Rosentage

Ich mag den leisen Widerstand der wilden Rosen,
dass sie so unbeirrt im Alltag so viel Schönheit zeigen
und sich mit Anmut und Respekt zum Staub der Straße neigen,
sich einfach Raum erobern mitten in der Stadt,
nicht danach fragen, welchen Zweck das alles hat.

Ich mag den unverhofften Duft am frühen Morgen:
Nur für Sekunden, leicht und flüchtig im Vorübergehen,
kann mich ein Rosenwind lebendig wie ein Tanz umwehen
und all das Schwere wird verwandelt von dem Duft.
Nur für Sekunden liegt ein Wunder in der Luft.

Ich mag das Sommerkleid der Gärten und der Mauern:
Die weichen Blüten lehnen sanft am Rand der Regentonne,
die jungen Knospen haben Sehnsucht nach der Morgensonne.
Und ich genieße das – der Weg vor mir ist weit.
An solchen Rosentagen lasse ich mir Zeit

Susanne Brandt, im Juni 2017

…und zum Singen: Lied Rosentage

 

Sonntagsmomente: Flieg, Seele, flieg….

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Sonnenaufgang in Lisr/Sylt, Foto: Susanne Brandt

Der heutige Blick aus dem Fenster des alten Pfarrhauses von List auf Sylt hätte passender kaum sein können für diesen 4. Advent: Kommendes Licht über dem Meer an der Ostküste der Insel. „Sehnsucht“ ist das geistliche Thema dieses Sonntages – so auch im Gottesdienst in der kleinen Lister Kirche. Und da passt das Lied auf einen Text des Dichters Arno Pötzsch genau für diesen Tag und Ort, wo es heute gesungen wird – wenngleich die Verse vor vielen Jahren am Deich von Cuxhaven entstand sind:

Flieg-Möwe-flieg

Ein Lied erzählt: Die Geschichte der Ukulele

Foto: Susanne Brandt

Foto: Susanne Brandt

Ein heller Ton hüpft aus dem Instrument://
Es kennt Geschichten aus der weiten Welt,
von einer Reise hat es mir erzählt:

Ein Schiff, das legte einst im Hafen an://
Es kam von Portugal bis nach Hawaii,
die Menschen hatten Lieder mit dabei.

Und manche sangen nach der langen Fahrt://
mit Saitenspiel – so hell und wunderschön,
das hatte dort noch niemand so gesehn.

Schon bald entstand aus Holz und allerlei://
ein Instrument, so munter wie ein Floh:
Die Ukulele machte alle froh!

Weit übers Meer bis nach Amerika://
bis nach Europa und auch hier im Land,
da war die Ukulele bald bekannt.

Und wenn ich heute mal auf Reisen bin://
pack ich die Ukulele gerne ein.
Die Ukulele ist ja klitzeklein!

Ein heller Ton hüpft aus dem Instrument://
Und was dann weiter klingt in dieser Welt,
das wird mit Liedern überall erzählt.

T. + M.: Susanne Brandt

Liedblatt mit Noten: Ukulele Geschichte

Sonntagsmomente: Winterliches Abendlied

Flensburger Altstadt, Foto: Susanne Brandt

Flensburger Altstadt, Foto: Susanne Brandt

In kalter Zeit ein Weilchen Wärme –
aus Glut entfacht:
Es wartet eine stille Stunde
am Tor zur Nacht.

Ein herber Duft von Zimt und Tannen
zieht durch den Raum.
Der Tag entweicht auf Zehenspitzen.
Man hört es kaum.

Er trägt das Laute, Ruhelose
nun sanft davon.
In seinen großen Manteltaschen,
da schläft es schon.

Ganz leise klingen andre Töne
im Zimmer nach:
ein Ofenlied, ein Windgeflüster
vom dunklen Dach.

Es kommt als Gast, das Weilchen Wärme –
und lässt sich Zeit.
Wir spüren seinen ruhigen Atem.
Es ist soweit.

Susanne Brandt, im Advent 2015

(…und wer es als Abendlied singen will, findet hier die Noten dazu: Winterliches Abendlied 2015)

Zum 9. November: Quelle und Klang – Lied nach Texten von Etty Hillesum

Quelle und Klang Liedseite

Um Klage, Lob und Dank in der Musik wie Theopoesie ganz verschiedener Menschen geht es bei der diesjährigen CS-Kantoreiwoche im Kloster Schöntal. Am Samstag kommt das Programm, das dort die kommenden Tage erarbeitet wird, bei einem Konzert mit kurzen Lesungen in Heilbronn unter dem Titel „Quelle und Klang“ öffentlich zur Aufführung.  Zu den thematischen Akzenten der Woche gehört auch die jüdische Studentin Etty Hillesum, die literarisch und biografisch im Mittelpunkt des Abendprogramms am Gedenktag 9. November stehen wird.

Als kleiner Eindruck dazu:

Neu erschienen ist vor einigen Wochen die Chor-CD „Quelle und Klang“ zu dem gleichnamigen Chornoten-Heft (beides erhältlich beim Verlag Singende Gemeinde, Wuppertal). In der Sammlung enthalten ist auch das gleichnamige Lied „Quelle und Klang bist du“, zu singen nach einer alten jüdischen Weise, das im Text Gedanken und Bilder aus dem Tagebuch von Etty Hillesum aufnimmt.

Zum Reinhören: 15 Quelle und Klang   Die Kleine Kantorei des Christlichen Sängerbundes

Hier der komplette Text mit Link zur trad. Melodie und zur Hörprobe: Quelle und Klang Liedseite