Novemberausklang: In kalter Zeit ein Weilchen Wärme

In kalter Zeit ein Weilchen Wärme –
aus Glut entfacht.
Es wartet eine stille Stunde
am Tor zur Nacht.

Ein herber Duft von Zimt und Tannen
zieht durch den Raum.
Der Tag entweicht auf Zehenspitzen.
Man hört es kaum.

Er trägt das Laute, Ruhelose
nun sanft davon.
In seinen großen Manteltaschen,
da schläft es schon.

Ganz leise klingen andre Töne
im Zimmer nach:
ein Ofenlied, ein Windgeflüster
vom dunklen Dach.

Es kommt als Gast, das Weilchen Wärme –
und lässt sich Zeit.
Wir spüren seinen ruhigen Atem.
Es ist soweit.

Susanne Brandt

Waldworte des Tages: Nordseehimmel

Nordseehimmel

Hier spielt nicht das große Theater.
Es reicht für ein Tänzchen
der Schatten und Farben
schon wenig Licht,
das mutig und glühend
durch winterlich träge Wolken bricht
 
für einen Moment.
 
Was bleibt, ist ein Funke
vom himmlischen Feuer,
der brennt.
 
 
Susanne Brandt,  Amrum, 18.11.2012
 

Waldworte des Tages: Winterrose

Winterrose
 
Der Frost hat alle Farben
längst verblassen lassen.
Sie aber
packt verschwenderisch ihr Purpur aus,
öffnet bei Schneegestöber noch ihr Knospenhaus.
Und blüht.

 

Die Kälte ist den Bäumen
bis ins Mark gekrochen.
Sie aber
lockt von innen zarte Kraft hervor,
stimmt nicht mit ein in den Es-geht-zu-Ende-Chor.
Und glüht.

 

Das Dunkel greift beharrlich
nach den Tagesstunden.
Sie aber
wirft der Welt ihr helles Lachen zu,
entzündet kleine Funken für ein Rendezvous.
Und sprüht.

 

Susanne Brandt