Zum neuen Jahr: NACHdenken über VORsätze

„Wesentlich ist und bleibt die Durchlässigkeit für die Eindrücke von außen und – nicht zuletzt – die Offenheit für den Klang der inneren Stimme“ (aus: Ulrich Grober: Der leise Atem der Zukunft, oekom 2016)

BALI

An der Flensburger Förde / Foto: S. Brandt

Ehrlich: Die sogenannten „guten Vorsätze“, die regelmäßig zum Jahresbeginn reichlich verkündet und ausgetauscht werden, machen mich ebenso regelmäßig nachdenklich. Warum kann ich persönlich mit „guten Vorsätzen“ so wenig anfangen? Sicher nicht, weil ich meine, es sollte alles so bleiben wie es ist – mich selbst eingeschlossen – und wäre an keiner Stelle „zum Guten/Besseren wandelbar“.

Vielleicht liegt es am Wort: „Vorsatz“ drückt für mich eine große Distanz zu meinem Inneren aus. Das, was ich mir vornehme, scheint sich (noch) außerhalb von mir zu befinden, in der Zukunft, noch nicht erreicht und somit auch noch nicht inwendig spürbar. Gesteckte Ziele sind eine Art „Sehnsucht auf Distanz“, vielleicht mit starken Wünschen oder Ehrgeiz verbunden, aber eben mit Abstand zu mir selbst bereits aus dem Prozess der Bewegung und Verwandlung herausgelöst: gesetzt, gesteckt, markiert, fokussiert. An Großherzigkeit denke ich bei Ehrgeiz nicht. Weiterlesen

Sonntagsmomente: Und eines Tages…

Advent, Weihnachten, Neujahr, Dreikönige…die Feiertage liegen hinter uns und ich habe den stürmischen Nachmittag zuhause dazu genutzt, meinen Schreibtisch aufzuräumen. Ein großer Stapel an Briefen und Karten hatte sich da die letzten Wochen angesammelt – viele sehr berührende und persönliche Grüße von nah und fern. Jedes Teil habe ich mir heute nochmal in aller Ruhe vorgenommen,  diesem oder jenem einen Platz in meinem Zimmer gegeben. Die drei weisen Männer auf Wanderschaft zum Beispiel, die stehen jetzt leuchtend rot gleich neben meinem Arbeitsplatz.

Und eines Tages (von Kindern der Grundschule Völlen)

Sie werden dort wohl ein ganzes Jahr lang bleiben – und zugleich in meinen Gedanken hin und her spazieren. Mit einem dicken Brief von den Kindern der Grundschule Völlen in Ostfriesland fanden sie den Weg hierher – Zeichen einer Verbundenheit, die sich in der Zeit von 2000 bis 2010 durch gemeinsame Buchprojekte entwickelt hatte und bis heute auf die eine oder andere Weise weiterlebt. Das kreative Drucken von eigenen Texten und ganzen Büchern mit beweglichen Lettern gehörte dazu…und gehört weiterhin zur ästhetischen und sozialen Bildungsarbeit dieser außergewöhlichen Schule. Daran lasse ich mich gern immer wieder erinnern.

Wichtig ist mir die Karte als Impuls in meinem täglichen Blickfeld auch deshalb, weil sie zugleich Ruhe und Unterwegssein zum Ausdruck bringt: Die Drei scheinen es nicht eilig zu haben. Auch wird hier offenbar Zukünftiges und Gegenwärtiges gleichermaßen mit eingeschlossen in die ruhige Gewissheit: „Und eines Tages sind sie am Ziel“. Weiterlesen