Sonntagsmomente: …wie kostbar Libellen sind

Foto: Elke Riedel, aus: Was macht das Licht den ganzen Tag?

Was wäre, wenn das Blatt jetzt bricht?
Die Schöne weiß: Das tut es nicht.
Sie traut den zarten Gewächsen.

Ihr glänzender Körper
schwingt und schwebt,
wenn sich das Schilfgras
neigt oder hebt:

Wippe im Wind

Behutsam und sanft geht es zu dabei.
Die Blätter spüren,
wie kostbar Libellen sind.

Susanne Brandt

aus:

Susanne Brandt / Elke Riedel: Was macht das Licht den ganzen Tag? Die Entdeckung der Welt in sieben Fragen, ISBN 978-3-938500-08-8

Infos: http://www.alliteratus.com/pdf/wiss_nw_licht.pdf

 

Alltagsentdeckungen: Dem Wunder die Hand hinhalten

Neben den “Sonntagsmomenten”, die in diesem Blog in einer eigenen Kategorie zu finden sind, sollen hier ab und zu auch “Alltagsentdeckungen” Raum finden – jene oft nur kleinen, aber manchmal lange nachklingenden Begegnungen und Begebenheiten “am Rande” oder mittendrin im Getriebe der Arbeitswoche. Wie z.B. das unverhoffte gemeinsame Nachdenken über Poesie, wie ich es vor ein paar Tagen erleben konnte:

Foto und Rechte: Elke Riedel, www.elrie-art.de

Gemeinsam über Poesie nachdenken – eigentlich sollte es darum an diesem Nachmittag gar nicht gehen. Wohl aber um Sprache. Ja, das ist jede Woche etwas, was uns verbindet, was uns inzwischen mehr verbindet als trennt, auch wenn wir uns in verschiedenen Sprachen zuhause fühlen: er als Afghane im Persischen und ich im Deutschen. Eigentlich geht es jedes Mal um das Vertrautwerden mit der deutschen Sprache. Aber über das Deutschlernen nach Lektionen sind wir längst hinaus. Inzwischen geht es immer öfter um Feinheiten, um das, was unsere Sprachen auch emotional auszudrücken vermögen, was im Klang von Namen mitschwingt oder wie Eltern ihren Kindern die Welt erklären. Wie sich Distanz oder Nähe durch Sprache ausdrücken lässt oder mit welchen Wendungen Bilder beschrieben werden, ohne die vermutlich keine Sprache auskommt. Weiterlesen

Rosentage

Aus der Fülle geschöpft

So eine Kraft:
der Widerstand der Rosen,
wenn sie mit Dornen ihre Schönheit zeigen,
sich elegant zum Staub der Straße neigen,
einfach ranken in der Stadt,
mutig entfalten, was zart begonnen hat.

Aus der Fülle geschöpft –
so viel Leben!

So ein Geschenk:
der Duft am frühen Morgen.
Nur für Sekunden, im Vorübergehen
ist da ein unverhofftes Blütenwehen,
Was verwandelt dieser Duft?
Nur für Sekunden: ein Flüstern in der Luft.

Aus der Fülle geschöpft –
so viel Leben!

So rot wie Glut:
das Kleid an kühlen Mauern.
Noch flirten Knospen mit der Morgensonne,
bald schwimmen Blätter in der Regentonne.
Ist der Weg auch noch so weit –
an solchen Tagen, da lasse ich mir Zeit.

Aus der Fülle geschöpft –
so viel Leben!

Susanne Brandt

“Die bunten Häuser lauschen in den Tag”. Ostböhmische Impressionen

Foto: Susanne Brandt

Plastik Olbrama Zoubka in Hradec Kralove Foto: Susanne Brandt

Hradec Králové (Königsgrätz) in Ostböhmen ist etwas Besonderes: Jung ist die Stadt durch die vielen Studierenden, die sich nicht nur auf dem neuen Campus tummeln, sondern z.B. ebenso mitten auf dem Markt im Neuen Adalbertinum ein und aus gehen und den ganzen Tag den Klang ihrer Instrumente aus den Musikzimmern über den Hof wehen lassen. Schon der Dichter Karel Capek hat hinter diesen Mauern gelernt.

Und das Leben in diesem ehemaligen Jesuiten-Kolleg reicht noch sehr viel weiter zurück: Alt ist die Stadt durch ihre lange Geschichte, die sich vor allem an der Baukunst aus verschiedenen Epochen ablesen lässt. Sie spricht durch viele kleine Details, die sich den Betrachtenden zeigen, wenn sie langsam und aufmerksam durch die Stadt gehen, vielleicht zwischendurch an einem der vielen Plätze und grünen Winkel für einen Moment verweilen. Denn dazu lädt diese kleine Perle an der Elbe ein: Halte inne und schau genau hin! Auch die Frau mit den goldenen Haaren vor dem Theater wird dann nicht verborgen bleiben. Weiterlesen