Sonntagsmomente: Den Sprung in die Welt wagen

Was fasziniert uns an der sprudelnden Kraft von Quellen? Das Unerschöpfliche? Die Klarheit, Spontanität und Frische? Die Suche und Sehnsucht nach Ursprung und Tiefe?

Quelle an der Flensburger Förde / Foto: Susanne Brandt

Quelle an der Flensburger Förde / Foto: Susanne Brandt

Ur-Sprung – in dem Wort scheint etwas ganz Altes, Vertrautes zu ruhen und gleichzeitig etwas ganz Neues hervorzubrechen. Und das, was da “springt”, scheint unendlich, überraschend, lebendig, spielerisch, unvorhersehbar  in dem, was mit jedem Augenblick aus dem starren Stein ans Licht und in Bewegung kommt.

Ich weiß nicht, ob Etty Hillesum bei ihrem Tagebucheintrag vom “Sprung in die Welt” auch ein solches Bild von einer Quelle vor Augen hatte. Weiterlesen

Waldworte des Tages: Herze, wag’s auch du

Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
“Er kam, er kam ja immer noch”,
Die Bäume nicken sich’s zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuss auf Schuss;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muss.

Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt: “Es ist erst März
Und März ist noch nicht Mai.”

O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du.

Theodor Fontane

Gedanken zur Holzskulptur aus einem alten Ulmenstamm von Antje Scherdin (geb. 1968) im Skulpturenpark am Ostseebad:

“Wind ließ ihn zuerst nach Osten wachsen,
später richtete er sich auf, eine Astknolle nach West gerichtet.

Die Figur steckte schon in seinen Jahresringen
– ein sich aus ihm heraus stemmender, mit ihm dennoch weiterverwachsener Mensch.

Den Kopf vor Anstrengung nach unten gerichtet, die Arme wie zum
Absprung angespannt, die Ellbogen himmelwärts weisend.
Im Rücken die schon vorher gewachsene Wirbelsäule aufgegriffen.

Das Neue trägt noch das Alte in sich, so wie das Alte dem neuen Raum läßt”

(Quelle: http://www.rotelaterne.rsftg.de/artists/astoeck/frameset1.htm)