Sonntagsmomente: Ins Blaue träumen

Foro: Susanne Brandt

In stillen Stunden
schaue ich gerne
den Blättern zu:
Ein leichter Windhauch –
schon wippen sie
an den Zweigen,
verspielt und verbunden
zu einem verwegenen Reigen,

auf dass ein paar Tänzer
sich lösen
und einfach ins Blaue träumen,
wie Federn fallen
ins laubweiche Gras
unter müden Bäumen,

als rollten sie dort,
Blatt für Blatt,
einen leuchtenden Teppich aus.

Der Sommer nimmt Abschied.
Und morgen wandert mit wehenden Schleiern
der Nebel ums Haus.

Susanne Brandt

Buchtipp des Tages: Die blaue Bank

Albert Asensio / àbac-Verlag ISBN: 978-84-947040-0-0

Warum auch dieses Buch für mich ein „Rucksack“-Buch ist? Weil es ein Buch ist, das man mit hinaus in die Welt nehmen möchte, das man am liebsten draußen in der Natur durchblättert, die Blicke dabei immer wieder schweifen lässt, um mit der geweckten Aufmerksamkeit die Dinge und Menschen um sich herum zu betrachten. Weil es ein Buch ist, dass zum Schauen, Lauschen und Spüren einlädt, zum Wahrnehmen, Verlieben, zur stillen Freude an der Vielfalt von ganz unterschiedlichen Begegnungen.

Denn um Begegnungen geht es bei dem, was um die „blaue Bank“ herum geschieht, in vielen Variationen: zwischen Alt und Jung, zwischen Groß und Klein, zwischen Frau und Frau, zwischen Frau und Mann, zwischen Damals und Heute, zwischen Abschied und Neuanfang…

Kleine Nebenbemerkung: Nur ganz selten wird in einem Bilderbuch so selbstverständlich wie hier von der Liebe zwischen zwei Frauen als eine von vielen Möglichkeiten der Begegnung erzählt, ohne dass das als eine gewollte Botschaft irgendwie besonders betont wird. Es geschieht einfach – so natürlich, wie so vieles im Leben mit Ruhe und Aufmerksamkeit füreinander einfach geschehen kann. Weiterlesen

Viele, viele Steine – Steinbilder legen und besingen

Steine lassen sich fast überall finden. Am Schönsten glitzern sie am Meer. Es gibt Bilderbücher, die passen prima dazu, z.B. „Tanzen können auch die Steine“. Und es gibt eine einfache Melodie, mit der sich die Bilder, die draußen oder drinnen mit Steinen entstehen können, besingen lassen. Alles, was man dafür braucht, passt in einen Rucksack – oder kann spontan in der Natur gesammelt werden: https://www.mein-kamishibai.de/viele-viele-steine

Rosentage

Ich mag den leisen Widerstand der wilden Rosen,
dass sie so unbeirrt im Alltag so viel Schönheit zeigen
und sich mit Anmut und Respekt zum Staub der Straße neigen,
sich einfach Raum erobern mitten in der Stadt,
nicht danach fragen, welchen Zweck das alles hat.

Ich mag den unverhofften Duft am frühen Morgen:
Nur für Sekunden, leicht und flüchtig im Vorübergehen,
kann mich ein Rosenwind lebendig wie ein Tanz umwehen
und all das Schwere wird verwandelt von dem Duft.
Nur für Sekunden liegt ein Wunder in der Luft.

Ich mag das Sommerkleid der Gärten und der Mauern:
Die weichen Blüten lehnen sanft am Rand der Regentonne,
die jungen Knospen haben Sehnsucht nach der Morgensonne.
Und ich genieße das – der Weg vor mir ist weit.
An solchen Rosentagen lasse ich mir Zeit

Susanne Brandt, im Juni 2017

…und zum Singen: Lied Rosentage

 

Der Glückstopf. Eine Geschichte vom Warten, Wachsen und Wundern

Für frühsommerliche Kamishibai- und Leseförderseminare: eine Geschichte vom Warten, Wachsen und Wundern…

Garten im Juni, Foto: S. Brandt

„…Und als die Sonnenstrahlen schon die ersten Zeichen des Sommers in den Garten schickten, setzte sich die Frau vor die Tür auf eine Bank und schlief ein. Sie erwachte von einem süßen Duft, der ihr wie ein Wind um die Nase wehte: Da war sie von unzähligen Blumen umgeben, die ihren Garten in ein Blütenmeer verwandelt hatten. Die Würmer wühlten sich durch die Erde, um jeden Tag Neues daraus hervor wachsen zu lassen. Und über den Blumen tanzten Schmetterlinge, dass es eine Freude war, ihnen zuzusehen…“

Die ganze Textvorlage nach Motiven eines Volksmärchens zum freien Erzählen und Entfalten: Der Glückstopf

Eine komplette Nacherzählung mit methodisch ausgearbeiteten Ideen für die Kita-Praxis ist veröffentlicht in: Praxismappe „Dies und das…für Kinder ab 5 Jahren“, Kiga-Fachverlag, Bingen 2017