Zum 4. Advent: “Und das habt zum Zeichen…”

Aufbruch, mutige Freude, Zeit für Geschichten – mit jeder Adventswoche habe ich in diesem Jahr versucht, dem Besonderen dieser Zeit auf die Spur zu kommen. Was mir dabei geholfen hat: mit verfeinerter Aufmerksamkeit durch die Stadt gehen, besser zuhören, wenn Menschen erzählen, sich einfach mal Zeit lassen, um über das Entdeckte nachzudenken…

Flensburger Altstadt, Foto: Susanne Brandt

Nun – vor dem 4. Advent – ein viertes Stichwort, das mir dabei wichtig geworden ist: Zeichen

Wer morgen die Weihnachtsgeschichte nach Lukas liest oder hört, wird auch die Botschaft des Engels wieder hören: „Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“  Was also anfangen mit solchen und vielen anderen Zeichen, die uns in unzähligen Zusammenhängen des Alltags, vor allem aber auch in religiös geprägten Zeiten begegnen?

Zeichen wollen etwas ausdrücken, tragen damit Chance und Gefährdung zugleich in sich: Sie erinnern und sie werden missbraucht und umgedeutet, verflacht und benutzt für Zwecke, die das Zeichen von seiner ursprünglichen Bedeutung lösen und so vielleicht irreparabel schädigen. Das lässt sich nicht immer verhindern. Das lässt sich wahrnehmen, bedenken und kritisch hinterfragen, wenn wir Zeichen sehen und nutzen. Es gibt nicht nur gute Zeichen. Es gibt auch Zeichen, die Menschen verletzen, erniedrigen, ausgrenzen. Zeichen zu deuten und zu verwenden heißt also immer auch: sich seiner Verantwortung bewusst zu sein bei dem, was durch Zeichen zum Ausdruck gebracht und weitergegeben wird. Weiterlesen

Sonntagsmomente: Schattentheater

BALI

Herbstsonne, Foto: Susanne Brandt

Noch einmal ein Fest,
denkt die Sonne,
noch einmal ein farbiges Spiel
mit Schattentheater der Blätter,
noch einmal verschenkt sie so viel,

wirft Wärme vom Himmel
und wechselndes Licht,
malt tanzende Schatten
ins fremde Gesicht,
weckt herbstliche Wehmut
und schwingt ihren Hut,
mischt Funken von Sehnsucht und Übermut
zur letzten Verbeugung des Sommers.

Er geht und zugleich ist ein Anfang gemacht:
Aus Ästen wird bald schon
ein Feuer entfacht.

Das wärmt in der Nacht.

 

Susanne Brandt, im September 2016

Bilderbuch-Tipp: Nachts leuchten alle Träume – bis zum Einschlafen….

DownloadBei diesem Buch der preisgekrönten argentinischen Autorin können lauter traumhafte Geschichten sozusagen „im Schlaf“ entstehen. Was die Seiten aus festem Papier dazu beisteuern, sind wenige Worte zur Beschreibung verschiedener Träume und ein jeweils passendes Bild dazu, das erst so richtig zur Geltung kommt, wenn einem im dunklen Zimmer fast schon die Augen zufallen. Denn die Motive leuchten bei Dunkelheit, wenn sie zuvor einige Minuten lang unter einer Lampe das Licht für die dunklen Stunden „einfangen“ konnten. Damit das alles kuschelig im Liegen anzuschauen ist, hat das Buch eine etwas andere Form: Es wird wie ein Kalender oder Kniebuch über eine Ringbindung am oberen Rand Seite für Seite umgeklappt und der doppelt verstärkte Papprücken lässt sich so auseinanderklappen, dass das Buch z.B. auf einem Tisch oder Stuhl neben dem Bett stehen kann und so den Betrachtenden bis zum Einschlafen entgegenleuchtet. Die Handhabung des Buches sieht folglich auch etwas anders aus als bei einer gewöhnlichen Gutenachtgeschichte: Gemeinsam werden die „Traum-Rezepte“ zunächst betrachtet und dann überlegt, welcher Traum in dieser Nacht das Kind in den Schlaf begleiten könnte: Weiterlesen