern, zumal für Kinder, klingt nach literarischem Experiment. Ein bisschen liest es sich auch so. Martin Heckmanns z.B. experimentiert mit Philosophie. Mag sein, dass davon ein bisschen zu viel in dieses Kinderbuch geraten ist. Manche Passagen muten sprachlich und inhaltlich etwas zu bedeutungsschwer an und sind so von Symbolik durchsetzt, dass das Kindliche des Protagonisten stellenweise in den Hintergrund tritt. Zugleich aber ist das Buch so reich an überraschenden Bildern, erstaunlichen Sprachspielereien und klangvollen Momenten, dass man dem Autor das Zuviel an Tiefsinn zugesteht.  Denn angesichts der großen Masse austauschbarer Kindergeschichten, die den Alltag flach wie eine Briefmarke beschreiben – von oben betracht klar berechenbar  und von unten so festgeklebt, dass ungewöhnliche Bewegungen der Gedanken kaum möglich scheinen – rühren Geschichten, die wie diese „in der Schwebe“ bleiben und von  Phantasien erzählen,  eine große Sehnsucht an. Weiterlesen