Medien-Tipp: Die Sternennacht

Liao: Die Sternennacht

Bereits vor einigen Jahren ist von Jimmy Liao die „Ballade von der großen Liebe“ in deutscher Übersetzung aus dem Chinesischen erschienen. Jetzt gibt es eine weitere Bildergeschichte von großen Gefühlen mit der magischen Handschrift des taiwanischen Künstlers. Zu wenigen Worten erzählen auf 70 Seiten vor allem die Bildtafeln mit realen, fantastischen und symbolischen Elementen eine Geschichte vom Erwachsenwerden. Im Mittelpunkt stehen zwei Kinder, die sich in ihren Alltagswelten einsam fühlen und vorsichtig zueinander finden.

aus: Liao: Die Sternennacht

Etwa in der Mitte des Buches brechen sie aus der Stadt aus und tauchen ein in die Wildnis einer Landschaft, in der sich Erinnerungen mit Träumen mischen. Der Sternenhimmel wird hier wie auch an anderen Stellen des Buches zum Leitmotiv für die Hoffnung auf das, was über allem leuchtet. Dabei arbeitet der Künstler bewusst mit Bildzitaten von van Gogh und anderen Künstlern. Ein Buch, das beschreibend und reflektierend kindlichen Gefühlen nachspürt, vor allem aber eine hoffnungsvolle Botschaft in eine Bildkunst von hoher Intensität legt: Weiterlesen

Vom Lächeln der Dinge. Eine Erinnerung an Erwin Moser

Ill. Erwin Moser, aus: Das Haus auf dem fliegenden Felsen, Beltz Verlag

Er hat das Lächeln in den Steinen entdeckt. Oder er wusste davon zu erzählen, warum die Scheune – mit so manchen Spuren und Verletzungen eines langen Lebens – dennoch so freundlich in die Welt schaute. Nein: gerade deshalb! Die Philosophie seiner fantasievollen Bilderwelten und literarischen Miniaturen steckt voller Ermutigungen – ohne die mühsamen Seiten des Lebens zu beschönigen. Am 12. Oktober ist der österreichische Kinderbuchautor Erwin Moser nach langer Krankheit im Alter von 63 Jahren gestorben.

Eines seiner Bücher, das ich besonders liebe, stammt aus dem Jahr 1981: „Das Haus auf dem fliegenden Felsen“. Es enthält 40 Bilder und kleine Geschichten zum Betrachten und Weitererzählen. Weiterlesen

Sonntagsmomente: Verwurzelung – ein Essay

Sprache lebt von Bildern. Genauer gesagt: Ihre Lebendigkeit offenbart sich durch verschiedene Blickwinkel und Hintergründe beim Denken und Deuten von Worten. Mit einem dieser Worte ist mir das kürzlich mal wieder neu bewusst geworden: Verwurzelung. Wer dabei zunächst an Stillstand und Sicherheit denkt, wird schnell merken: Verwurzelung hat eher mit Beweglichkeit und Beziehungen zu tun. Und auch mit Gefährdung. Das Wort begegnete mir in den letzten Wochen gleich drei mal auf unterschiedliche Weise. Ein guter Grund, um genauer hinzuschauen.

Verwurzelung als Bedürfnis der menschlichen Seele (Simone Weil)   

Zunächst im Urlaub beim Besuch einer Ausstellung der Friedensbibliothek in einem Text von Simone Weil – dort war zu lesen (was heute nicht ganz leicht zu verstehen ist ohne den Kontext jener Zeit, in der Simone Weil von der „Verwurzelung“ quasi als ihr Vermächtnis schrieb):

Zitat Simone Weil / Ausstellung Friedensbibliothek

„Die Verwurzelung ist wohl das wichtigste und am meisten verkannte Bedürfnis der menschlichen Seele. Es zählt zu denen, die sich nur sehr schwer definieren lassen. Der Mensch hat eine Wurzel durch seinen wirklichen, aktiven und natürlichen Anteil am Dasein eines Gemeinwesens, in dem gewisse Schätze der Vergangenheit und gewisse Vorahnungen der Zukunft am Leben erhalten werden (…) Der Austausch von Einflüssen zwischen sehr verschiedenen Lebensräumen ist nicht weniger unentbehrlich als die Verwurzelung in der natürlichen Umgebung. Aber ein bestimmter Lebensraum darf einen äußeren Einfluss nicht als Beitrag empfangen, sondern als einen Antrieb zur intensiveren Gestaltung seines eigenen Lebens.“

Auszug aus: Simone Weil: »Die Verwurzelung. Vorspiel zu einer Erklärung der Pflichten dem Menschen gegenüber.« Aus dem Französischen von ­Marianne Schneider, © diaphanes, Zürich 2011 (erstmals 1949 posthum)

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Buchtipp des Tages: Was macht man mit einer Idee?

aus: Was macht man mit einer Idee?

Eigentlich könnte diese „Ideengeschichte“ im Regal bei der Philosophie für Kinder stehen. Aber es wäre jammerschade, wenn sie dort zu selten gesucht und gefunden wird. Denn das Geniale an diesem Bilderbuch ist ja gerade, dass man zu seiner Geschichte und zu seinen Bildern so wunderbar philosophieren kann, ohne dafür wissen zu müssen, was Philosophie eigentlich ist. Man schlägt das Buch einfach auf, lernt ein aufgewecktes Kind kennen und kann sich mit ihm auf den Weg machen. Denn Ideen lassen sich gern bewegen. Und Menschen mit Ideen verharren nicht an einem Standpunkt, sondern gehen auf Wanderschaft, lassen sich inspirieren und beflügeln von der Welt um sie herum – so wie dieses Kind. Also eher Rucksack als Regal, wenn es darum geht, wo das Buch mit seinen Bildern und Worten am besten seine Wirkung entfalten kann. Weiterlesen

Medien-Tipp: Hundert Fragen an Dornröschen

„Die Welt wurde niemals zerstört, verwüstet und verheert von denen die fragten, sondern von jenen, die glaubten, die Antworten zu kennen“. Dieses (hochaktuelle!) Zitat von R. D. Precht gehört zu den vielen spannenden Bezügen und Impulsen, die Christian Peitz in seinem neuen Buch „Hundert Fragen an Dornröschen“ mit eigenen Überlegungen zu verbinden weiß. Schritt für Schritt bewegt er sich dabei durch das Märchen vom Dornröschen und zeigt auf, wie sich die darin wohnenden Bilder und Symbole mit Kindern bedenken und ins Gespräch bringen lassen. Und vor allem: Wie unsere Fragen, wie die fragende Annäherung an eine Geschichte dazu beitragen, die Welt, die Mitmenschen und sich selbst in friedfertiger Weise zu betrachten und dem Sinn darin auf der Spur zu bleiben. Weiterlesen