Das große Tischtuch. Eine persische Weisheitsgeschichte

fladenbrotWeit draußen in der Steppe gibt es ein Dorf, da kommen die Menschen gut miteinander aus. Sie arbeiten zusammen. Und sie sitzen auch in der Pause beieinander und stärken sich. Jeder Arbeiter hat dafür ein kleines Tuch dabei. Brot und Käse für eine Tag sind in das Tuch gewickelt. In der Pause breitet jeder vor sich sein Tuch aus und isst von seinem Brot und seinem Käse.

Eines Tages kommt ein Krieger vorbei. Er sieht die Arbeiter dort sitzen und essen, wie sie es gewohnt sind. Dem Krieger aber gefällt das nicht.  Er schimpft: „Was sitzt ihr da und esst wie die Katzen, jeder für sich? Ich will euch sagen, wie Menschen essen müssen: Sie sitzen alle zusammen und essen als Gemeinschaft um ein großes Tuch herum.“ Einer der Arbeiter antwortet: „Wir haben unsere Gründe für diese Sitte. Und wir wollen auch weiterhin so miteinander essen. Darum bitte ich  dich: Lass uns in Frieden so weiter essen und dränge uns nicht, es anders zu tun.“ Weiterlesen

Etty Hillesum und der Weg zur inneren Stille – ein Buch-Tipp

Pot_Innere_Stille_72dpiDie Zahl an deutschsprachigen Büchern zu Etty Hillesum ist immer noch vergleichsweise überschaubar – vielleicht auch deshalb, weil erst ein kleiner Ausschnitt ihres Tagebuches als deutsche Übersetzung erhältlich ist. Das ändert sich hoffentlich noch…

Für das Buch „Innere Stille finden“, in dem die Niederländerin Miek Pot ihren kontemplativen Weg beschreibt, hat die Autorin selbst ausgewählte Passagen aus dem niederländischen Original ins Deutsche übersetzt, um in ihrem Nachdenken über Stille und Kontemplation immer wieder Bezug zu nehmen auf das Denken von Etty Hillesum. Ein weiterer lesenswerter Beitrag zur (Neu-)entdeckung ihrer facettenreichen Aufzeichnungen.

Zum Buch: http://www.scorpio-verlag.de/Buecher/176/Innere-Stille-finden.html

Bedrängt und unendlich geborgen – Neuerscheinungen zu Etty Hillesum

Die komplette Übersetzung der Tagebücher von Etty Hillesum ins Deutsche lässt noch auf sich warten – aber immerhin sind rund um ihren 100. Geburtstag neben zahlreichen Beiträgen in Rundfunk und Presse ganz aktuell drei neue Bücher auf dem deutschsprachigen Markt erschienen: Weiterlesen

Bauhaus & Bäume – Gedanken auf Reisen in Thüringen

Reisen heißt: Begegnung mit wechselnden Deutungen und Perspektiven für das Lebendige in uns und um uns herum. Denn wenn wir reisen, kann das Unbekannte Wege finden, um bei uns anzukommen.

Meister Eckhart Tür, Erfurt / Foto: Susanne Brandt

Zwei Tage auf Entdeckungsreise in Thüringen: Wenn man ohne genauen Plan und ohne Reiseführer unterwegs ist, stößt man zuweilen auf überraschende Pfade und Querverbindungen – inspiriert durch das, was sich aus dem Augenblick ergibt…

Oder um es gleich in der Poesie des Erfurter Mystikers Meister Eckhart zu beschreiben: „Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch immer der, der dir gerade gegenübersteht, und das wichtigste Werk ist immer die Liebe.“

Begegnet ist mir in Thüringen vor allem die Frage nach der Schöpfung – in der Natur wie in dem, was davon in Kunst, Kultur, vor allem aber in den Menschen selbst lebendig und spürbar ist…

Erfurt / Foto: Susanne Brandt

In Erfurt nahm dieses Spüren mit einer Wanderung auf dem malerischen Lutherweg entlang der Gera seinen Anfang, führte direkt in die Altstadt und dort zu den Wirkstätten von Meister Eckhart wie auch zu der interaktiven Theateraufführung  „Adam und Eva“ des Theaters Frau Seibt im Rahmen des Erfurter Theatersommers unter der Regie von Harald Richter.

Ich geriet also hinein in die Spannung zwischen zwei Deutungsweisen im Blick auf Schöpfung und Paradies, die als mittelalterliche Mystik auf der einen und spielerische Neuinszenierung auf der anderen Seite erst mal wenig Verbindendes vermuten ließen. Doch das änderte sich….

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